Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Pfalztheater: Gala-Konzert führt durch Europa

Reisestopp in Rom: Ivan Knezevic (Violine) und Caroline Busser (Cello) luden mit dem Pfalztheaterorchester die Galabesucher dazu
Reisestopp in Rom: Ivan Knezevic (Violine) und Caroline Busser (Cello) luden mit dem Pfalztheaterorchester die Galabesucher dazu ein, ihre musikalische Europareise nachzuvollziehen.

Unter dem Motto „Wir sind Europa – Musik verbindet“ stand das Galakonzert, das die Freunde des Pfalztheaters im Pfalztheater ausgerichtet haben.

Das Pfalztheatermusiker-Ehepaar Caroline Busser und Ivan Knezevic hat noch vor der Pandemie eine Kulturreise quer durch Europa unternommen, bei der die beiden auch als musikalische Botschafter und Straßenkünstler zu erleben waren (wir berichten mehrfach), jetzt hat der Förderverein in einer Gala die Ergebnisse dieser Aktion vorgestellt. Einen passenderen Zeitpunkt, um für mehr Miteinander zu werben, hätte man angesichts des Ukraine-Krieges kaum finden können. „Wir sind Europa – Musik verbindet“ – das praktizieren und beherzigen die Klangkörper des Pfalztheaters und alle hinter den Kulissen schon seit Jahrzehnten erfolgreich.

Das an diesem denkwürdigen Abend multimedial vorgestellte Projekt präsentierte erstmals auch das dazu neu erschienene Buch und zeigte zur Musik in Filmausschnitten Impressionen von Land und Leuten zwischen Skandinavien und iberischer Halbinsel, zwischen Frankreich im Südwesten und Estland im Nordosten.

Das Niveau beeindruckt

Dabei wurde überaus deutlich: Der Konzertmeister Ivan Knezevic und die Solocellistin Caroline Busser haben nicht nur im Orchester herausragende Führungspositionen inne, sie spielen bei ihren solistischen Beiträgen auch auf einem schwer zu übertreffenden Niveau. Beim Geiger fliegt der Bogen nur so im lockeren und Hochgeschwindigkeits–Spiccato über die Saiten, in atemberaubender Brillanz und Rasanz. Und Caroline Busser kultiviert einen strahlenden Ton, der bei diesem Instrument in dieser Klangfülle und Klarheit sehr selten ist. Ihre filmischen Beiträge zeigen wie die eigenen Musikbeiträge in kühnen, aber werk- und stilgerechten Arrangements die Fähigkeit, Kolorit und Topoi so zu erfassen, dass Besonderheiten erhalten werden und dennoch auch eigene Empfindungen einfließen.

Somit avancierte die Gala zur Dokumentation eines persönlichen Reisetagebuchs mit Musikerlebnissen vor Ort, die aufgegriffen und weiterentwickelt wurden. Kritiker könnten möglicherweise die latente Gefahr einer Selbstinszenierung und Vermarktung sehen; dem kann durch das vielfältige Hinzuziehen und Einladen von hauseigenen Kräften und Gästen widersprochen werden. Zudem geht der Reinerlös des Buchs „Music Connects Europe – ein Traum von Reisen und Musik“ an Opfer des Ukraine-Krieges.

Vom Wohnmobil auf die Bühne

In dem kaladeiskopartigen Blick auf europäische Stationen der Reise im Wohnmobil nutzten die vielen Mitwirkenden bei ihrem Stelldichein die Gunst der Stunde, sich zu profilieren, mal mehr oder weniger. An der Spitze – dies auch in herausragender Leistung – waltete der erste Kapellmeister Olivier Pols mit äußerst präziser, in den Tempi und Einsätzen sowie allen Abläufen sich bewährender, klarer Schlagtechnik.

Eines zeigte diese musikalische Reise aber auch: Bei gemeinsamen Traditionslinien zeigen viele Musikstile (vor allem südosteuropäische) gravierende Unterschiede in Ton- und Taktarten. Diese zu erfassen und zu vermitteln und klanglich zu balancieren – das war Schwerstarbeit. Pols meisterte dies souverän und führte das Orchester des Pfalztheaters zu Höchstleistungen: So hörte man als Klangbeispiel aus Finnland die sinfonische Dichtung „Finlandia“ von Sibelius in einer von Akribie und Esprit geprägten Ausformung aller motivischen Details und in nobler Klangkultur.

