Kaiserslautern Saiten und Gesang strömen Wärme aus

Ein Hauch von „Hot Club de France“ im Paris der 1920/30er Jahre schwang am Mittwochabend beim Konzert der „Schön gehört“-Reihe in der Landstuhler Stadthalle mit. Die Band „Still Great“ um den Landstuhler Gitarristen Oliver Abt und die Sängerin Djulia Jung begeisterte im legendären Stil des „Gypsy-Hot-Swing“.
Das Saitengefühl der Sinti und Roma schwang in dem Spiel des Quartetts mit, ob sie nun – wie in Ungarn – Violine oder – wie die spanischen Gitanos des Monte Sacro – Flamenco-Gitarre spielen. All das, verbunden mit einer großen Verehrung für den legendären Django Reinhardt, wurde lebendig im Spiel des Quartetts „Still Great“, das nur aus Saiteninstrumenten besteht: zwei Gitarren und Bass. Schlagzeug? Das benötigten sie nicht. Denn die Zeit hatten sie im Kopf. Und ihr gemeinsamer Nenner war der Swing. Diesen Fundamentalrhythmus hielt Sven Sommer an seinem so sensiblen und hochentwickelten Kontrabass mit gleichmäßig ausgespielten Schlägen unerschütterlich fest. Gleichzeitig aber lieferte er seinen Mitspielern eine harmonische Basis, über der sie sich frei bewegen konnten. Mit der Fähigkeit, sein Instrument „klingen“ zu lassen“, kultivierte Sommer das Gravitätische seines Basses: mit einem abgrundtiefen Ton und einer Erdhaftigkeit im Timbre. Viel Wärme strömten auch Oliver Abt und Uli Bund (Saarbrücken) auf ihren Gitarren aus. Und sie verbreiteten einen Swing, der die Zuhörer dazu brachte, mit den Füßen zu wippen. Immer mit einem eigenen, lebendigen Puls agierte Oliver Abt auf der Rhythmusgitarre. Ein unermüdlicher und absolut zuverlässiger Spiritus rector der rhythmischen Akkordspielweise, der den kompakten Rhythmus zum Sound werden ließ. Als Meister delikater, sensibler Gitarren-Improvisation zeigte sich Uli Bund. Er zupfte nicht nur sein Instrument, sondern er brachte die Saiten zum Erklingen, indem er sie mit den Fingerkuppen beider Hände auf das Griffbrett niederklopfte – ganz so, als seien sie Tasten eines Klaviers. Diese Tapping-Technik spielte er mit so reichen, polyphonen Liniengeflechten, dass man den Eindruck gewann, es spiele hier nicht einer, sondern zwei Gitarristen. So war die Band schon beim Eröffnungs-Song „Bistro Fada“ – Soundtrack aus dem Woody-Allen-Film „Midnight in Paris“ – auf Betriebstemperatur. Erst recht beim „Bossa Dorado“. Die beiden Gitarristen phrasierten flüssige Legatolinien haarscharf „on top of the beat“ und gewannen dadurch einen ungewöhnlichen Drive. Bund mischte gesangliche, wohltönende, sensible, runde Linien dazu, die eine große dynamische Spannweite besaßen. Getragen wurden seine Improvisationen von einem Mandolinenartigen, schwebenden, obertonreichen Gitarrenklang mit rasanten 32stel-Noten. Diese virtuose Vibrato-Technik brachte ebenso wie die kaskadenhaften Arpeggios und Synkopierungen den Zuhörer immer wieder zum Staunen. Noch mehr begeisterte die in Russland geborene und aufgewachsene Sängerin Djulia Jung mit ihrer sinnlichen und ausdrucksvollen Stimme. Damit verlieh sie Songs wie „Je suis seul ce soir“, „Careless Whisper“ oder „La Mer“ zusätzliche Tiefe. Ihre Stimme hat nichts von der voluminösen Härte mancher Jazzsängerinnen. Sie zeigte sich vielmehr als Sängerin des Understatements mit einer schmiegsamen, kultivierten, sensiblen Stimme und einer glockenklaren Intonation. Mit viel Rhythmusgefühl und Jazzfeeling begeisterte sie auch in Songs wie „Sunny“, „Those were the days“ oder „Here there everywhere“. Und in „Fenster von Moskau“ beantworteten Oliver Abt und Uli Bund jede empathisch gesungene, ja melancholisch klingende Zeile mit einem gitarristischen Statement, das die Besucher schier vom Sitz riss. Begeisterter Beifall. Eine Zugabe.