Kaiserslautern
RHEINPFALZ-Sommerredaktion: Die Kultkabarettisten Marina Tamassy und Wolfgang Marschall haben neue Pläne
Nichts ist so beständig wie der Wandel. Das weiß auch das Kabarettistenpaar Marina Tamassy und Wolfgang Marschall. Zusammen sind sie die Köpfe der Untiere – oder „Herz und Hirn“, wie es Tamassy ausdrückt. Und so schlagen sie auch in der RHEINPFALZ-Sommerredaktion mit neuen Nachrichten auf.
Neuigkeit Nummer eins: Ingwer-Zitronen-Schorle mit Eis ist angesagt statt der gewohnten Kaffee-Koffein-Spritzen. „Ist gesund und gibt Energie“, grient Tamassy. Und apropos Gesundheit. Als Ausgleich zu den langen Schreibtisch-Sessions hält sich Marschall mit „Ausfahrten“ auf dem Hometrainer fit. „Sitzen ist ja das neue Rauchen“, konstatiert der stattliche Kabarettist und überlegt weiter, ob man nicht den Fernseher per Strampelei mit Strom versorgen könne. „Aber nicht, dass Du mir dann aufs Parkett knallst“, bremst seine Partnerin solcherlei Ambitionen.
Einiger sind sich die beiden dann schon hinsichtlich Neuigkeit Nummer zwei: Angesichts schwächelnder Besucherzahlen, die das Kabarettistenquartett – mit im Boot sind Philipp Tulius und Pianist David Punstein – in den vergangenen Monaten verzeichnete, will man sich rarer machen in der Stadt. Bedeutet konkret: Mehr Auftritte außerhalb – in Mannheim und der Vorderpfalz etwa –, „damit die Lautrer wieder hungriger werden“, kommentiert Tamassy launig. Zur Disposition stehe ab kommenden Jahr das allmonatliche Programm. Dafür wollten Die Untiere noch mehr themenorientiert arbeiten, so Marschall, mit Spezialprogrammen zum Neuen Jahr oder zum Aschermittwoch etwa.
„Eine Annalena Baerbock ist durchaus drin“, denkt Marschall laut nach
Themen genug biete Kaiserslautern jedoch nach wie vor, sprudelt es wieder aus Marschall heraus. „Flavio Becca kauft die ganze Stadt auf und will vom Pfaff-Gelände, was die Firma Horn übrig gelassen hat“, nimmt er den neuen FCK-Sponsor aufs Korn. Und überhaupt: der Schillerplatz! Könne die Stadt denn einfach so Umlagen beschließen? Wo führe das denn hin? „Brennende Themen, die niemanden interessieren“, redet sich Marschall weiter in kabarettistische Rage. Ein Schluck Ingwer-Zitrone kühlt ihn dann wieder ab und führt ihn zu Neuerung Nummer drei: zum „Bühnenpersonal“.
„Ja schade eigentlich“, bedauert Tamassy den Rückzug einer ihrer Lieblingsfiguren. Der Abgang von SPD-Chefin Andrea Nahles, die sie so trefflich parodierte, schmerzt. Immerhin bis 2021 jedoch hat sie Planungssicherheit bei ihrer Paraderolle als Kanzlerin „Mutti“ Merkel. Vorausgesetzt die GroKo hält. „Aber auch eine Annalena Baerbock ist durchaus drin“, sinniert Marschall über die weiteren kabarettistischen „Verwendungsmöglichkeiten“ seiner vielseitigen Partnerin im Hinblick auf die junge Grünen-Vorsitzende. „Aber die ist noch nicht so greifbar“, gibt Tamassy zurecht zu bedenken.
OB „Klausi“ Weichel nutze sich allmählich ab, konstatiert Marschall
Von den Hoffnungsträgern von morgen zu den Figuren, „die sich langsam aber sicher abnutzen“. OB „Klausi“ Weichel sei so eine und werde dementsprechend zurückgefahren in den kommenden Programmen, verspricht Marschall. Insgesamt wolle man weiter die überregionalen Themen ausbauen, so der Kabarettautor, der in diesen Tagen an Texten für das Mannheimer Ensemble „Dusche“ sitzt und das neue Programm für seinen bekannten Kollegen Reiner Kröhnert strickt. Mit dem beziehungsreichen Titel „Grüner wird’s nicht“ übrigens.
Zum guten Schluss: Was ist der nächste Streich der Untiere? Im September spielen sie an ihrer Stammstätte, dem Edith-Stein-Haus, mit dem Gast Stefan Reusch und im Oktober mit dem Kollegen Thomas Gsella. Ein ganz persönliches Programm will das Kabarettistenpaar mit Anekdoten und Songs aus den 60er und 70er Jahren noch in diesem Jahr herausbringen. Von Ruhe oder Rückzug ist also weit und breit nichts zu spüren – und das ist auch gut so.