Landstuhl
Sängerin Sabrina Roth und Gitarrist Udo Werle geben in der Stadthalle ein Konzert
Bestimmend für die kleine Band (sofern man sie denn so nennen möchte) ist auch ihr gleich zu Anfang des Konzerts genanntes Credo, all das zu spielen, was die beiden Ausführenden könnten, was ihnen Spaß mache, was ihnen etwas gebe. Damit waren schon mal Spielfreude und Abwechslung in Aussicht gestellt.
Bemerkens- und in Bezug auf die Saiteninstrumente auch sehenswert war dabei schon das zur Verfügung stehende Equipment: eine ausgebildete Gesangsstimme plus fünf Gitarren in unterschiedlicher Ausführung – akustisch, elektrisch, als Bass, postmodern ohne Korpus und äußerlich zunächst nur am verzierenden Umriss als „klassische“ E-Gitarre erkennbar. Man durfte gespannt sein, was Udo Werle daraus hervorzaubern würde.
Eine reizvolle Sache
Alle Komponenten zusammen vereinigten sich zu einer runden Sache, in der man nichts vermisste – schon gar nicht ein etwa „fehlendes“ Instrument. Eine gliedernde Rhythmik und eine prägende innere Kraft ergaben sich und kamen da schon aus dem mitunter perkussiven Spiel Werles und besonders aus der starken künstlerischen Präsenz der Beiden heraus. Sollte man tatsächlich einmal etwas mehr „Schmackes“ gehabt haben wollen, dann stand ihnen noch eine verstärkende „Loop Machine“ zur Verfügung, mit deren Hilfe Werle dann quasi mit sich selbst im Duett spielen und Roth mit ihrer eigenen Stimme interagieren konnte. Eine reizvolle Sache.
Udo Werle vervollständigte seinen Anteil am Konzert auch hin und wieder mit respektablen Gesangseinlagen und überraschenden Talk-Box-Klängen aus der Gitarre. Zu viel beachteten Höhepunkten wurden nicht zuletzt auch seine rein solistischen Beiträge wie etwa die sprudelnden, teilweise noch nie öffentlich gespielten Flamenco-Stücke im zweiten Teil des Abends. Das hatte dann in der Tat etwas von der angedeuteten „Zauberei“ mit und auf den Instrumenten.
Neues aus der Reduktion
Auf dieser breiten Basis des Zusammenwirkens konnte man denn auch interpretatorisch ordentlich auftrumpfen. Äußerlich manchmal bis auf das reine Gerüst reduziert, nutzten Roth und Werle genau diese Vorgabe, um Neues, Beeindruckendes, oft Überraschendes zu erschaffen. Dabei streifte man quer durch die moderne Populärmusik, berührte dabei locker Pop und Soul, erreichte unter anderem auch Jazz-Gefilde und Rock-Regionen. Gleich zu Anfang begeisterte das Duo mit dem mitreißenden Brazil-Hit „Mas Que Nada“, später unter anderem mit einer lasziven Neu-Fassung von „Come Together“ und einer latinesk aufgezogenen „Sweet Dreams“-Version. Auch eine wie frisch entkernt wirkende Musical-Nummer („Summertime“) und sogar eine kurze, aber intensive Exkursion ins Opernfach bei „I Will Survive“ gehörten letztlich zum wie versprochen breiten Repertoire.
Das war innovativ und unterhaltsam, Sabrina Roths Ansagen waren launig, und kleine Unwägbarkeiten wie etwa eine plötzlich knarzende E-Gitarre wurden elegant und professionell „überspielt“. Spätestens dann, als beide zum Schluss hin lässig am Bühnenrand saßen und komplett ohne Mikro und Tonabnehmer spielten (dem Publikum dann auch buchstäblich ganz nah), war dann endgültig klar: Man braucht, wenn die Voraussetzungen stimmen, tatsächlich gar nicht so viel für ein gelungenes Konzert.