Musikvideo
Sängerin Charlotte Lisador verarbeitet Krankheit im Lied
Besonders Musiker der jüngeren Vergangenheit haben es immer wieder geschafft, durch ihre Lieder Abstand zum Erlittenen zu gewinnen, das Geschehene emotional zu verarbeiten und vielleicht auch den Blick auf eine Zukunft „danach“ zu richten. Eric Clapton etwa thematisierte einst den tragischen Verlust seines kleinen Sohnes Conor im Lied „Tears In Heaven“, Herbert Grönemeyer den Verlust seiner Ehefrau Anna, die mit nur 45 Jahren an Brustkrebs starb, in dem Song „Der Weg“. Auch Johnny Cash und viele andere verarbeiteten ihre gesundheitlichen Probleme in sehr persönlichen Titeln. Und auch die Enkenbacher Sängerin Charlotte Lisador hat sich in Form eines Liedes und dessen Umsetzung als Video mit ihrem eigenen Schicksal als Brustkrebs-Patientin auseinander gesetzt.
Groß war der Schock, als sie im Sommer 2021 die niederschmetternde Diagnose erhielt. Lange überlegte Lisador, ob sie ihre Krankheit öffentlich machen sollte – und entschied sich dafür, den Kampf gegen einen Krebs, an dem in Deutschland jährlich etwa 70.000 Frauen erkranken, nicht alleine auszutragen. Auf Instagram berichtete Lisador fortan über ihre Gefühle, ihre Gedanken und die (erfolgreiche) Therapie. Freunde, Kollegen und Familie halfen ihr durch die schwere Zeit, eine große unterstützende Community entstand, die sie mit ihrem Schicksal nicht alleine ließ.
Ein ganz besonderer Song
Heute gibt Charlotte Lisador ihre Erfahrungen und ihre Mut machende Geschichte weiter. Am 9. Dezember etwa erschien dazu ein ausführlicher Artikel in der RHEINPFALZ, vor kurzem wurde ein gut gemachtes Video zum Musiktitel „I Run For Life“ unter ihrer Mitwirkung veröffentlicht. Und mit jenem Stück hat es in diesem Zusammenhang eine besondere Bewandtnis.
Die Musik spielt grundsätzlich und seit jeher eine große Rolle im Leben der hauptberuflich städtischen Angestellten, die unter anderem im Extra-Chor des Pfalztheaters aktiv ist und in der heimischen Band For Good mitwirkt. Und da gab es nun im Speziellen dieses Lied, „I Run For Life“ der amerikanischen Musikerin Melissa Etheridge. Die Künstlerin reiht sich damit in die Gruppe der eingangs genannten Musiker ein: Sie schrieb den expressiven Titel vor fast 20 Jahren, um damit ihre Brustkrebs-Erkrankung zu verarbeiten.
Der Krankheit entkommen
„Mit ihrer wundervollen Musik und dem starken Text hat sie dem Thema Brustkrebs ein Gesicht gegeben“, sagt Charlotte Lisador. Etheridge vermittle darin eindringlich, wie es sich anfühlt zu erkranken und therapiert zu werden, aber sie sage zugleich auch, dass es Hoffnung gebe und viele gute und wichtige Gründe dafür, die harte Zeit der Therapie durchzustehen. So heißt es etwa im Original des Liedes „And they cut into my skin and they cut into my body. But they will never get a piece of my soul.“ Und weiter, zusammen mit dem Bild des Rennens und des Entkommens vor der tückischen Krankheit, wobei sie Ziele des Sich-Wehrens thematisiert: „I run for hope, I run to feel, I run for the truth, for all that is real. I run for your mother, your sister, your wife. I run for you and me, my friend. I run for life.“ Melissa Etheridge konnte dem Krebs entrinnen: Sie überstand die Krankheit nach mehreren Operationen.
„Das Lied hat mir viel Kraft gegeben“, sagt Charlotte Lisador über ihre eigene schwere Zeit und die Wirkung, die das ebenso treffende wie hoffnungsvolle Lied in dieser Situation auf sie hatte. Diese Hoffnung nach überwundener Erkrankung wolle sie weitergeben. So entstand vor dem Hintergrund der eigenen Musikalität und innerhalb der Band For Good die Idee, gemeinsam ein entsprechendes Mutmach-Video zu diesem Lied zu machen.
Video in Schwarz-weiß
Das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen. Den Etheridge-Song „I Run For Life“ neu arrangiert und am Flügel einfühlsam mitgespielt hat dabei kein Geringerer als Vanden-Plas-Mitglied Günter Werno, der das Stück auch sauber aufgenommen, abgemischt und produziert hat. Der ursprünglich ziemlich rockige Titel klingt jetzt etwas zurückgenommer als das Vorbild, geht dafür aber nicht zuletzt durch den Einsatz der gleich fünf ausdrucksvollen Stimmen sogar noch etwas mehr in die Tiefe.
In Szene gesetzt und produziert hat das dazugehörige Filmmaterial der Video-Spezialist Andreas Neigel, den man von Kooperationen im Pfalztheater her kannte. Von Neigel stammte auch die optisch reizvolle Idee, das über fünf Minuten dauernde Video fast vollständig in Schwarz-weiß zu drehen. Nur die Schleifen auf der Kleidung der Vokalistinnen Sarah Bohnert, Janina Linnebacher, Charlotte Lisador, Ines Pawlowski und Lisana Werno (die sechste For Good-Sängerin Jutta Polifka wirkte nicht mit) und Accessoires in den Einblendungen weiterer Mitwirkender waren in Pink gehalten – die Bänder dieser Farbe gelten weltweit als Symbol für Aktivitäten gegen Brustkrebs.
Gäste vom Pfalztheater dabei
Apropos weitere Mitwirkende: Das Video, das inzwischen auf YouTube veröffentlicht wurde, zeigt nicht nur die Mitglieder der Band mit Charlotte Lisador als Leadsängerin, die zusammen mit Pianist Werno das adaptierte Lied intonieren. In dazwischen geschnittenen Szenen wird der musikalische Ausdruck noch durch Pfalztheater-Cellistin Caroline Busser, eine Hälfte des Duos IC-Strings, verstärkt und der akustische Eindruck durch die Performance von Pfalztheater-Tänzerin Jura Francesca Wanga auf einer weiteren Ebene in adäquate Bewegung umgesetzt.
Buchstäblich „zu Worte“ kommen letztlich in kurzen Sequenzen eingeblendete Leidensgenossinnen, die mit ihren auf Plakaten aufgebrachten liedtextnahen Botschaften noch einmal daran erinnern, wofür und warum sich ein Kampf gegen den Krebs lohnt. Die gesamte Mutmach-Botschaft kommt in den letzten sieben Sekunden des Videos noch einmal geballt zum Tragen, wenn sich die Sängerinnen des Videos außerhalb des farblosen Aufnahmeraums immer farbiger werdend in schöner Natur fröhlich lachend sozusagen vom Publikum verabschieden. Mehr positive Symbolik geht an dieser Stelle nicht.
Info
Das Video zum von For Good adaptierten Lied „I Run For Life“ findet sich auf YouTube nach Eingabe des Titels und des Bandnamens in der Suchleiste oder direkt unter der https://youtu.be/sep9MibNpHU?si=dP-ocgM4-b58PIx9.