Kaiserslautern RHEINPFALZ-Sprechstunde zum Thema Schlafstörungen

Im Schlaflabor wird eine Fülle von Daten gesammelt, um den Schlafstörungen der Patienten auf den Grund zu gehen.
Im Schlaflabor wird eine Fülle von Daten gesammelt, um den Schlafstörungen der Patienten auf den Grund zu gehen.

Immer mehr Menschen leiden an Schlafstörungen. Für Betroffene können sie eine große Belastung sein. Wer nicht Ein- oder Durchschlafen kann, wer schnarcht und vielleicht Atempausen hat, ist am Tag müde, nicht leistungsfähig oder leidet unter Kopfschmerzen. Es drohen sogar hoher Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Bei der Ursachenforschung kann ein Besuch im Schlaflabor helfen.

Seit 1. Oktober gibt es ein solches Labor im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in der Bismarckstraße 74. Das MVZ ist eine 100-prozentige Tochter des Westpfalz-Klinikums. Acht Patienten können dort jede Nacht unter medizinischer Aufsicht schlafen. Stefan Kniele, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Schlafmedizin am Westpfalz-Klinikum, geht dort den Schlafstörungen der Patienten mit seinem Team auf den Grund.

Viele Menschen leiden am Schnarchen des Partners

Ins Schlaflabor kommt zum Beispiel, wer selbst feststellt, dass er unter Schlafstörungen leidet. Ein anderer Teil der Patienten wird vorstellig, weil die Partner vom Schnarchen genervt sind, weiß Stefan Kniele. Rund jeder zweite Deutsche schnarcht. Knapp fünf Prozent der Menschen leiden sogar unter sogenannter Schlafapnoe, also Atemaussetzern, die einen erholsamen Schlaf verhindern und teils massive gesundheitliche Folgen haben können, erläutert der Mediziner. Bis zu fünf Atempausen pro Stunde seien bei Menschen normal. Sie sind durchaus auch mal länger als zehn Sekunden. Im Schlaflabor hat Kniele aber schon eine Patientin erlebt, die fast 100 Atemaussetzer pro Stunde hatte. Bei einem anderen Patienten dauerten die Aussetzer bis zu 153 Sekunden. Die Folgen – Müdigkeit, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Kopfschmerzen oder Depressionen – haben Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten. Die Schlafapnoe kann sogar die Lebenserwartung verringern und erhöht das Risiko von Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Herzrhythmusstörungen. Wie Kniele erläutert, gibt es bestimmte Faktoren, die Schlafstörungen begünstigen: Übergewicht gehört neben anderen ebenso dazu wie Alkoholkonsum oder schweres Essen am Abend sowie übermäßige Handynutzung vorm Zubettgehen.

Schlafapnoe lässt sich behandeln

Ehe Patienten ins Schlaflabor kommen, werden sie vom Facharzt beraten und es werden Voruntersuchungen durchgeführt. Scheint eine weitere Untersuchung sinnvoll, werden sie im Labor eine ganze Nacht beim Schlafen überwacht. „Die Patienten kommen abends um acht Uhr zu uns“, schildert Kniele den Ablauf. Haben sie sich mit den Räumen vertraut gemacht, werden sie verkabelt. Dazu gehören unter anderem Elektroden am Kopf, aber auch eine Blutdruckmessung, die ohne das übliche Pumpen der Manschette auskommt, um den Schlaf nicht zu stören, erläutert der Mediziner. Überwacht werden Puls, Hirnströme, Augen- und Muskelbewegungen sowie – natürlich – die Atmung. Außerdem werden die Schlafenden gefilmt. In einem Raum mit acht Monitoren, einen für jeden Patienten, laufen die Daten ein. Am Morgen wird dann der Befund besprochen.

Die gute Nachricht für die Patienten: Schlafapnoe lässt sich behandeln, beispielsweise mit einer sogenannten nächtlichen Überdrucktherapie. Betroffene tragen dann beim Schlafen zuhause eine speziell angepasste Maske, die entweder nur die Nase oder auch zusätzlich den Mund bedeckt. Ein angeschlossenes Gerät erzeugt einen dauerhaften Luftstrom, der die Atemwege offen hält. So werden die Atemaussetzer verhindert. „Das Gerät ist so leise, dass es in der Nacht nicht stört“, versichert Kniele. Atemluftbefeuchter, beheizbare Atemschläuche und unzählige Maskentypen führten heute nur noch selten zu Therapieabbrüchen. Meist verbringen Patienten nach der Diagnose noch einmal eine Nacht im Schlaflabor, um zu überprüfen, ob die Therapie anschlägt, so der Schlafmediziner, der betont: „Die Behandlung verbessert die Lebensqualität der Patienten erheblich. Blutdruck und Herzrhythmusstörungen werden günstig beeinflusst.“

Sprechstunde

Stefan Kniele, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Schlafmedizin, steht am Dienstag, 21. Dezember, von 14 bis 15 Uhr unter der Telefonnummer 0631 3737288 für Fragen rund um Schlafstörungen und deren Diagnose im Schlaflabor zur Verfügung.

Ehe die Patienten zu Bett gehen, werden sie verkabelt. Mit Gips werden Elektroden am Kopf befestigt.
Ehe die Patienten zu Bett gehen, werden sie verkabelt. Mit Gips werden Elektroden am Kopf befestigt.
Fernseher sucht man in den Zimmern vergeblich. Schließlich sollen die Patienten schalfen.
Fernseher sucht man in den Zimmern vergeblich. Schließlich sollen die Patienten schalfen.
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