Musikgeschichte(n)
Sängerin Tina Skolik über erinnerungswürdige Konzerte mit From Da Soul
Frau Skolik, vor Ihrer Gesangslaufbahn war das Saxofonspielen Ihre Leidenschaft. Wie kamen Sie zu diesem für Frauen eher ungewöhnlichen Instrument? Warum sind Sie zum Gesang gewechselt?
Eigentlich war meine erste Leidenschaft schon immer das Singen, und ich saß stundenlang im Zimmer meines Bruders, wenn er nicht da war, vor dessen Plattenspieler und sang alle Al-Jarreau-Platten hoch und runter. Meine Mutter unterbrach das irgendwann genervt: Ich solle nicht so rumjaulen. (lacht) Mit 16 konnte ich mir dann endlich Musikunterricht finanzieren. Da nach dem Urteil meiner Mutter eine Gesangskarriere wohl nicht in Frage kam, habe ich mich von meinem Bruder beeinflussen lassen, der ein Alt-Saxofon spielte. Meine Wahl fiel jedoch auf das Tenor-Saxofon. In der ersten Band, in der ich dieses Instrument spielen durfte, wurde ich dann gefragt, ob ich auch singen könne, und ich sagte ja, ohne darüber nachzudenken. Und ehe ich mich’s versah, hatte ich ein Mikrofon in der Hand. Das Training mit Al Jarreau hat anscheinend gewirkt, denn ich wurde Sängerin der Band.
Aus welchem Anlass gründeten Sie im Jahr 1998 die mittlerweile überregional bekannte Formation From Da Soul?
Vor From Da Soul war ich nie in Cover-Bands aktiv, sondern habe mit meinen Gruppen zusammen eigene Stücke komponiert. Im Sommer 1998 spielte bei einem Stadtteilfest in Mannheim eine bekannte einheimische Künstlerin mit Band. Ich stand in der ersten Reihe und sang alle Songs lautstark mit. Das hörte der damalige Marketing-Chef einer bekannten Brauerei. Er fragte mich, ob ich Sängerin wäre. Kurz und knapp: Ich sollte auf die Schnelle Song-Material meiner Band besorgen, um uns mit Funk-, Fernseh- und Live-Auftritten zu promoten. So eine Chance für Bands, die nur eigene Songs schreiben, gibt es nicht oft. Leider spielte die damalige Band nicht mit und ließ diese Möglichkeit verstreichen. Das war dann die Geburtsstunde von From Da Soul. Von den Gründungsmitgliedern ist niemand mehr übrig, aber unser heutiger Bassist Martin Müller, ein Urgestein der Westpfälzer Musikszene, ist wenige Jahre später dazugestoßen und heute das Herzstück der Band – und meines auch.
Gesanglich wird ja einiges gefordert: Adele, Amy Winehouse, Donna Summer, Pointer Sisters. Nach welchen Aspekten werden die Lieder zwischen Ihnen und Evelyn Hollerith aufgeteilt?
Evelyn ist leider nicht mehr Teil von From Da Soul, sie ist ja Mama geworden. Jede Sängerin hat eine bestimmte Stimmfärbung und Reichweite, und dann kommt noch der eigene Geschmack dazu. Der Song sollte ja möglichst überzeugend präsentiert werden. Und manchmal muss man sich eben auch was trauen. Das heißt, ich hätte mir auch nicht träumen lassen, dass ich irgendwann als Soul-Sängerin mit Glitzermikro „Killing In The Name Of“ performe.
Hatten Sie jemals Gesangsunterricht?
Gesangsunterricht – interessant. Ja, sowas hatte ich mal. Nach fünf Stunden meinte der Lehrer, dass er mit meiner Stimme nicht klarkäme und mich nicht unterrichten könne. Ob der sich mit meiner Mutter abgesprochen hat? (lacht). Eine andere Lehrerin wollte mich unbedingt klassisch ausbilden, weil ich so einen tollen, dramatischen Mezzosopran hätte. Aber eine klassische Ausbildung hätte mir für Soul und Pop überhaupt nichts gebracht. Meine Rettung war ein Workshop in München mit den Speech-Level-Stars aus den USA – sündhaft teuer, aber effizient. Bei denen stehen Größen wie Stevie Wonder und Madonna mit auf der Liste.
