Kulturzentrum Kammgarn RHEINPFALZ Plus Artikel Quichotte in Kaiserslautern: Der Verbindungs-Mann

Comedian, Musiker und Autor: Quichotte.
Comedian, Musiker und Autor: Quichotte.

Gute Comedy ist etwas Feines. Gute Musik auch. Und gute Texte erst recht. Wie gut muss da erst die Kombination aus allen drei Komponenten sein.

Am Donnerstagabend zeigte der Kölner Comedian, Musiker und Autor Quichotte in der dicht besetzten Schreinerei der Kammgarn, wie sich drei Kunstformen innerhalb nur einer einzigen fähigen Person fugenlos und erfolgreich miteinander verbinden können.

Den Hauptteil der Darbietungen boten dabei die launigen Live-Textbeiträge. Verschmitzt, ununterbrochen wie ein Wasserfall redend, dabei das Publikum aber niemals nervend oder langweilend arbeitete sich der in seinem Metier schon vielfach ausgezeichnete Comedian quer durch die Welt des Alltags, wie er sie sieht und zumindest teilweise selbst erlebt hat. Da ging es dann etwa um das vermeintlich ruhige Landleben und um freche Postboten, um üble Nervenschmerzen nach einem Kieferbruch, den ersten Schultag seines Sohnes und die (Un-)Sitte des vorweihnachtlichen Wichtelns. Wortgewandt, intelligent und als Folge guter Beobachtungsgabe reihte hier Jonas Klee, so Quichotte bürgerlich, unablässig Gag an Begebenheit, Bonmot an humorige Bemerkung. Dass er dabei auch das Publikum öfters gekonnt mit einbezog, erhöhte den Spaßfaktor des Abends noch weiter.

Treffender Wortwitz

Mehrfach im Mittelpunkt standen die mittlerweile in drei Bänden festgehaltenen umwerfenden Dialoge zwischen Quichottes (nach einem realen Vorbild beschriebenen) „Lieblingsbäcker“, der seine Kundschaft gerne mit geschärftem Verstand und treffendem Wortwitz – insofern eine Art Alter Ego des Künstlers – wahlweise belustigt oder dezent veräppelt.

Da wurde in den von Quichotte szenisch und sprachlich fast theatralisch-lebendig gelesenen Texten beispielsweise eine fiktive Wurfmaschine, mit der man angeblich Kaffeestückchen quer durch den Verkaufsraum schleudern kann, mal eben zum „Teilchenbeschleuniger“ (auf so etwas muss man erst einmal kommen), und der gerade beliebte Sauerteig ist, natürlich, zurzeit „in aller Munde“.

Vielseitige Performance

Neben jenen frei gehaltenen und den zitierten Texten spielte die Musik eine wichtige Rolle in der vielseitigen, kaum in ein Schema einzuordnenden Performance aus Lesung, Stand Up-Comedy und Konzert. Ein extra-kurzes, aber wirkungsvolles frivoles Liebeslied zur Gitarre war hier dabei, dann eine gepfefferte gesungene Antwort auf den menschenverachtenden Beitrag eines bösen Internet-Nutzers („Wadenkrampf der Evolution“), schließlich eine komplette gerappte Geschichte mit Begriffen, die ihm zuvor aus dem Publikum eingereicht worden waren.

Und Quichotte schaffte es hier tatsächlich locker, aus gänzlich unzusammenhängenden Begriffen wie „Knöchelbruch“, „Interrogativpronomen“ und „Grumbeersupp“ eine beeindruckende Rap-Nummer zu machen, sprachsicher gereimt und rhythmisch passend zum selbst erstellten Beat aus der Loopstation. Das ist eine Königsnummer der Live-Comedy, und Quichotte machte sie unter dem anhaltenden Applaus des Publikums mit zum Höhepunkt dieses Abends.

Unterhaltung auf hohem Niveau

Das war Unterhaltung auf hohem Niveau, abwechslungsreich, und – speziell am Schluss, als es dann in einem letzten Lied doch noch pointiert politisch und gesellschaftskritisch wurde – auch mal nachdenklich stimmend. So geht gute, moderne Comedy mit gleich drei Komponenten und einem Könner als deren Verbindungs-Mann.

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