Kaiserslautern
Peter Simonis im Art Hotel: Leidenschaft fürs Aquarell
Das Motto heißt Aquarell. Und das gilt nicht nur für diese Bilderschau im Art Hotel. Es bedeutet das Lebensmotto des 71-Jährigen, seit er Anfang der 1990er als Autodidakt mit ernsthafter Malerei begann. Und es ist sein Leidenschaftsmotto sowie ganz generell das Motto ureigener Fähigkeit sich mitzuteilen und zu kommunizieren. Nichtsdestotrotz zeigen seine Themen zunächst das, was jeder sieht: Mensch, Land, Natur, Architektur sowie ab und an Spuren menschlich fragwürdiger Hinterlassenschaft.
Gemeint sind hier etwa jene „Blauen Tonnen“. Dicht gedrängt im Hinterhof scheinbar abgestellt und vergessen. Denn rundum sprießt bereits Unkraut. So figürlich dieses Motiv wiedergegeben wurde, so detailverliebt enthebt der Maler es zugleich jedwedem dokumentarischen Denken. Wer sich weiter umsieht hin zu Städtebildern mit Titeln wie Kaiserslautern, Venedig, New York, Landstuhl, Salzburg, München oder zu Szenen wie Völklinger Hütte, Metropole, Hafenviertel, Reflexionen, Im Watt oder Brandung erkennt darin schnell die unverkennbare Handschrift des hauptberuflichen Friseurmeisters.
Spiel mit Licht und Schatten
Und zwar bezieht sich dieses konkrete Titulieren seiner Motive nicht nur auf den analog gegenständlichen Blick auf Vorhandenes. Vielmehr stellt es gleichzeitig einen Einblick ins jeweils Innere dar. Er sagt dazu: „Schwerpunkt meiner Arbeit ist das Spiel mit Licht und Schatten, Flächen und Formen. Sie bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Realität und Abstraktion.“ Besonders letztgenannter Aspekt des Abstrahierens und damit einhergehenden Reduzierens öffnet gestaltende sowie interpretatorische Zugänge im künstlerischen Sinn. Sind sie doch gleichbedeutend mit mentalen und emotionalen Freiheiten, Fantasien und Fortentwicklungen bis hin zur Eigendynamik der Zufälle. Dem Nass-In-Nass des Aquarellierens sei zusätzlicher Dank.
Erst recht bei Simonis’ Methode. Denn der Queidersbacher arbeitet ohne vorgezeichnete Bildelemente. Ihm gelingt ausschließlich mit nassem Pinsel jene formale und kompositorische Präzision, die seine bildende Kunst auszeichnet. Übrigens auch bei Teilnahmen an Wettbewerben, die ihm neben Preisen auch Gradmesser seines Könnens bescheren. So erlebte er erneut Ende des letzten Jahres „eine persönliche Bestätigung“ durch die Nominierung im internationalen Wettbewerb „Do You Speak Watercolor Award 2023“ der Kategorie Landschaft und Architektur.
Spezielle Bildsprache
Angesichts weltweit hochkarätiger Aquarellisten, „war es eine tolle Erfahrung“ mit einem seiner „Seestücke“ (zwei Exemplare sind im Art Hotel zu sehen) zu jenen fünf Nominierten von rund 100 Einreichenden zu zählen. Dabei erstaunt immer wieder, wie augenscheinlich banal seine Themenwahl ausfällt. Tatsächlich lässt er sich von Naheliegendem inspirieren, von den Gegenden und Kulissen seiner Spaziergänge respektive Reisen. Was ihn berührt, fotografiert oder skizziert er kurz. Erst im Queidersbacher Atelier bannt er seine spezielle Bildsprache auf Leinwand, formuliert sie mal in kräftigem Farbduktus, mal in blaugrauer Monochromie, mal leuchtend satt, mal neblig unscharf. Wer davor steht und lässt sich ein, der entdeckt eigenes Unterwegssein, ob als physisches Erinnern oder als psychisches Empfinden. Eine naturnah-natürliche Art der Kommunikation.
INFO:
Die Ausstellung ist bis Ende Juni zu den hotelüblichen Öffnungszeiten zu besichtigen.