Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel RHEINPFALZ-Telefonaktion zu psychischen Belastungen

„Ganz fertig“ hat sich eine über-70-jährige Frau bei der Telefonaktion gemeldet. Die derzeitige Pandemie-Situation belaste sie s
»Ganz fertig« hat sich eine über-70-jährige Frau bei der Telefonaktion gemeldet. Die derzeitige Pandemie-Situation belaste sie sehr. Da sie Probleme mit ihrem Immunsystem habe, traue sie sich nicht mehr aus dem Haus.

Depressionen und Schlafstörungen – auch wegen der Corona-Pandemie – waren die beiden großen Themen der RHEINPFALZ-Telefonaktion mit dem Pfalzklinikum. Was die Oberärzte Gabriel Lacourt und Natalia Labun den Anrufern geraten haben.

Eine Stunde lang standen am Mittwochvormittag Natalia Labun, Oberärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie Kaiserslautern, und ihr Kollege, der Oberarzt Gabriel Andrés Lacourt aus der Psychiatrischen Tagesklinik für Erwachsene am Telefon Rede und Antwort. In manchen Fällen wurden weitere, ausführlichere Gespräche vereinbart.

Eine Anruferin (68) beschrieb eine Depression und Ängste. Im Gespräch mit Labun habe sich eine schwere depressive Symptomatik gezeigt, berichtet die Oberärztin: „Die Frau hatte sich noch nie getraut, offen darüber zu sprechen. Sie hat sich so geschämt.“ Allerdings sei eine Depression gut behandelbar, was die Lebensumstände für die Betroffenen spürbar verbessere, so Labun: „Und niemand muss sich deswegen schämen. Statistisch gesehen kann jeder fünfte Deutsche daran erkranken.“ Sie habe der Frau gerade anbieten wollen, einen Gesprächstermin auszumachen, als die Telefonverbindung abgerissen sei. Nun hofft Natalia Labun, dass die Frau sich im Nachhinein telefonisch im Pfalzklinikum in der Albert-Schweitzer-Straße meldet. „Über eine Depression zu sprechen ist ein erster, wichtiger Schritt.“

Ebenfalls über Depressionen und Angstzustände klagte eine 60-jährige Frau am Telefon. Sie sei deswegen in Behandlung und nehme Medikamente, doch ohne Wirkung. Sie traue sich nicht einmal mehr zum Einkaufen raus. Labun: „Es ist wichtig, sich den Ängsten zu stellen, daran zu arbeiten. Man darf sich nicht nur auf Medikamente verlassen.“ Das Pfalzklinikum wie auch andere Experten böten in dem Zusammenhang eine sogenannte begleitete Exposition an. Dabei begleitet eine Fachkraft die Angstpatientin. Labun: „Beispielsweise beim Busfahren oder einkaufen. Nach und nach ziehen wir uns dann zurück, und der Patient gewinnt an Sicherheit.“

Von einer belastenden Situation berichtete eine 82-Jährige. Ein Angehöriger sei alkoholsüchtig, nicht einsichtig und lehne jede Hilfe ab. Labun: „Das empfand die Frau natürlich als sehr belastend, sie kommt an ihre Grenzen. Im ersten Schritt habe ich dazu geraten, professionelle Hilfe zu holen.“ Der Anruf sei da schon richtig gewesen, die 82-Jährige solle nach Möglichkeit Kontakt mit einer Angehörigenselbsthilfegruppe suchen. Die böten momentan oft auch telefonische Unterstützung. „Sich mit anderen auszutauschen, die die Problematik selbst kennen, ist da sehr wichtig“, so Labun.

Über Schweißausbrüche, Angst und eine hohe psychische Belastung klagte eine 74-jährige Frau bei Oberarzt Lacourt. Nach einem Herzinfarkt hätten sich Ängste entwickelt, die durch die Corona-Pandemie noch zugenommen hätten. Belastend sei zusätzlich die Tatsache, dass die Frau derzeit zu Hause bleiben müsse und keine Bekannten treffen könne. Lacourt: „Wir haben dafür ein sogenanntes Clearing-Gespräch vereinbart, in dem wir dann zusammen mit etwas mehr Zeit herausfinden wollen, was die Frau braucht – ob Gruppengespräche, Tagesklinik oder ein stationäres Angebot.“ So ist der Oberarzt auch mit einem etwa-60-jährigen Anrufer verblieben, der an Depression leidet und zuvor schon eine neurologische Erkrankung hinter sich gebracht hatte.

Die noch junge Schlafhygienegruppe in der Tagesklinik des Pfalzklinikums hat Lacourt einer etwa 60-jährigen Frau empfohlen, die infolge einer Zahnbehandlung körperliche Schmerzen hatte und eine Schlafstörung entwickelte. Sie liege nachts oft im Bett, mache sich Gedanken und könne nicht schlafen, berichtete ihm die Frau. In der Gruppe könne man konkrete Tipps zur Schlafhygiene bekommen, was vielen Menschen helfe.

„Ganz fertig“ habe sich eine über-70-jährige Frau gemeldet, die die derzeitige Pandemie-Situation sehr belaste. Da sie Probleme mit ihrem Immunsystem habe, traue sie sich nicht mehr aus dem Haus. Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus gehe sie seit Monaten nicht mehr zum Arzt. Lacourt: „Ich habe ihr erklärt, dass die Ärzte allesamt Vorkehrungen getroffen haben, dass die Patienten sicher sind.“ Mit Abstand und Maske solle sie ihren Hausarzt aufsuchen. Die Frau nehme wegen ihrer Angst ein Medikament, das abhängig macht. Lacourt: „Ich habe dazu geraten, das nicht dauerhaft zu nehmen.“

Oberärztin Natalia Labun.
Oberärztin Natalia Labun.
Oberarzt Gabriel Lacourt.
Oberarzt Gabriel Lacourt.
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