Nachruf
Punk-Musiker Pascal Alff gestorben
Luxemburg trauert um eine Stimme, die laut, aufrichtig und unverwechselbar war: Punkrock-Musiker Pascal Alff, bekannt unter seinem Künstlernamen De Pascal vu Wooltz, ist abrupt aus dem Leben gerissen worden. Er starb bei einem tragischen Autounfall am 13. Juli im Alter von nur 42 Jahren. Der Unfall ereignete sich auf der A7 Richtung Wiltz, Alffs Heimatstadt, als ein Geisterfahrer den Wagen des Musikers frontal erwischte. Der Mann kam mit schweren Verletzungen davon, Alff war sofort tot.
Was bleibt, ist Stille, Erinnerung – und das Echo seiner Musik. Pascal Alff war Sänger der luxemburgischen Punkrock-Band Weakonstruction und Gründer des Labels Grannyrecords, mit dem er unter anderem jungen Nachwuchskünstlern in die Szene verhalf. Bei seiner eigenen Musik tobte oft die Wut über menschliche Ungerechtigkeit, und andererseits schimmerte immer der Wunsch nach einem besseren Miteinander durch die Zeilen.
Ein feines Herz
Denn hinter dem spitzbübischen Lächeln und der Punk-Attitüde schlug ein feines Herz. Alff war politisch aktiv, Mitglied der luxemburgischen Links-Partei und kandidierte 2023 bei den Parlamentswahlen, um die erhofften Veränderungen in der Gesellschaft selbst mit anzukurbeln. Für sein Umfeld war er deshalb mehr als nur ein Musiker. Er war ein Rebell mit Haltung, ein Poet mit Rauschebart, ein Mann, der gegen den Strom schwamm, jedoch nie das Mitgefühl verlor und sich tatkräftig dort engagierte, wo auch immer er gebraucht wurde.
Als glühender Antifaschist stand Alff nur eine Woche vor seinem Tod beim „Kein Bock auf Nazis“-Festival in Kusel parat – und das wie üblich vor, hinter, neben und auf der Bühne. Festival-Organisator, Sozialarbeiter, Aktivist und Freund Bastian Drumm erinnert sich an den Freigeist aus Wiltz, den er vor rund zehn bis 15 Jahren kennengelernt und seitdem nie aus den Augen hat. „Pascal war für uns allgegenwärtig. Es gibt wenige Menschen, mit denen ich in den vergangenen Monaten und Jahren so viel Zeit verbracht habe, wie mit ihm. Wir waren immer wieder zusammen unterwegs. Wenn ich irgendwo Vorträge gehalten habe, hat er im Anschluss gespielt. Beim ,Kein Bock auf Nazis'-Festival hat er dann jahrelang den Frühschoppen samstags übernommen, und es wurde sehr schnell klar, dass er als fester Bestandteil ins Organisationsteam musste.“
Kusel als zweites Zuhause
Tatsächlich wurde Kusel über die Jahre zu einem zweiten Zuhause für den gebürtigen Luxemburger, weshalb er sich mit viel Eifer um die politischen und kulturellen Belange der Stadt bemühte. Dass Alff auch beim diesjährigen Festival, am 4. und 5. Juli, aktiv mitmischen würde, war also klar. Doch niemand hätte ahnen können, dass es das letzte Mal sein würde.
„Am Tag des Unfalls saßen wir noch alle gemeinsam bei einem Nachtreffen zum Festival im Haus eines Freundes in Haschbach. Und auf der Heimfahrt von diesem Nachtreffen ist es dann einfach passiert“, erzählt Drumm mit zitternder Stimme. „Wir haben uns als Team im Nachhinein so oft darüber unterhalten und uns gefragt, wie es wohl gewesen wäre, wenn wir noch zwei Minuten länger gesprochen hätten, wenn er noch ein bisschen länger geblieben wäre.“
Bändeweise Anekdoten
Mit den Anekdoten über den 42-Jährigen könnte Drumm ein ganzes Buch füllen. „Wo er auch hinkam, hat er die Menschen in den Bann gezogen“, erinnert er sich. „Weil er eben so war, wie er war. Zum Beispiel liebte er gutes Essen. Und als ich ihn mal mit meiner Familie in Wiltz besucht habe, hat er uns einfach mal in ein unglaublich teures Sternerestaurant eingeladen“, erzählt er lachend. „Er hat das Leben definitiv genossen.“
Sein Tod reißt ein Loch – nicht nur in die Punkrock-Szene Luxemburgs, sondern in die Herzen all jener, die ihn kannten. „Viele Menschen, die ihn beim diesjährigen Festival das erste Mal getroffen haben, waren geschockt von der Nachricht, nahmen direkt Kontakt mit uns auf und bestätigten, was für eine unglaubliche Wirkung er auf sie hinterlassen habe“, so Bastian Drumm. „Von seiner Offenheit her, von seiner Art, auf Menschen zuzugehen und von seinem Talent, jedem, dem er begegnet ist, ein Wohlgefühl zu vermitteln. Ich bin fest davon überzeugt, wenn es mehr Menschen gäbe wie Pascal, wäre die Welt ein besserer Ort.“
Erinnerungen in Akkorden
Seine Bandmitglieder beschreiben ihn in einem Facebook-Post als „wunderbaren Menschen“ und „ein Vorbild“, der bis zum Schluss „für seinen Traum gekämpft hat“. Andere Stimmen im Netz gedenken seinem lauten und herzlichen Lachen. „Wer Pascal einmal lachen hörte, wird sein Lachen nie vergessen“, sagt SteveS vom „Away from Life“-Online-Fanzine.
Pascal Alff war also vieles. Ein politischer Punk durch und durch, der sprach, wie ihm der Schnabel nunmal gewachsen war. Ein Künstler mit Rückgrat und Nähe, unkompliziert, unvoreingenommen und offenherzig. Ein Kämpfer und Optimist, der das Leben liebte und es aus vollen Zügen auskostete. Ein ansteckender Sympath und ein treuer, engagierter Weggefährte. Doch für alle, die ihn persönlich kannten, war er vor allem eines: Ein guter Mensch und ein wahrer Freund. Und so hinterlässt Alff tiefe Spuren. In Akkorden. In Versen. In Erinnerungen, die so lebendig bleiben wie er selbst es war.