Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Söhne Mannheims Piano: „Können auch leise und akustisch“

Können auch leise und akustisch: Die Söhne Mannheims sind auf „Piano“-Tour.
Können auch leise und akustisch: Die Söhne Mannheims sind auf »Piano«-Tour.

„Söhne Mannheims Piano“ – das ist ein Format, bei dem die Sänger nur von einem Klavier begleitet werden. Zu erleben heute Abend im Congress Center Ramstein. Gereon Hoffmann hat vorab mit Sänger Karim Amun darüber gesprochen, warum die Söhne gern in kleiner Besetzung spielen und wie das ihre Musik verändert.

Karim Amun, wie ist das Format „Piano“ der Söhne Mannheims entstanden?
Wir sind in voller Besetzung mit zehn Söhnen ja eine sehr große Band. Dadurch war es schwer, in der Coronazeit zu proben und aufzutreten. Da haben wir das kleinere Söhne-Mannheims-Piano-Format gestartet mit einem Konzertflügel und fünf Stimmen – damit die Fans uns auch mal in kleineren Locations hören können.

Das erfordert besondere Arrangements und eine Auswahl der Stücke, wer hat das gemacht?
Wir haben das Glück, dass wir mit Florian Sitzmann einen klassisch ausgebildeten Pianisten in der Band haben, der das wirklich sehr gut kann. Er hat die Piano-Arrangements gemacht und ist der musikalische Leiter des Projekts. Wir Sänger hatten dann die Aufgabe, uns in dieses neue Soundformat einzuhören und eine neue Vokal-Mischung aus sanft und stark zu entwickeln. Das ist sehr schön, denn so ein mehrstimmiger Männergesang, das machen nicht viele Bands in Deutschland. Natürlich ist das auch anspruchsvoll, denn man hört wirklich jedes Detail.

Wie ist das für die Sänger im Vergleich zur vollen Besetzung?
Wir machen immer noch gerne Auftritte auf großen Bühnen, in großen Hallen und mit großer Anlage. Aber in einem intimen Rahmen, nur mit einem schönen Konzertflügel, das hat schon was. Das ist etwas Besonderes gerade für uns als Sänger.

Und wie war die Vorbereitung anfangs in der Praxis? Hatte Florian Sitzmann ein Arrangement gemacht und Euch ein Klavier-Demo geschickt?
Ich würde sagen, das war „glückliche Magie“. Wir haben immer Situationen, wo wir uns einsingen, oder neue Stücke vorbereiten, oder nicht alle dabei sei können. Da entstehen dann neue Situationen, und wir stellen uns darauf ein. Wir müssen anders singen oder einer übernimmt eine andere Stimme. Aus solchen Situationen sind dann Versionen entstanden, die toll geklungen haben oder uns Sängern neue Möglichkeiten eröffnet haben. Das haben wir dann weiter entwickelt. Das war für uns alle spannend, hat aber gut funktioniert.

Ihr probiert einfach gerne neue Sachen aus?
Ja, wir sagen ganz oft einfach „das machen wir mal“ und schauen dann, was dabei herauskommt.

Das Projekt ist ja sozusagen auch eine Konsequenz der Pandemiezeit. Bei der Premiere als Streamingkonzert aus dem Capitol damals waren auch mal Gitarre und Cajon dabei ...
Ja, das Cajon hat unser Rapper Metaphysics gespielt, damit er auch genug zu tun hat (lacht). Die Gitarre hat Giuseppe „Gastone“ Porrello gespielt bei Stücken, die er selbst geschrieben hat wie beispielsweise „Mut“, eine der Singles aus dem aktuellen Söhne-Album „Kompass“.

Wie gestaltet sich denn das Programm der „Piano“-Konzerte inzwischen?
Das Söhne-Mannheims-Portfolio aus über 25 Jahren Bandgeschichte ist riesig. Es sind ganz viele bekannte Stücke dabei wie „Und wenn ein Lied“ oder „Geh davon aus“, die die Leute kennen und lieben. Aber in der Piano-Version immer mit etwas mehr Raum, etwas mehr Zeit und etwas mehr Entspannung.

Wir haben schon einige Konzerte gespielt, und ich war wirklich überrascht, wie positiv das aufgenommen wurde. Die Leute kennen ja die ursprünglichen Versionen und haben das im Ohr. Es war fast schon rührend, wie begeistert die Leute sind.

Das Ziel dabei ist auch, in Clubs spielen zu können statt in großen Hallen und auch andere Leute anzusprechen?
Auf jeden Fall. Da kommen dann auch Leute, die nicht im Stadion das volle Brett wollen, sondern einen intimeren Rahmen schätzen. Es wollen ja auch nicht alle in große Hallen.

Wie ist es denn für dich, in kleinerem Rahmen aufzutreten?
Ich komme ja aus der Soul- und Popmusik und habe nie Jazz in kleinen Clubs oder so gemacht. Dann auf die Bühne zu kommen und eine Stecknadel fallen zu hören, das ist ein Erlebnis. Auch während des Konzerts ist die Spannung viel intensiver. Wenn ich die volle Rhythmusgruppe habe und zehn Subwoofer unter der Bühne, da fällt es nicht auf, wenn ich mal einen Ton verhau’. Aber hier ist alles wie unter einer großen Lupe und du musst handwerklich sehr sauber singen. Aber wir können das halt auch – und das kann man jetzt besonders gut hören.

Termin

Konzert „Söhne Mannheims Piano“, Donnerstag, 17. Oktober, Congress Center Ramstein. Zum Programm der Söhne sollen an diesem Abend bekannte Hits gehören, außerdem auch Songs des aktuellen Söhne-Albums „Kompass“. Zur Besetzung gehören Pianist Florian Sitzmann, der langjährige Söhne-Sänger und Produzent Michael Klimas, die Vokalisten Dominic Sanz und Karim Amun mit ihren eindrucksvollen Soul-Stimmen, der Söhne-Songwriter und Sänger Giuseppe „Gastone“ Porrello mit seiner markanten Reibeisenstimme und Söhne-Rapper Metaphysics. Als Special Guest dabei ist Elisa Saliha. Die Sopranistin und „Tochter Mannheims“ zählt zu den stärksten Stimmen der europäischen Opernwelt. Sie wird auch den Song „Hauptgewinn“, den aktuellen Hit, singen, den auf dem Album „Kompass“ Clara Louise interpretiert, die in Ramstein nicht dabei sein kann. Karten gibt es noch an der Abendkasse und über https://congresscenterramstein.reservix.de

Zur Person: Karim Amun und die Söhne Mannheims

Karim Amun ist mit Giuseppe „Gastone“ Porrello 2019 neu zu den Söhnen Mannheims gekommen. Das Kollektiv entstand 1995 mit Sängern aus verschiedenen Bands und Shows. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Xavier Naidoo, Claus Eisenmann, Michael Herberger und weitere, die heute nicht mehr dabei sind. Im Jahr 2000 brachte das Album „Zion“ den Durchbruch. Auch nach mehreren Umbesetzungen blieben die Söhne erfolgreich. Zudem entwickelten sie weitere Projekte wie das Jazz Department. Karim Amun, geboren 1985, ist seit neun Jahren professioneller Sänger. Der gelernte Schreiner arbeitete in einer Heidelberger Designmöbelmanufaktur und sang aus Spaß Karaoke. Jason Wright von The Wright Thing, der schon bei der Gründung der Söhne im Kontakt mit dem Projekt stand, entdeckte sein Talent und vermittelte den Einstieg.

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