Kaiserslautern Schaugewächshäuser der Uni schließen und 300 Pflanzen finden ein neues Zuhause

Mehr als 300 Pflanzen wurden bei der Börse am Montag in den Schaugewächshäusern der TU an den Mann oder die Frau gebracht. Den g
Mehr als 300 Pflanzen wurden bei der Börse am Montag in den Schaugewächshäusern der TU an den Mann oder die Frau gebracht. Den ganzen Tag herrschte in den Glashäusern ein reges Treiben.

Rettungsaktion an der TU: Bei der Pflanzenbörse in den Schaugewächshäusern der Technischen Universität (TU) fanden am Montag viele Pflanzenarten ein neues Zuhause. Ende November schließt die Einrichtung für immer.

Eine Welt aus Grün eröffnete sich den Besuchern am Montag in den Uni-Gewächshäusern: Palmen, Farne, Bäume, Sträucher. Auf einem Stamm sah man die Knospen einer Kakaobohne wachsen, an einem Zweig hängen die plüschigen Samen der Baumwolle und an dem Stamm der „Cycas revoluta“ – ein Palmfarn aus Südostasien, der sich vor 200 Millionen Jahren entwickelt und bereits den Dinosauriern als Nahrungsquelle gedient hat - schlängelten sich die „Fossilien“ alter Blätter empor, die den Stamm ausmachen. Und das bereits seit 100 Jahren – also länger, als es die Universität selbst gibt. Eine kleine, paradiesische Oase mitten auf dem Campus, die es jedoch nun nicht mehr geben wird.

Die Schließung der Schaugewächshäuser wurde bereits im Sommer entschieden, als uni-interne Reaktion auf die Energiekrise. Die Diskussionen ziehen sich aber schon seit Jahren. „Letztendlich war es eine Kosten-Nutzen-Rechnung“, sagt Stefanie Müller-Schüssele, seit 2021 Professorin für Molekulare Botanik und Leiterin des Fachbereichgartens der TU. „Die Universität hat sich, wie jeder Privatmensch auch, überlegt, wie sie ihre Heizkosten decken kann. Und da die Bausubstanz der Gewächshäuser so alt ist, dass sie nicht mehr sinnvoll beheizt werden können, entschied sich Fachbereich, Verwaltung und die Universitätsleitung für die Schließung der Schaugärten.“

Petition zum Erhalt der Gewächshäuser scheitert

Eine Petition zur Erhaltung der Schaugewächshäuser scheiterte. Für die Renovierung fehlten schlicht die Gelder vom Land. „Die Schaugewächshäuser hätten einen Freundeskreis oder eine Stiftung gebraucht, die dahinter stehen und die Häuser finanzieren. Die sind jedoch durch den Personalmangel in den vergangenen Jahren nicht gut zugänglich gewesen“, so die Botanikerin.

Bedauerlich ist die Schließung der Gewächshäuser allemal – besonders aus historischer Sicht. Müller-Schüsseles Vor-Vorgänger, Herbert Huber, hatte die meisten Pflanzenarten in den 1970er-Jahren auf seinen vielen Forschungsreisen gesammelt und mitgebracht – unter anderem aus den Pyrenäen, Sizilien und aus dem Regenwald von Sri Lanka. „Die Wissenschaft hat sich allerdings mittlerweile verändert“, sagt Müller-Schüssele.

Während zu Huberts Zeiten noch die Erfassung und Erhaltung der Arten- und Formenvielfalt im Zentrum stand, dominiert heute die genetische und molekulare Forschung das allgemeine Interesse. Einen lehrreichen Nutzen hatten die Pflanzen also schon lange nicht mehr. „Die Schaugewächshäuser waren immer ein schöner außerschulischer Lernort. Sie waren aber nicht notwendig für Forschung und Lehre in der Botanik. Und wenn wir keine speziellen Forschungsprojekte darin durchführen, stellt sich die Frage, ob die Weiterführung gerechtfertigt wäre.“

Die Gewächshäuser und das Freiland drumherum – mit all seinen wilden, seltenen, heilenden und giftigen Pflanzen – sollen erhalten bleiben. „Das Ziel ist, dass wir einen grünen Campus haben und die einheimische Bio-Diversität fördern. Doch die Entscheidung über die genaue Umsetzung muss noch getroffen werden“, sagt Müller-Schüssele.

Den ganzen Tag herrscht reges Treiben

Davor muss jedoch alles Grün raus. Die ersten Besucher waren bereits um 10 Uhr vor Ort und versuchten zu retten, was zu retten war. „Ich finde es so schade, dass es diesen Ort nie wieder mehr geben wird und dass die Natur wieder durch menschliches Versagen leiden muss“, kommentierte eine Käuferin, die namentlich nicht genannt werden wollte.

Auf den Gängen vom Kalthaus über das temperierte Haus bis hin zur Tropen-Zone herrschte den gesamten Tag über dichtes Gedränge. Über 300 getopfte Pflanzen wurden verkauft oder zur Abholung reserviert. Nutz- und Zierpflanzen waren besonders heiß begehrt. Viele besondere Arten wurden bereits vorab an botanische Gärten, Zoos und Freizeitparks übergeben. Aber auch benachbarte Firmen und das unieigene ESA-Wohnhaus adoptierten einige Gewächse – darunter die 100 Jahre alte „Cycas revoluta“. „Um die haben wir uns besonders große Sorgen gemacht“, gesteht die Gartenleiterin. Die am Morgen noch vollgestellten „Börsen“-Tische waren schon am Mittag fast komplett leer. „Der Tag war sehr erfolgreich, weil wir viele Pflanzen, die aus rein botanischer Sicht nicht mehr interessant waren, trotzdem noch auf Spendenbasis abgeben konnten.“

Eine Reihe Studierender informierte über Herkunft, Zustand und Pflege der Exemplare. Nach einer Registrierung am Empfang durften die Käufer ihre Pflanzen mit Namenszetteln versehen. „Ich bin positiv überrascht, dass gerade so viele größere Pflanzen noch ein Zettelchen bekommen haben“, zieht die Biologin Bilanz.

Was nicht umgetopft werden kann, wandert auf den Kompost

Pflanzen, die zu groß für eine ordentliche Umtopfung und einen sicheren Transport sind, wandern Ende des Jahres in den Bio-Müll. „Es gibt hier einfach Pflanzen mit ganz speziellen Wurzeln, die man höchstwahrscheinlich nicht mehr lebenserhaltend ausgraben kann. Unsere namibische Wüstenpflanze Welwitschia zum Beispiel – die wir jedoch zu Forschungszwecken selbst behalten werden – oder die fünf Meter hohen Bäume“, sagt die Professorin. „Das ist natürlich sehr traurig aber wir können da nichts mehr tun.“

Was anstelle der Schaugewächshäuser in Zukunft hier stehen wird, ist noch nicht entschieden.

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