Kaiserslautern
Pfalztheater feiert mit Don Carlo „gewaltige“ Oper-Premiere
Auf der Bühne war bei Solisten, Statisten sowie Chor und Orchester samt den künstlerischen und musikalischen Leitern die Freude über eine ausgesprochen gelungene Inszenierung erkennbar. Im ersten Akt hatte im grünen Wald von Fontainebleau noch „Liebe mit Glut“ die Seelen zwischen den spanischen Infanten und der französischen Prinzessin ergriffen. Danach erlebte das Publikum, wie vor überwiegend grauer Kulisse bei den tiefschwarz gekleideten Protagonisten statt Freude, Glanz, Lust und Liebe bloß noch Hass, Machtgier und Eifersucht die Szenen beherrschten: Gänsehaut auf den Rängen. Auf dem Weg in die erste Pause fiel ein ironischer Kommentar: „Und das an Fastnacht.“
Bei einem erfrischenden Getränk war viel gute Laune unter den Premierengästen. Rose Götte, ehemalige rheinland-pfälzische Kultusministerin, brachte es mit einem einzigen Wort auf den Punkt: „gewaltig“. DIE RHEINPFALZ befragte in der zweiten Pause und nach dem Schlussapplaus Zuschauer nach ihren Eindrücken.
Lob von zahlreichen Gästen
Gabi Wingert und Renate Gillen aus Landstuhl waren schlicht begeistert. Mit der Sopranistin Arminia Friebe in der Rolle der Elisabeth von Valois habe das Pfalztheater das große Los gezogen, fanden sie. Mit dieser Inszenierung einer großen Oper könne das Haus locker mit Paris, Zürich und anderen großen Häusern mithalten. Als ein Beispiel hoben sie das Bühnenbild hervor, mit dem Thomas Dörfler sich große Mühe gegeben habe.
„Sehr gut einstudiert, sehr präzise und gut gelungen“, war das Fazit von Dietmar von Loyen. Von der Dynamik her habe das Orchester sehr gut, dabei zurückgenommen und dadurch sehr spannend, gespielt. Insgesamt hatten er und seine Partnerin einen zwar langen, aber kurzweiligen Abend mit einem großen Spannungsbogen erlebt. Yvonne von Loyen lobte ein „minimales Bühnenbild“, das Sänger und Handlung in den Mittelpunkt stelle. Die Auseinandersetzung der Charaktere untereinander, das Zwischenmenschliche, fand sie sehr gut auf den Punkt gebracht. Dazu seien die Sänger typengerecht eingesetzt.
Natalie Nicklas-Kreutzer und Ehemann Rainer hatten sich ihre Premierenkarten erst spontan am Morgen der Vorstellung besorgt. Sie waren begeistert von der Inszenierung, für sie eine Faszination aus Kunst, Gesang und Darstellung. Die Zeit sei schnell vergangen. Ihr Fazit: „Das war eine echte Premiere mit einem tollen Ensemble.“
„Bis zum letzten Moment nicht langweilig“
Marliese Annefeld, die außer im Pfalztheater auch weltweit in renommierten Musentempeln unterwegs ist, machte es kurz: „Das ist spitze und meine beste Aufführung, die ich hier je gesehen habe.“ Arne Oeckinghaus, als Bürgermeister früher auch für die Kultur der Stadt zuständig, sprach von einem schönen Opernabend: „alles wie es sein soll, alles stimmig“.
„Heute hat das Pfalztheater wieder seine ganze Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt“, lobte Michael Krauß. Den Vorsitzenden der Freunde des Pfalztheaters freute, dass das Haus wieder in dieser Liga angekommen sei: „Bühnenbild, Kostüme, alles aus Meisterhand“. Als Opernfan hatte er für sich den absoluten Höhepunkt der Spielzeit erlebt: Gänsehaut-Gefühl.
Nicht weniger begeistert war Bernd Guillium: „Das war phänomenal und vom ersten bis zum letzten Moment nicht langweilig.“ Die Inszenierung, die Stimmen, das Orchester – alles habe gepasst. Einzelne Sänger hervorheben wollte er nicht. „Das war endlich mal wieder richtiges Theater und große Oper“, lobte Ehefrau Henny.
Vor wenigen Tagen noch erkältet, bei der Premiere abgeliefert
Bei der Premierenfeier sprach der Künstlerische Direktor des Hauses Johannes Beckman von einem denkwürdigen Abend, einem Fest der Musik und der Stimmen. Im Rahmen seiner Würdigung der künstlerischen Leistung aller an der Inszenierung Beteiligten berichtete er unter anderem auch von einer intensiven Suche nach einem passenden Interpreten der Titelfigur. Mit dem Bass Konstantin Gorny habe das Haus schließlich eine phänomenale Stimme gefunden; einen Sänger, der trotz einer kaum überstandenen Erkältung eine großartige Leistung abgeliefert habe.
Bariton Hyunkyum Kim war, obwohl teilweise noch im Studium, in die Rolle des Rodrigo geschlüpft, dazu Bassist Tuncay Kurtoglu der bitterböse Großinquisitor als Gast und die Sopranistin Arminia Friebe als Elisabeth von Valois und Mezzosopranistin Dorothea Spilger als deren missgünstige Konkurrentin: Das Pfalztheater hatte bei seiner Inszenierung der Verdi-Oper aus dem Vollen schöpfe können. Mit Generalmusikdirektor Daniele Squeo durften sich bei der Premierenfeier auch Chorleiter Aymeric Catalano, Regisseur Hendrik Müller und viele weitere Kollegen über den Applaus ihres Publikums freuen.