Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Rocksänger Andy Kuntz in Landesmusikrat berufen

Will als Schirmherr der Initiative „Stimme als Instrument des Jahres“ Talente fördern: Andy Kuntz. Mit Vanden Plas gastiert er a
Will als Schirmherr der Initiative »Stimme als Instrument des Jahres« Talente fördern: Andy Kuntz. Mit Vanden Plas gastiert er am 15. März in Pirmasens und am 3. Oktober in der Kaiserslauterer Kammgarn.

Für Andy Kuntz ist die Stimme ein Geschenk. Jetzt hat sie ihm die Berufung in den Landesmusikrat eingebracht. Bilanz einer ungewöhnlichen Karriere.

„Ich freue mich wie ein kleiner Bub“: Andy Kuntz ist nach seiner Berufung in den Musikrat Rheinland-Pfalz sichtlich gerührt über die unerwartete Ehre. „Als ich angeschrieben wurde, dachte ich zuerst, es sei ein Fake“, gesteht der Vanden-Plas-Frontmann. Das war es nicht. Und jetzt ist der Pfälzer Rocksänger offizieller Botschafter des Landesmusikrats: Bei der Kür der „Stimme als Instrument des Jahres 2025“ wurde er Ende Januar neben Countertenor Andreas Scholl und Jazzsängerin Sarah Lipfert zum Schirmherren berufen. Ziel der Initiative ist es dem Landesmusikrat zufolge, „Menschen aller Altersgruppen zu inspirieren und die Stimme als elementares, kraftvolles Instrument in den Mittelpunkt zu rücken.“

Dazu sind unter anderem Workshops und Konzerte geplant, die sich auf die Stimme als Musikinstrument konzentrieren. Andy Kuntz will sich mit aller Kraft in den Dienst der Sache stellen, auch nach Kräften Talente unterstützen: „Wo ich helfen kann, will ich helfen“, betont er – und setzt damit eigentlich seine eigene Maxime fort. Schon immer hat er neben Profis auch Neulinge wie junge Roadies in die Bandkonzerte und Talente von der Musikakademie in seine Theater-Produktionen eingebunden.

Bodenständiger Rockstar

Zum Treffen in einem Lauterer Café kommt Kuntz lässig mit Basecap und in Lederjacke – und zieht die Blicke auf sich. Die Begrüßung ist herzlich und vertraut, obwohl wir uns Jahre nicht gesehen haben. Schnell wird klar: Andy Kuntz hat nichts von seiner sympathischen Bodenständigkeit verloren, auch wenn er ein gewachsenes Selbstvertrauen und Stolz über seine Erfolge ausstrahlt.

Immerhin gastiert er seit Jahren regelmäßig mit Vanden Plas auf Mega-Festivals wie dem Wacken und dem Progpower USA in Atlanta. Er hat überdies die Theaterwelt erobert, das Libretto für sechs erfolgreiche Rockopern geschrieben und als Hauptdarsteller daran mitgewirkt, ist nicht nur im Pfalztheater, sondern auch auf den Bühnen des Theaters am Gärtnerplatz und des Prinzregententheaters in München, des Theaters in Münster, des Tiroler Landestheater in Innsbruck und des Stadttheaters Pforzheim zu Hause.

Stolz auf Ernennung

Kuntz bestellt einen Espresso und eine „Goldene Milch“, zubereitet mit Haferdrink, fragt auch erst einmal ehrlich interessiert, wie es seinem Gegenüber geht, bevor er zur Sache kommt. Doch dann plaudert er sich warm, nach seinem Gefühl angesichts der aktuellen Entwicklungen befragt. Mit bedachten Worten reiht er Satz an Satz, kommt dabei von Hölzchen auf Stöckchen und steigert sich bald begeistert in den Flow. Zunächst eine Dankesrede an den Landesmusikrat für seine Ernennung, obwohl er doch Autodidakt sei, weitet sich die Ansprache nahezu ohne Zwischenfragen zu einer Art Bilanz seiner Karriere aus.

„Dass ich für die Schirmherrschaft angefragt wurde, erfüllt mich mit großem Stolz. Ich denke diese Entscheidung des Landesmusikrats hat einen Strahlwert auf die ganze Szene. Sie zeigt, dass man auch ohne diplomierten Abschluss – mit Talent, viel Arbeit, Lernfähigkeit und innovativer Weiterentwicklung eine Vorbildfunktion übernehmen kann.“ So hatte Andy Kuntz es für seine Ernennungsrede formuliert. Die musste allerdings Peter Stieber, Präsident des Landesmusikrats Rheinland-Pfalz, verlesen, da Kuntz nicht selbst an der Verleihung seiner Urkunde in Mainz teilnehmen konnte – wegen einer Corona-Erkrankung.

