Kaiserslautern
Quintett Peter The Human Boy im Salon Schmitt
Zwar spielt das alpenländische Quintett Peter The Human Boy noch gewiss nicht in dieser Liga der musikalischen Größen, aber es scheint zumindest schon mal auf einem guten Weg in deren Dunstkreis zu sein. Denn die Gruppe vereint so einiges von dem, was man zum Erfolg brauchen kann und was nicht allzu häufig in dieser Kombination zu finden ist: stark ausgeprägte Kreativität oberhalb des stilistisch bereits Vorhandenen nämlich, dazu Talent zum Komponieren und Texten gleichermaßen, spieltechnische Qualität jedes Einzelnen und saubere Kooperation im Zusammenspiel, nicht zuletzt die Befähigung zur Unterhaltung des Publikums auch zwischen den Live-Titeln. Alles zusammen war zu erleben bei ihrem ersten Auftritt im Salon Schmitt am Dienstagabend, wo die Band auf ihrer aktuellen Deutschland-Tour auftrat.
Stilistisches Schubladendenken ist bei Peter the Human Boy – der Name bezieht sich sowohl auf die Band als auch auf ihren im Mittelpunkt stehenden Leadsänger und Gitarristen Peter Mathis – so gar nicht angebracht. Und auch kaum möglich. Zu vielschichtig, zu verwoben sind die Elemente und Einflüsse, die in den durchweg selbst geschriebenen Titeln der Gruppe in einer ganz eigenen, personalstilistischen Melange mit einem starken Hang zu früheren Musik-Zeiten zusammenwirken.
Eine Art Zeitreise
Klassischer, eingängiger Rock mit einer Präferenz zu dessen Slow-Variante war da etwa herauszuhören, dazu hier ein Touch Reggae, dort ein Hauch Singer/Songwriter-Kultur und noch einiges mehr, was manchmal nur taktweise aufblitzte und dennoch immer wieder eine Art Zeitreise-Feeling auslöste. An einer Stelle des Programms klang beispielsweise das Intro eines Songs wie ein (leicht aufgebohrter) Instrumental-Gitarren-Hit von den Ventures aus den frühen 1960er Jahren – das muss man erst einmal in dieser Form hinkriegen. Beeindruckend.
Gestützt und verbunden wird das Repertoire der Fünf dann noch mit verträumt-nachdenkenswerten Texten über das Leben im Allgemeinen („Nobody needs to be lonely“) und von Selbstfindung im Besonderen. Alles in allem eine starke Kombination aus Musik und Text, durch die sich insbesondere der reifere Zuhörer unter anderem mal an verträumte 1980er-Sommer-Feten, mal an zünftige Open-Air-Konzerte erinnern mochte, jeweils versehen mit einem satten Quäntchen Melancholie („Goodbye Summer“).
Sound stimmt nostalgisch
Der nostalgische Anteil am Konzert wurde nicht nur über den reinen Stil, nicht nur über den besonders vom guten, alten DX7-Synthesizer mitgetragenen Old-School-Sound bestimmt, sondern auch äußerlich durch die an Glamrock-Zeiten erinnernde, mit lila Glitzer-Mosaik verzierte, mintfarbene Gitarre des Frontmanns sowie das gelegentlich verwendete, etwa aus der gleichen Ära stammende schicke Umhänge-Keyboard der Pianistin. Ein stimmiges Gesamtpaket also, das Peter Mathis, Laura Keiblinger (Gitarre, Gesang), Erika Schweighofer (Keyboard, Gesang), Patrick Stieger (Bass) und Jannik Rieß (Schlagzeug) anboten.
Und als wäre das noch nicht genug an guter Unterhaltung, nutzte die Band sogar auch noch die musiklosen Zwischenräume und Übergänge des Auftritts. Da wurde dann sogar schon mal das Gitarrestimmen zu einem netten Intermezzo gemacht, oder man ließ einfach die (ebenfalls inzwischen nostalgische) „Löwenzahn“-Melodie in einer nur wenige Sekunden langen, aber vom Publikum sofort erkannten Version erklingen. Zum Schluss des trotz des ungewöhnlichen Termins mitten in der Woche recht gut besuchten Konzerts gab’s dann noch wie zur Bekräftigung aller Band-Fähigkeiten den Titel „I miss the music“, der ein bisschen so klingt, als hätten Buddy Holly und die Beatles ihre Talente kombiniert und zusammen einen Hit geschrieben. Man darf darauf gespannt sein, was diese Band wohl noch so alles liefern und erreichen wird.