Von Beethoven bis Händel

„Alle Menschen werden Brüder“: Dieses Motto aus Beethovens Finalsatz der 9. Sinfonie ist aktueller denn je und war Anlass für den „Globetrotter“ Knezevic, diesen Satz sehr anspruchsvoll und ansprechend als Doppelkonzert für sich und seine Frau am Cello sowie das Orchester zu bearbeiten: Brillante Figurationen umrankten Beethovens Melodik, man weiß nicht, wen oder was man mehr rühmen soll: Original, Bearbeitung, Komposition, Interpretation oder doch den alles zusammenhaltenden Kapellmeister?

Als nächster Komponist war mit Sir George Frideric Handel (anglisiert bereits damals) ein vorausblickender Kosmopolit vertreten: Der in Halle aufgewachsene Komponist wirkte danach in Hamburg, bereiste weite Teile Italiens und adaptierte dort die Stilistik italienischer Opern und Oratorien, um diese dann in England „heimisch“ zu machen. Seine virtuos bearbeitete Passacaglia führten Busser und Knezevic meisterhaft in einer Bearbeitung des Norwegers Johan Halvorsen auf.

Ein jodelnder Gast

Mehr ein Fragezeichen als ein Ausrufezeichen muss beim Vortrag des Tenors Peter Floch mit einem französischen Soldatenlied gesetzt werden, da dieser doch zu statisch wirkte. Der zweite Kapellmeister Anton Legkii machte vor, wie es wirklich geht: Frei, gestalterisch intensiv und bisweilen in dramatischen Aufschwüngen interpretierte er ein ukrainisches Lied und löste Ergriffenheit aus.

Der zweite Teil schüttete ein Füllhorn an Kuriositäten aus: Mozart saß nachweislich der Schalk im Nacken, allein seine überlieferten Bäsle-Briefe künden davon. Er hätte sicher an der Aufführung seiner Ländler mit Orchester und in freier Aufführung eines Jodelkönigs aus Österreich, dem Gast Albin Paulus, seine helle Freude gehabt. Paulus griff auch zur Maultrommel und – frei nach Robert Schumann: Es war des Staunens kein Ende!

Eine Überraschung aus Bulgarien

Natürlich darf man (aus Sicht von Theater-Urgestein Astrid Vosberg: muss man) eine Bühne auch als Medium für Pathos, Eros und Heros nutzen, muss die Aufmerksamkeit aller gebannt, geweckt und gesteigert werden: Dies gelang bei einem rumänischen Zigeunerlied, in das Vosberg alle nur denkbaren Emotionen hineinlegte. Zudem ragte die Sopranistin Monika Hügel in betörend schöner italienischer Belcanto-Gestaltung heraus, das Orchester sorgte auch hier begleitend für die passenden Klangfarben.

Zum guten Schluss präsentierte ein weiterer Überraschunsgast ebenfalls eine Rarität: Der bulgarische Flötist Nedyalko Nedyalkov schaffte die Synthese aus bulgarischer Folklore auf der Kaval und einem frei bearbeiteten Händel-Thema: Die randgeblasene Längsflöte wird schräg gehalten, und er entlockt ihr Töne, die wie eine barocke Flauto dolce klingen, aber einen Hauch von Hirtenmusik einbringen.

Sorgte für Ergriffenheit: Kapellmeister Anton Legkii aus Jekaterinburg sang das ukrainisch-polnische Volkslied „Hej Sokoly“, beg
Sorgte für Ergriffenheit: Kapellmeister Anton Legkii aus Jekaterinburg sang das ukrainisch-polnische Volkslied »Hej Sokoly«, begleitet von Ivan Knezevic (Violine) und Caroline Busser (Cello).
Jodelte und spielte Maultrommel: Gast Albin Paulus stellte die Musik Österreichs vor, dahinter dahinter Dirigent Olivier Pols.
Jodelte und spielte Maultrommel: Gast Albin Paulus stellte die Musik Österreichs vor, dahinter dahinter Dirigent Olivier Pols.
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