Die Pandemie sei auch für ihn eine harte Zeit gewesen, blickt er zurück. Er erinnert an die vielen zerstörten Lebensentwürfe von Kulturschaffenden, daran, dass sich „viele Leute“ aus der Existenzangst und Depression heraus „das Leben genommen haben“. Umso glücklicher zeigt sich der 62-Jährige, jetzt wieder auf Tour gehen zu können, mit dem jüngsten Werk „The Empyren Equation Of The Long Lost Things“, das beim namhaften Label Frontiers Records herauskam. Am 15. März steht ein Auftritt im Pirmasenser Musikclub Z1 an, am 3. Oktober in der Kammgarn Kaiserslautern. Und in Mannheim (23. Mai, 7er Club) gibt es ein Gastspiel.

Dankbar für Unterstützung

Er sei nur dank seiner Rücklagen durch die Pandemie gekommen, erinnert er sich. Die Rücklagen wiederum habe er der Kombination aus Rockband-Karriere und Theaterarbeit zu verdanken: „Das Renommee der Band hat uns den Weg in Theaterkreise geebnet. Die Theaterarbeit hat uns die monetären und künstlerischen Mittel an die Hand gegeben, um unsere Bandkarriere weiter auszubauen.“

Das eigentliche Kapital des Kaiserslauterers war dabei eben stets auch seine authentische „Rockröhre“. „Die Stimme ist das einzige Instrument, das wir immer bei uns tragen. Ihre Klangfarbe und Ausdruckskraft sind so einzigartig wie ein Fingerabdruck und dieses besondere Instrument wird jedem Menschen bereits bei der Geburt geschenkt“, hatte der Präsident des Landmusikrats die Kür der Stimme zum Instrument des Jahres 2025 erklärt.

Wieder auf Tour

Auch Andy Kuntz sieht seine Stimme als Geschenk, wie er betont. Die Musik habe ihn gefunden, sagt er und verschweigt nicht, dass sein Weg von der Passion zur Profession auch jenseits der Pandemie ein steiniger war. Es habe nicht selten der Unterstützung bedurft, und er habe viel lernen müssen.

„Ich darf sehr glücklich sein, dass ich in meinem Leben immer wieder mit Menschen zusammentreffen durfte, die mir auch in Zeiten eigener Unsicherheit im künstlerischen Schaffen Halt gegeben haben. Weil Sie einfach an mich geglaubt haben, mir uneingeschränkt ihr Vertrauen geschenkt haben“, sagt Andy Kuntz. Allen voran nennt er seinen Vater: „Überall, wo du es mit Leuten zu tun hast, die ihre Profession besser verstehen als du, trau dich zu fragen, und stiehl mit Augen und Ohren“, habe dieser ihm mit auf den Weg gegeben. „Ich habe den Rat befolgt, so gut ich konnte, und kann heute sagen: Das Wichtigste ist zu lernen, dass es immer noch viel mehr zu lernen gibt.“

Kritik als Ansporn

Auch manche zunächst niederschmetternde Pressekritik sieht er im Rückblick als Ansporn, härter an sich zu arbeiten. Dabei habe ihm seine Fußballer-Seele geholfen: „Auch wenn ich 0:3 zurückliege, weiß ich, es kommt noch eine zweite Halbzeit, dann werfe ich alles rein und drehe das Spiel.“ Und falls alles nichts nützt, hat er nach einem Leben voller Aufs und Abs eine letzte Karte, die er ausspielt: Uneitelkeit. Ums Renomee sei es ihm nie gegangen: „Ich habe schon Luftballons auf der Kirmes verkauft, um mich über Wasser zu halten“, erinnert er sich. Sein Hauptlohn seien die glücklichen Kinderaugen gewesen, erzählt er. Er zweifele nicht daran, immer wieder etwas zu finden, das ihn weitertrage. „Ich habe höchstens Angst davor, nichts zu finden, was mich erfüllt.“

Diese Worte zeigen: Andy Kuntz ist nicht nur mit seiner Stimme, sondern längst auch bei sich selbst angekommen. Die Ernennung in den Landesmusikrat ist das Sahnehäubchen auf der Karriere eines Sängers, den seine Stimme, Glück und Zuversicht, aber auch harte, akribische Arbeit und die Bereitschaft, Kritik ernst und Rat anzunehmen zum international gefeierten Rockstar und zum renommierten Musicaldarsteller und Theater-Autor gemacht hat. Diese Leistung hat zweifellos Vorbildcharakter.

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