KAISERSLAUTERN RHEINPFALZ Plus Artikel Pfalzklinikum bildet in Kaiserslautern aus

Ausnahmsweise unterrichten drei Lehrer den ersten Kurs der Pflegeschule des Pfalzklinikums (vorne von links): Kristin Hastrich,
Ausnahmsweise unterrichten drei Lehrer den ersten Kurs der Pflegeschule des Pfalzklinikums (vorne von links): Kristin Hastrich, Fritz Rau und Jochen Braselmann.

Das Pfalzklinikum hat in Kaiserslautern eine Pflegeschule gestartet, um in der Westpfalz eigenen Nachwuchs auszubilden. Für das Krankenhaus ein wichtiger Schritt, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Und für die Schüler eine echte Erleichterung.

Bislang mussten angehende Pflegekräfte des Pfalzklinikums zum Unterricht in die Südpfalz nach Klingenmünster – selbst, wenn sie eigentlich in den Kliniken Kaiserslautern oder Rockenhausen im Einsatz sind und dort ausgebildet werden. Fritz Rau, Leiter Betriebliche Bildung des Pfalzklinikums, sagt: „In Deutschland gibt es nicht genügend Pflegekräfte und im ländlichen Raum ist es besonders schwer, Nachwuchs zu gewinnen. Wir kriegen da oft niemanden bei.“ Denn, das zeige die Erfahrung: „Wir sind in einer Region mit hoher Regionalität; die Leute wohnen hier und wollen hier wohnen bleiben.“ Regelmäßige Fahrten zum Unterricht durch den Pfälzerwald schreckten etliche Bewerber ab.

Seit Anfang Oktober werden in der neuen Pflegeschule mit Vertiefung Psychiatrie, die sich im südlichen Flügel der Geschwister-Scholl-Schule eingemietet hat, 20 Menschen aus der Westpfalz unterrichtet. Zur praktischen Ausbildung geht es dann in die Häuser des Pfalzklinikums – etwa die Kliniken in Kaiserslautern und Rockenhausen oder die Tageskliniken, darunter auch Kusel und die Kinder- und Jugendtagesklinik in Pirmasens. Das Interesse an der neuen Ausbildung sei groß gewesen, berichtet Standortleiter Jochen Braselmann. 20 Auszubildende sei eine gute Größe: „Gerade jetzt unter Corona-Bedingungen mit Abstand.“ Perspektivisch könnten die Jahrgänge auf etwa 25 anwachsen. Rau ergänzt: „Wir bilden etwas über den eigenen Bedarf aus, die Region hat also etwas davon, dass wir hier einen Standort eröffnet haben.“

2500 Stunden Praxis, 2100 Stunden Theorie

Was Rau und Braselmann dann vorm Schulstart doch gewundert habe, sei, dass sich kaum Menschen mit Migrationshintergrund beworben hätten. Rau: „Wir haben gern multikulturelle Kurse, davon profitieren alle. Nicht zuletzt Patienten.“ Für die sei es oft wichtig, sich in der Muttersprache mit den Pflegekräften unterhalten zu können. Die Ausbildung dauert laut Braselmann drei Jahre: 2500 Stunden Praxis, 2100 Stunden Theorie und gut 500 Stunden Vertiefungsteil Psychiatrie.

Die ersten Wochen in der Pflegeschule hat Magdalena Mai aus Bisterschied (Donnersbergkreis) jetzt hinter sich. Die 18-jährige Abiturientin gehört zu den jüngsten Auszubildenden, die Altersspanne in der Klasse reicht von 17 bis 41. Warum Psychiatrie? „Ich hatte in der Familie einen Pflegefall, der immer wieder im Pfalzklinikum in Rockenhausen behandelt wurde. Mich hat die Leistung der Pflegekräfte so beeindruckt, dass ich mich zur Ausbildung entschlossen habe.“ Nach ihrer Probezeit will sie berufsbegleitend „Gesundheit und Pflege“ studieren, dazu geht’s für einige Wochen nach Mainz. Nach der Ausbildung, erläutert Mai, habe sie dann ihr Grundstudium in der Tasche.

Kennenlernen mit Maske und Abstand

Die Auszubildende freut sich, dass sie nur nach Kaiserslautern fahren muss, nicht in die Südpfalz: „Ich wollte auf keinen Fall von zu Hause weg, deswegen habe ich mir hier etwas gesucht.“ Den praktischen Ausbildungsteil absolviert sie ab Ende November in Rockenhausen, in den ersten Wochen standen das Kennenlernen und Grundkenntnisse auf dem Lehrplan. Kursleiterin Kristin Hastrich: „Vitalzeichen, Pflegeprozess und die Geschichte der Pflege waren einige Themen in den vergangenen Tagen. Davon abgesehen sind wir sehr froh, dass sich der Kurs trotz Corona noch vor Ort zusammenfinden konnte. Das Miteinander ist ja extrem wichtig.“ Sollte es notwendig werden, könne allerdings über eine Online-Plattform der Unterricht fortgeführt werden. Standortleiter und Lehrer Braselmann ergänzt: „Präsenzunterricht in der Pflege ist wegen Corona derzeit eine heikle Sache. Wir achten daher sehr streng auf die üblichen Regeln.“

Belastende Arbeit in der Psychiatrie?

In einer psychiatrischen Einrichtung zu arbeiten, betonen Braselmann und Rau unisono, sei längst kein Tabuthema mehr, im Gegenteil. „Für viele ist es reizvoll, mit Patienten nicht nur ein paar Tage zu verbringen, sondern sie über längere Phasen zu begleiten“, sagt Rau, „und unsere aufsuchenden Angebote, bei denen mit Patienten im heimischen Umfeld gearbeitet wird, sind irre spannend.“ Die Beziehung zum Patienten sei in der Psychiatrie sehr wichtig. Dabei werde niemand alleingelassen, ergänzt Braselmann, denn oft seien es harte Schicksalsschläge oder Ereignisse: „Da gibt es für das Personal verschiedene Bewältigungsstrategien, und wir Praxisanleiter kommen für Gespräche vor Ort.“ Die Abiturientin gibt sich tough: „Wir sind vier Kinder daheim, ich bin da nicht so empfindlich.“ Ab 23. November wird sie in Rockenhausen auf ihre ersten Patienten und die neuen Kollegen treffen.

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