Kaiserslautern
Pohlmann in der Kammgarn: Partymusik zum Zuhören und vielstimmer Chor im Cotton Club
Köln, Kaiserslautern, München waren die aufeinander folgenden Stationen bei der Jahr-aus-Jahr-ein-Tour. Ein Zeichen, dass Ingo Pohlmann mit seinen deutschsprachigen Songs immer noch oder gerade deshalb auch bei jungem Publikum gut ankommt. Die Textbotschaften sprechen direkt an und werden musikalisch geschickt verpackt, die Musik ist tanzbar oder animiert zum Mitsingen. Den Best-of-Mix aus 18 Jahren – so lange agieren die Musiker gemeinsam – präsentierte das Trio zum siebten Mal.
Die Bühne eröffnet Symøn mit ruhiger Ballade, er steht mit Schirmmütze und Kopfhörern hinter seinem E-Piano, um quasi seine Begleitband für jeden Song mit Live-Loopings einzuspielen. Das erfordert exaktes Timing. Seine Texte kommen mit angenehmer Stimme in Erzählermanier daher: „Vieles nicht verstanden, aber eins hab' ich kapiert und jeder neue Tag ist wie ein weißes Blatt Papier“. Bei Symøn geht es nicht um groovendes Warmup, sondern um „Wortpfeile“, die ins Publikum abgefeuert werden. Nur der letzte Song gerät zur Dancenummer. Eine Ballade zum Abschluss, die mit sparsamen Akkorden und schöner Melodieführung für Radiosender zu empfehlen ist.
Früh macht sich gute Stimmung breit
Nach kurzer Umbaupause steht Pohlmann im Rampenlicht, ein Trio mit Akustikgitarre, Schlagzeug und Cello. Die langjährigen Begleiter bringen ordentlich Bewegung in die Songs. Das gezupfte Cello (Hagen Kuhr) übernimmt unaufgeregt, aber sehr wirksam den Basspart mit kleinen Solo-Ausflügen, und die akzentuiert gespielten Drums (Reiner Hubert) geben den Songs das Live-Feeling.
Erst nach zwei Songs wird kurz das Publikum begrüßt; man muss sich wohl erst vorsichtig annähern. In „Himmel und Berge“ phrasiert die Stimme von Pohlmann zwischen Pop und rockigen Passagen. Das Publikum übernimmt zaghaft die Kopfstimme im Refrain und steigert sich dann, sehr zur Überraschung des Protagonisten, zu einer Art Stadiongesang. Super Stimmung bereits zu Beginn. „Wenn es scheint, dass nichts gelingt“ kommt als Guter-Laune-Mutmachsong beschwingt. Die flugs umgehängte E-Gitarre hebt den Song „König der Straßen“ auf eine weitere Ebene.
Frontmann nimmt sich gern selbst auf die Schippe
Das Konzept besteht aus einer gut abgestimmten Mischung von rhythmusbetonten und balladesken Nummern. Partymusik zum Zuhören, bei der man jedes Wort versteht und das Publikum die Texte auswendig kennt. Das erzeugt eine Stimmung, der man sich nicht entziehen kann. Ingo Pohlmann agiert sympathisch und mit Witz, ist schnell in Kontakt mit dem Publikum und nimmt sich selbst gerne auf die Schippe. Das kommt gut an, zumal er nicht ins Komödiantische abdriftet, wenn er Anekdoten zum Besten gibt, die Jahre später als Zeile in einen Songtext Einzug gehalten haben. Als Gitarrist weiß er, die Songs mit abwechslungsreicher Schlagrhythmik zu unterlegen, bisweilen lässt er Füllstücke am Fingerbrett aufblitzen.
Eine Überraschung ist das Pseudo-Medley aus drei Liebesliedern. Es beginnt mit der Leidenschaft („...wir nehmen unsere Liebe in die Hand wie ein Rohdiamant“). Bis dann die Liebesbande auch mal bis zum Zerreißen auf die Probe gestellt wird und es letztlich um das Zusammenbleiben geht.
Kein Song mündet in trübselige Stimmung
Alle Songs enden gerade nicht in Trübsal. Überhaupt versteht es Pohlmann trefflich, ernstere Themen oder negative Gedanken in musikalische Gewänder zu kleiden, die den Hörer nicht in Melancholie abdriften lassen, sondern in zuversichtliche Stimmung versetzt. Selbst problembehaftete Themen („Deine Tränen“) kommen als Tanznummern daher, denn „... die Tränen sind auch zu was gut“.
Ehe er die Zugaben startet, gibt Pohlmann einen kurzen Ausblick. Nach der Tournee der Best-of-Songs wird ein Jahr pausiert, auch um an einer neuen (achten) CD zu arbeiten. Ein Wiederhören sei garantiert.