Kaiserslautern
Reaktionen auf Werksschließung bei GKN: "Ich bin bedient"
„Keine Auskunft“, „Ich bin bedient“, „Dazu sag’ ich nichts“ – einige Reaktionen am Freitagmittag vom Werkstor, nachdem die GKN-Geschäftsführung kurz zuvor in einer Mitarbeiterversammlung das Aus des Werks im Frühjahr 2020 verkündet hatte. Die Schließung wird sich auch auf Opel auswirken.
„38 Jahre arbeite ich nun, zuerst bei Opel, nun bei GKN“, sagt ein Angestellter, der in großen Schritten zum Auto eilt, „das von eben muss ich jetzt erstmal verdauen.“ Ein anderer sagt: „Es fühlt sich an, als wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird.“ Die GKN-Beschäftigten sind bedient, wollen möglichst schnell zu ihren Familien – oder zumindest nur weg. „Bei GKN? Ha, ich hab’ mal für GKN geschafft“, ruft jemand im Vorbeigehen. Nur wenige Augenblicke zuvor haben die GKN-Mitarbeiter von Werksleiter Stefan Wenzel und Christoph Zimmermann, Arbeitsdirektor GKN Driveline, erfahren, dass das Gelenkwellenwerk in Kaiserslautern Ende März 2020 schließt. Da hat man andere Sorgen, als Interviews zu geben. Mit ungewohnt ernstem Blick treten kurz danach der Betriebsratsvorsitzende von GKN, Markus Becker, und Alexander Ulrich, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall, vor das Werkstor. Becker: „Wir wurden heute vor vollendete Tatsachen gestellt, hatten keine Chance zu reagieren.“ Und Ulrich zeigt sich regelrecht fassungslos: „Ich habe in der Versammlung zweimal gefragt, aber die Entscheidung ist nicht verhandelbar. Das Werk wird zugemacht.“
Beratungsangebote für die Mitarbeiter organisieren
Dann gibt sich Ulrich kämpferisch: „Wenn die Verhandlungen zum Sozialplan schwierig werden und von GKN nur möglichst kostengünstig abgewickelt werden sollen, dann schalten wir uns ein.“ Immerhin seien gut 95 Prozent der Beschäftigten Mitglieder der IG Metall. Wie geht es in den kommenden Wochen weiter? „Da haben wir noch nicht das Drehbuch von A bis Z“, sagt der Gewerkschafter: „Wir werden jetzt die Landesregierung informieren und Beratungsangebote für die Beschäftigten organisieren.“ Laut Becker sind von den 320 Betroffenen gut 200 älter als 50 Jahre, 80 davon älter als 58 Jahre: „Das ist schon extrem.“ Einen neuen Job zu finden, sei da nicht mehr so leicht. Doch egal welches Alter, betont der Betriebsratsvorsitzende: „Hinter jeder Zahl stecken Familien, Kinder, der Traum vom Haus.“ Selbst wenn die GKN-Mitarbeiter neue Arbeitsplätze – etwa bei Zeitarbeitsfirmen – fänden, drohe der soziale Abstieg. Als „beschämend“ bezeichnet Becker, „dass wir gestern noch drei neue Auszubildende bei uns begrüßt haben, die am Montag hier anfangen“. Man wolle versuchen, dass die insgesamt noch acht Azubis ihre Lehre in einem anderen Betrieb zumindest noch abschließen könnten.
GKN und Opel sind noch immer eng verflochten
„Wir sind geschockt von der Meldung“, sagt Thorsten Zangerle, Betriebsratsvorsitzender von Opel, „schließlich passiert das gerade in unserem Wohnzimmer.“ Zangerle spielt auf die enge Verflechtung der beiden Unternehmen auf dem Opel-Werksgelände an. Wie Zangerle auf Anfrage der RHEINPFALZ erklärt, wirkt sich das Aus bei GKN zum 31. März 2020 auch für Opel aus: „Im Wartungsbereich oder dem Werkschutz gibt es Synergien zwischen GKN und Opel.“ Das werde in der nahen Zukunft auch auf den Opel-Betriebsrat zukommen. „Ganz davon abgesehen, dass viele heutige GKN-Mitarbeiter ihr Arbeitsleben bei Opel begonnen haben“, erklärt Zangerle die enge Verbindung: „Das ist ein schwarzer Tag für den Standort, für Kaiserslautern und die Region.“