Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Saison beendet. Und nun?

lockerungen hürden

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber das schließt nicht aus, dass sie trotzdem irgendwann stirbt. Die Hoffnung. Eigentlich wollte das Präsidium des Südwestdeutschen Fußballverbandes erst am 7. April über den Fortgang der Saison beraten. Jetzt trifft man sich bereits am Donnerstag. Beschlossen wird der Abbruch und die Annullierung der Saison 2020/21. Geplatzte Träume. Oder Sieg der Vernunft?

David gegen Goliath

Es war von Beginn an ein ungleicher Kampf. David gegen Goliath. Kreisliga gegen Champions League. Katholische Schwule gegen den Papst. Amateurfußball gegen Corona. Es heißt: „Je törichter dein Hoffen, umso fester.“ Also hofften wir. Schon von Julius Cäsar wissen wir: „Die Menschen glauben fest an das, was sie wünschen.“ Und ja, also wünschten wir auch. Eine Saison wie früher. Kreisliga-Fußball. Anfeuern. Den Ball ins Tor tragen wollen. Den Schiri beschimpfen. Das Bier aus dem Pappbecher – und die Bratwurst mit extra viel Senf.

Meister sollen aufsteigen

Doch der Gegner ist übermächtig. Und nein, im Spiel des Amateurfußballs gegen Corona gelten keine eigenen Gesetze. Aber was ist ein Leben ohne Hoffnung wert? Wir warten also. Geben dem Gegner die Chance, sich zu beruhigen, seinen zerstörerischen Hass zu bändigen und Mitgefühl zu wecken. „Wünsche sind nie klug. Das ist sogar das Beste an ihnen.“ Sagt Charles Dickens. Was über die schockgefrosteten Wintermonate blieb, war die Hoffnung. Bis zuletzt. Denn Meister sollen aufsteigen. Nur blöd, wenn es keine gibt.

Dann liegst du im Frühjahr nahezu aussichtslos zurück, rennst einem Rückstand hinterher - und musst frustriert einsehen, dass der Gegner in jedem Zweikampf turmhoch überlegen ist. Aber deshalb frühzeitig aufgeben, obwohl rechnerisch noch alles drin ist? Wäre das nicht Kapitulation vor dem Feind? Also versuchst du es. Irgendwie. Legst eine Atempause ein. Dann holt der Trainer seine Mannschaft vom Feld. Es hat keinen Sinn mehr. Lass uns einen neuen Anlauf nehmen. Demnächst. Irgendwann.

Blau zwischen den Wolken

Der Amateurfußball ist trotzig: Solange uns der Gegner nicht umrundet hat und der Trainer nicht das Handtuch wirft, so lange werden auch wir uns jedem Gegner stellen. Aufrecht. Stolz. In Kleingruppen von zehn Personen. Und selbstverständlich auf Abstand. Das ist immerhin erlaubt. Vorerst zumindest. Und unsere Kinder dürfen trainieren. Auf Du und Du. Soziale Kontakte in freier Natur. Nach Monaten der Entfremdung und Isolation. Zwischen schwarzen Wolken seh’ ich ein kleines bisschen Blau. Ist nicht von mir, sondern von Johannes Oerding.

Feilen an der Taktik

Wer den Amateurfußball liebt, verzeiht ihm auch Niederlagen. Erst recht, wenn der Gegner übermächtig ist. Alles in Grund und Boden rammt. Das Spiel geht irgendwann wieder von vorne los. Ganz bestimmt. Bis dahin wird an der Taktik gefeilt. Ein Matchplan entworfen; was sag’ ich: ein Masterplan. Die Kreisliga kommt wieder. Sie hat so vieles überlebt. Da wird sie sich auch nicht von einem ordinären Virus in die Knie zwingen lassen. Gestärkt aus der Krise. Nur Voltaire kann das vielleicht noch ein bisschen philosophischer ausdrücken: „Eines Tages wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung. Heute ist alles in Ordnung, das ist unsere Illusion.“

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