Wie kamen die teils exotischen und für Amateurmusiker doch zeitaufwendigen Ausland-Shows in Ägypten, Spanien, Zypern und der Türkei zustande?
Wir sind sehr oft in Clubs aufgetreten und haben unseren Urlaub mit der Musik verbunden. Das ist für viele Berufsmusiker eine günstige Möglichkeit, Urlaub zu machen. Hinzu kommt, dass From Da Soul noch nie eine reine Amateur-Band war, sondern schon immer viele Berufsmusiker auf der Bühne hatte.
Aus der nunmehr fast ein Vierteljahrhundert währenden Band-Historie gibt es doch sicherlich lustige Anekdoten, die Sie erzählen können?
Lustig und peinlich zugleich ist es, wenn man das Publikum anheizt, dabei springt und im nächsten Moment in der Bühne einkracht. Oder die Naht der Hose reißt hinten ein, und man bemüht sich dann das ganze Konzert über, sich ja nicht umzudrehen, um dann in der Pause festzustellen, dass die Bühnenrückseite komplett verspiegelt ist (lacht). Es ziehen sich Männer einfach komplett vor uns Mädels aus … nein, Jungs, wir wollen das nicht sehen. (lacht) Oder unsere Jungs bekommen die Nummern von Hotelzimmern zugesteckt. Partys, auf denen wir als Band plötzlich nur noch langsame Songs spielen, um das Publikum wieder zu beruhigen, bevor es weiter ausartet ... ja, das ist das Schöne am Live-Spielen, da passiert auch so unendlich viel neben der Musik!
Welche From-Da-Soul-Konzerte sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Die Shows in der Motorsportszene mit ihren Stars, Sternchen und Auftrittsorten sind immer etwas ganz Besonderes. Da standen wir unter anderem schon mit Norbert Haug, dem Ex-Motorsport-Chef von Mercedes Benz, oder dem No-Angels-Mitglied Lucy Diakovska zusammen auf der Bühne und haben Songs geschmettert. Auf dem Dach der Boxengasse des Hockenheimrings haben wir auch schon gespielt. Das war immer eine totale Gaudi, wenn auch oft sehr, sehr anstrengend. Der künstlerisch nachhaltigste Moment war für mich aber unser Konzert zum zehnten Bandjubiläum in der Kammgarn in Kaiserslautern. Da haben wir unser Programm als „From Da Soul Acoustic Lounge“ akustisch komplett neu arrangiert. Das war dann die Blaupause für Acoustic Colour. Für mich als Sängerin war es noch mal eine neue Herausforderung, mit sehr leisen und feinen Tönen umzugehen, da ich bei From Da Soul doch überwiegend sehr druckvoll singe. Aber nach der langen Corona-Zwangspause brennen sich auch Konzerte wie das in Pirmasens auf dem Novembermarkt letztes Jahr ins Gedächtnis ein. Das war ein Befreiungsschlag – und es war Balsam für die Seele, zu sehen, wie das Publikum dort mit uns gefeiert hat. Als gäbe es kein Morgen mehr.
Sind schon From-Da-Soul-Shows für 2022 gebucht – und denken Sie, dass in der Livemusik-Szene alles wieder so wird wie vor Corona?
Ja, es stehen Shows an. In Pirmasens erst mal nur mit Acoustic Colour, und zwar am 20. März in der Pauluskirche. From Da Soul spielt erst im Sommer wieder hier in der Gegend. Wird es wieder so, wie es war? Es wird selten so, wie es einmal war. Und keine Branche ist so stark im Wandel wie die Musikbranche. Ich weiß von vielen Bands, die sich aufgelöst haben und vielen Veranstaltern, die unter den teils sehr schweren Bedingungen aufgegeben haben. Viele Musiker sind in Depressionen abgerutscht und müssen sich erst mal wieder aus diesem Sumpf der negativen Vibes ziehen, andere sind sehr kreativ geworden. Es wird sich also vieles ändern. Ob das dann zum Positiven ist, muss jeder für sich selbst einordnen.
Info
www.fromdasoul.de und www.acousticcolour.de.