Kaiserslautern
Pfalzbibliothek: Leiterin Claudia Germann seit 100 Tagen im Amt
Es erwischte sie mit einem kalendarischen „Duett“ bedeutsamer Daten: 58. Geburtstag am 9. und 100. Tag im neuen Amt am 10. April. Ansonsten gibt es nichts Markantes zu vermelden, zumal in kontaktarmer Corona-Zeit. Ist doch der Betrieb in der Pfalzbibliothek wohl kaum jemandem ohne Claudia Germann vorstellbar. Gut 33 Jahre gehört sie dem Team an, davon 20 Jahre als stellvertretende Leiterin. Und so blieben, wie bisher, der Weg zur Arbeit von Waldfischbach-Burgalben, der Zugang zum Institutionsgebäude in der Bismarckstraße 17, der Platz am Computer und das Kollegium. Und doch „fühlt es sich jetzt so anders an“.
Dieses Fazit nach 100-tägiger Erfahrung meint die Verantwortung, die sich für das, was im Rahmen der Institution anfällt, maßgeblich verlagert hat. „Vor allem in Entscheidungsprozessen wird das überdeutlich.“ Gleichzeitig kann die Neue an der Spitze an gewohnte Vorgaben ebenso anknüpfen wie an Bereiche mit Eigeninitiative. „Das Bibliothekswesen hat sich gravierend verändert“, vergleicht sie ihre Studienzeit zur Diplom-Bibliothekarin für wissenschaftliche Bibliotheken an der Fachhochschule für Bibliothekswesen in Stuttgart mit dem Heute.
Statt „Zettelkatalogen“ Events zur Wissensvermittlung
Jeden Schritt in dem Prozess, jede Richtung in die Moderne, jede Auswirkung im Umgang erlebte Germann hautnah mit. Orientierte sich früher der Erstanspruch des Systems an klassischen Nachschlagewerken, an Bewahren, Dokumentieren, Analysieren, Katalogisieren anhand Karteien beziehungsweise sogenannter Zettelkataloge, so steckt in den heute verfügbaren Datenbanken ein „Riesenangebot von Wegen an informatives und historisches Wissen zu gelangen“.
Und auch in der Darbietung zählen andere Kriterien. Die Menschen lieben Events rund um historische und kulturelle Wissensvermittlung. Etwa als themenbezogene, oft musikalisch umrahmte Ausstellungen, Buchvorstellungen und Lesungen. „So sehen wir uns mehr denn je als Verbindungsglied zwischen Künstler und Publikum, ganz im Sinne eines familiären Rahmens.“ Geht es doch neben akademischen Ansprüchen auch um Heimatkunde für Liebhaber, um das Nutzen neuer Medien, um Präsenz in analoger wie in digitaler Vernetzung und so nicht zuletzt niedrigschwellige Wissensvermittlung zu ermöglichen.
Beruflich und privat der Pfalz verbunden
Alles das macht für die gebürtige Lautrerin die Inhaltsangaben ihres gewählten Traumberufs aus. Am besten jedoch gefallen ihr jene erwähnten Bereiche der Kommunikation und Kreativität. „Den Menschen einen Service anbieten und Möglichkeiten haben, ihn zu gestalten und zu verbessern.“
Doch Beruf ist nicht alles im Dasein. Und so verrät die Ehefrau und Mutter eines Sohnes, dass ihre privaten Interessen überwiegend der Kunst, Kultur, Natur und dem Sport gehören: Aikido, Tanz und zweirädrig durch den Pfälzerwald fahren. War dies einst auf einem Motorrad, so radelt sie heute per Velo die Hügel rauf und runter. Die ideale Fahrweise, um gleichzeitig ihre Naturverbundenheit auszuleben. Denn Natur- und Umweltschutz kennt sie aus Trippstadt, wo sie ihre Kindheit verbrachte. Derlei Aspekte schließen wiederum einen Kreis ins Berufsleben, in dem die Pfälzerin das Thema Pfalz bewahrt und in jeder Hinsicht zugänglich erhält.