Lauterer Wochenmarkt
Reiner Heilmann reist mit Vollkornbackwaren vom Donnersberg nach Kaiserslautern
Reiner Heilmann (62) ist auf dem Bauernhof seiner Eltern in Eisenberg aufgewachsen. „Damals stand noch die Selbstversorgung im Vordergrund“, verweist er auf 32 Hektar Ackerland, auf Schweine, Rinder, Schafe und Hühner. Die erste Zeit hatte er als Lohnunternehmer gearbeitet. Gestiegenes Ernährungsbewusstsein in den 1980er-Jahren, das sich unter anderem auch im Verzehr von Vollkornbrot ausgedrückt hat, hat ihn aufhorchen lassen.
Was Getreide angeht, der wichtigste Rohstoff zur Herstellung von Vollkornbrot, saß er an der Quelle. So hat Heilmann angefangen sein eigenes Getreide mit der Hand zu lesen und von Unkräutern zu befreien. Anstelle einer Getreidemühle musste zum Mahlen des Korns eine alte Semmelmühle herhalten. „40 Kilo Teig habe ich mit meinen Händen geknetet.“ Seine ersten Brote buk er in einem Haushaltsbackofen. Freunde und Bekannte fanden das Vollkornbrot gelungen.
Kuhstall wurde zum Mühlenraum
Ein Grund für Heilmann, die Sommerküche des Hofes zu einer Bäckerei auszubauen. „Der Kuhstall wurde zum Mühlenraum.“ Just am 11. November 1988 erweiterte er den landwirtschaftlichen Betrieb um eine Vollkornbäckerei mit angeschlossenem Hofladen. Mit zwei Dutzend verschiedenen Brotsorten aus Roggen und Dinkel wartete er auf. „Alles Brote aus reinem Natursauerteig, keine Hefebrote.“ Bei der Nachfrage lag es für Heilmann nahe, seine Brote auch auf dem Kaiserslauterer Wochenmarkt anzubieten.
Seit 1991 steht der Mann, der eigentlich gerne noch seinen Bäckermeister hat machen wollen, mit seinem Verkaufsladen an Samstagen auf dem Stiftsplatz. Seine Auslagen sind auf Vollkornprodukte begrenzt, bieten jedoch eine üppige Auswahl an Geschmacksrichtungen. Brote in Kastenform dominieren. Unter ihnen Walnuss- und Kürbiskernbrot, Hafer- und Sauerkrautbrot, Kartoffel- und Kümmelbrot. Ganzkornbrot und Laibe von Bauernbrot finden sich in den Regalen.
Backwaren aus Weizen werden nicht nachgefragt
Auf Blechen und in geflochten Körben warten eine Vielfalt an Brötchen und Muffins auf Liebhaber von Vollkornbackwaren: Käse-Zwiebel-Brötchen und Müslibrötchen, Dinkel- und Roggenbrötchen. Wer es süßer und fruchtiger will, ist mit Schokomuffins und Muffins mit Heidel- und Stachelbeeren gut bedient. „Backwaren aus Weizen werden bei mir nicht verlangt.“
Mit den Jahren hat sich auf dem Kreuzhof, dessen Land heute zum größten Teil verpachtet ist, ein bestimmter Rhythmus eingestellt. Donnerstags wird alles zum Backen gerichtet. Freitags beginnt um 1.30 Uhr in der Früh die Arbeit in der Backstube. Die dauert in der Regel bis 12 Uhr mittags. Gebacken wird in zwei Gasöfen mit zwei mal sieben Quadratmetern Fläche. Mittlerweile kauft Heilmann sein Getreide zu und lässt es mahlen. Für den Hofladen, den seine Partnerin Heike freitags und samstags betreibt, bietet er neben Vollkorn- und Dinkelprodukten Honig, Obst, Kartoffeln und Sämereien an.
Treue Kundschaft in der Stadt
„Ich komme noch immer gerne auf den Wochenmarkt“, sagt Heilmann. Seine Kundschaft weiß er zu schätzen. Stammkunden sind es, die Wert auf eine ursprüngliche und gesunde Ernährung legen. Schwankungen in der Nachfrage sind dem Händler fremd. „Meine Kunden kommen auch bei schlechtem Wetter“, weiß er um deren Treue. Reste an Backwaren gebe es bei ihm keine: „Was übrigbleibt, das verfüttere ich an unsere Hühner.“ Dass die Backwaren der Vollkornbäckerei etwas teurer sind, liege auf der Hand. „Der Aufwand ist größer, da vieles mit den Händen verarbeitet wird.“
Und wenn Heilmann mal nicht in der Backstube steht oder seine Brote verkauft, ist er damit beschäftigt, Brennholz zu machen. Polter aus Buchenholz sind es, die er beim Forst erwirbt, zu Holzscheiten verarbeitet und weiterverkauft.