Kaiserslautern
Reingehört: Die brandneue CD des Lauterer Trios Nachtgreif
Rein musikalisch halten sich Thorsten Fries (Gesang), Arndt Hebel (Schlagzeug) und der neu hinzugekommene Bernd Basmer (Gitarre, Bass, Keyboard) an die gewohnte, nicht alltägliche Personalstil-Mischung, die etwa Elemente aus Heavy Metal, Gothic-Rock und Neuer Deutscher Härte enthält. Allerdings wirkt der Gesamtsound auf „Schattenwandler“ im Vergleich zu früheren Entwicklungsstufen der Band jetzt noch etwas kantiger, heftiger, griffiger. Daran hat ohrenscheinlich besonders Bernd Basmer seinen Anteil, der ordentlich neue Energien in das Projekt einspeiste.
Auch inhaltlich bleibt sich die Band in den zwölf rein deutschsprachigen neuen Titeln treu, thematisiert auch nun wieder vor allem dunkle Themen wie das unselige Streben nach immer mehr („Babylon“), Gewalt („Psycho“ und „Tiger“), das Dunkle tief in uns drin („Geliebter Feind“) und allzumal die Umweltzerstörung. Die findet Eingang in „Bis kein Licht mehr scheint“ (bezieht sich auf die verheerenden Waldbrände in Australien) und die beiden sich mit dem Klimawandel auseinandersetzenden „Asche“ und „Eisige Schönheit“ (ein verhältnismäßig ruhiges, dafür umso eindringlicheres Stück als Eigen-Remake). Vordergründig-plakativ sind die oft von Metaphern und Anspielungen geprägten Texte dabei nie; sie fordern stets zur Interpretation auf.
Bleibt alles anders
Alles wie gehabt – und doch etwas anders: Besonders auffallend sind die in einem gewissen Gegensatz dazu stehenden und gerade deshalb auch eine Art Gegengewicht bildenden Stücke wie das leicht kryptische Liebeslied „Wenn sie kommt“ oder die beiden Anti-Sorgen-Songs „Angst“ und „Resilient“. Nicht das Schlechteste im Moment...
Kein Album unbedingt also nur für die in dunklen Zeiten und Gefilden existierenden „Rabenvögel“ (so ein weiterer Titel) und die Wandelnden im Schatten, nach denen das Album benannt ist. Apropos „Schattenwandler“: Das Video dazu ist seit einigen Tagen auf Youtube zu sehen – mit einem Streichorchester am Anfang und einem gut aufgelegten Thorsten Fries, dessen Stimme abseits dröhnender Vokal-Masse mit klaren sanglichen Konturen und pointierter Kraft den Titel auf den Weg bringt.