Kaiserslautern Pfalzgalerie: Ausstellung mit Fotos von André Kertész
Das Werk eines der berühmtesten Fotografen zeigt die Pfalzgalerie ab 15. April mit der Ausstellung „André Kertész: Budapest – Paris – New York“. Kertész gilt als einer der stilistisch einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Sein Lebensweg führte von Budapest über Paris schließlich nach New York. Kertész’ fotografisches Leitbild war die Erfassung der flüchtigen, emotionalen Momente des Lebens, er suchte die Entdeckung des Poetischen im Normalen. Die über 80 Arbeiten der Schau stammen aus einer Privatsammlung.
1894 in Budapest geboren, kaufte Kertész 1912 seine erste Kamera und dokumentierte 1914 bis 1918 im Ersten Weltkrieg als Soldat das Kriegsgeschehen. 1925 zog er nach Paris und arbeitete als Fotoreporter für illustrierte Zeitschriften. Freundschaftlichen Umgang pflegte er mit Künstlerkollegen wie Man Ray, Fernand Léger, Piet Mondrian oder Brassaï. 1936 floh Kertész vor der Bedrohung in Europa nach New York. Nach schwierigen Anfängen in Amerika arbeitete er für Magazine wie Vogue oder House & Garden, bevor er sich von Beginn der 60er bis zu seinem Tod 1985 wieder seinem eigenen fotokünstlerischen Werk widmen konnte. Seine bedeutendsten Arbeiten, heute Inkunabeln der neueren Fotografiegeschichte, entstanden während seiner Zeit in Paris und schildern die faszinierenden Facetten der französischen Metropole aus der Sicht einer flaneurhaften Straßenfotografie. Ikonen der Sachfotografie, wie die berühmte Gabel (La fourchette), zeigen seine Verbindung zur Neuen Sachlichkeit, aber auch die Nähe zu konstruktiven und geometrisierenden Tendenzen, gefiltert durch die Liebe zu den Dingen. Die Fotografie faszinierte den jungen Kertész schon früh – sein erster Fotoapparat war eine kleine ICA-Box mit Platten im Format 4,5 auf 6 Zentimeter. Boxkameras verwendete er bis in die 20er Jahre. Ab 1925 fotografierte Kertész für kurze Zeit mit einer Goerz-Anschütz Klappkamera (diese „Ango“-Handapparate galten als die ersten leistungsfähigen Pressekameras), bevor er 1928 seine erste Leica kaufen konnte. Die eben erst produzierte, handliche und schnell einsetzbare Kleinbildkamera war wie geschaffen für Kertész: Street Photography beginnt bei ihm. Farbfotografie und von 1979 an auch Polaroidfotografie bilden nur einen kleinen Teil des Werkes, der in dieser Ausstellung zugunsten von Kertész’ klassischer Schwarz-weiß-Fotografie unberücksichtigt bleibt. Während der Laufzeit der Ausstellung zeigt das Museum im Ostflügel seiner Schauräume als begleitende Schau Fotografie aus den Beständen der Graphischen Sammlung des Hauses. (red)