Göllheim
Petra Hübel zeigt ihre Bilder in der Kulturscheune
Es ist die besondere Schreibweise des Ausstellungstitels, die von vornherein darauf verweist, dass sich dieser eine, aus zwei trennbaren Wörtern zusammengesetzte Begriff auf Doppeldeutigkeit bezieht, die das Thema Mensch in all seinen Facetten vom alltäglichen Mit- und Füreinander bis zum mitmenschlichen Denken über Grenzen hinweg sieht und darstellt. Der Rundgang in der Kulturscheune, vorbei an den 27 Exponaten in beiden Räumen, erinnert an all das und mehr. Sogar ans „Drüber-Stolpern“.
Denn manche Bilder lehnen wie eine unfertige Handlung am Fußboden. Auf diese Leinwände übertrug die Malerin Momente, die von Medien aus dem Nahostkrieg bekannt sind. „An den Wänden hängt dagegen das positive Miteinander, die Mitmenschlichkeit“, erläutert die 65-Jährige, „dazu musste ich ein unübersehbares Zeichen, den mentalen Stolperstein, für das Bedenken von Leid und Elend platzieren.“ Neben ausgehungerten Menschen mit leeren Schalen und Töpfen beeindruckt besonders ein zwar dekorativer, jedoch zerfetzter Vorhang mit zwingendem Durchblick auf Trümmerberge, also auf absolute Zerstörung von Mitmenschlichkeit. Dieser Vorhang bedeutet die sinnbildliche Distanz zum Rest der Welt, also bildsprachliches Wegsehen.
Berührende Momente
Die Gründe hinzusehen, hängen rundum auf den sandsteinernen Mauern der Kulturscheune. Wunderschöne Motive, ästhetische Bildelemente, wohltuende Farbharmonien, vertraute und berührende Momente von Kindern, Paaren oder Generationen. Vertraut, weil aus dem eigenen Leben. Berührend, weil auch aus jenem der Betrachter.
Die Exponate ähneln Fotografien. Oftmals sind sie nach deren Vorlagen konzipiert. Und doch zeigt die Malerei der gebürtigen Mainzerin nichts Kopiertes, vielmehr ihre sehr eigene, ja eigenwillige Handschrift. Kunstinteressierte erleben jenes Sehen und Registrieren fotorealistischen Darstellens im Kontext von abstrahiertem und abstraktem Andeuten. Denkräume entstehen, die offenbleiben und Bildräume, die Haltung beziehen mit einer Erzählkunst, die den Betrachter zu fesseln vermag.
Alles beginnt mit Chaos
Dabei beginnt jedes Gemälde mit „Chaos“. So nennt die Malerin jenes Aufbringen von Restfarben eines fertig gestellten Bildes auf jeweils neue Leinwände. Was von dieser anfänglich willkürlichen Farbigkeit – übermalt und teilweise mit Krepppapier und Skalpell abgeklebt oder mit Schablonen aus Plastikfolien und Schwamm überdruckt – letztlich im Bild erhalten bleibt, überrascht oftmals auch sie selbst. „Doch“, so Hübel, „es muss nicht alles definiert sein.“
Diese Aussage ergänzte die Vorsitzende des Göllheimer Kulturvereins, Claudia Schäfer, in ihrer Laudatio: „Die Bilder bewegen sich im Spannungsfeld konkreter Ausformulierung, Weglassung und phantasievoller Ornamentik. Die Momente des Auslassens von Erwartbarem versteht Hübel als Aufheiterungen, aber auch als Irritationen.“ Ob technisches oder gestaltendes Prinzip – wer es kennt, kann es in den Arbeiten aus den Jahren 2018 bis heute entdecken. Eine Liste informiert über Titel sowie Jahrgänge. Arbeiten wie etwa „Marktliebe“, „Weggefährten“, „The Musicien“, „Freunde“ oder „Kleine Künstlerin“ entstanden speziell für diese „MitMenschen“-Ausstellung in der schmucken Kulturscheune.
Ausstellung
Am 18. und 19. sowie am 25. und 26. Oktober, jeweils von 14 bis 17 Uhr, geöffnet.