Kaiserslautern Puste und Power
Das Jazz-Camp der Old Jazz Union, das zur Zeit auf der Burg Lichtenberg bei Kusel tagt, war am Mittwochabend beim Sommerswing im Volkspark zu Besuch. Mit Jugend- und Silver-Jazz-Camp sowie den Dozenten standen dabei abwechselnd rund 50 Musiker von 12 bis 80 Jahren auf der Bühne und zeigten, dass Blasmusik ganz und gar nicht betulich sein muss.
Fest auf dem musikalischen Fundament, das in New Orleans gelegt worden war, ruhte Wosnitza’s Little Orchestra, das den Jungspunden zeigte, wie Jazz auf der Bühne phrasiert, improvisiert und authentisch gelebt wird. Einen Schlagzeuger brauchte dieses Quartett um Franz Wosnitza nicht, weil vor allem Johannes Maiß mit seinem Sousaphon die Zeit im Kopf hatte und stetig brodelnd exakt den Takt vorgab. Wosnitzas strahlende und flexible Trompete, Sven Hacks Klarinette und Christian Lassens Gitarre verwoben sich zu einem verwickelten Filigran, wobei Hack mit seinem sensiblen Instrument der Musik die neben aller Vitalität so charakteristische Zartheit gab. Nach diesen Vieren wimmelte und brummte es auf der Bühne wie im Bienenhaus. Abwechselnd präsentierten sich die verschiedenen Instrumentengruppen mit ihren Dozenten und demonstrierten dabei schon ein erstaunliches Können. Zu begeistern wussten alle mit hochmotivierter Spielfreude und fast professionellem Auftreten. Den Auftakt machte Bernhard Vanecek mit der Gruppe „Dickes Blech“. Acht Pustefixe bliesen frech und rotzig und auf Posaunen und Tuba, dass die Zuhörer nur so staunten. Zwangsläufig weniger Lautstärke entwickelten die Holzbläser unter Sven Hack, so dass die Saxophone und Klarinetten es nicht leicht hatten, gegen das Stimmengewirr im Publikum anzukommen. Dabei spielte das Sextett den Klassiker „Summertime“ mit einer wunderbaren Zartheit. Mit einer weiteren Version von „Summertime“ wusste das Septett um Matthias Stoffel zu gefallen. Ebenso forderte die Sängerin Ann Kathrin Strauch den Beifall des Publikums mit ihrem Jazzfeeling in ihrer flexiblen Stimme heraus. Alle Jugendlichen gemeinsam spielten schließlich unter der Leitung des Trompeters Ralph „Mosch“ Himmler Stücke wie den „Work Song“ von Nat Adderley oder „Tin Roofs“, die er selbst arrangiert hatte. Himmler verstand es dabei, seine Power auf die Jungspunde zu übertragen, so dass sich ein mitreißender Sound entwickelte. Aber auch die neun Musiker des Silver Camps (leicht ergraute Haare) demonstrierten bei „You Are My Sunshine“ ganz schön viel Puste und Power. Als beim Finale sämtliche 50 Musiker auf der Bühne agierten, bebte der Volkspark. Kritisch anzumerken ist, dass viele Besucher den musikalischen Vorführungen gar nicht zuhören wollten. Nicht gerade höflich empfanden das die Jugendlichen, die sich mit so viel Energie auf dieses Konzert vorbereitet hatten.