Ramstein RHEINPFALZ Plus Artikel Pendragon begeistern in Ramstein

In seinem Element: Pendragon-Chef Nick Barrett.
In seinem Element: Pendragon-Chef Nick Barrett.

Pendragon haben am Donnerstag ein sehr gut besuchtes Konzert in Ramstein gegeben und dabei früh für klare Verhältnisse gesorgt.

Sie kam (nach Ramstein), sie sah (verschmitzt ins Publikum) und siegte (bei selbigem vom ersten Titel an). Und sorgte fortan für unglaubliche Reaktionen: Für die britische Prog-Rock-Band Pendragon gab es während ihres Konzerts im rappelvollen Congress Center Ramstein (CCR) immer wieder „Standing Ovations“, die erste sogar schon nach der zweiten Nummer des langen Abends. So etwas hat man auch als langjähriger Rezensent noch nicht erlebt.

Verdient hatte die erfahrene, bereits 1987 gegründete und bis heute weitgehend gleich besetzte Band den Enthusiasmus allemal. Nach dem halbstündigen Aufwärm-Intro von Supporter Rog Patterson (der später auch regulär mitwirkte) an der Gitarre und mit eindringlich-hartem Gesang spielten Frontmann und Bandgründer Nick Barrett (Gitarre und Gesang), Clive Nolan (Keyboard), Peter Gee (Bass) und Jan-Vincent Velazco (Schlagzeug) sowie die besonders in den zurückhaltenderen Stücken hochwirksam aktiven Background-Sängerinnen Sally Minnear und Joana Strout erstmal sämtliche Stücke ihres 1991 erschienenen dritten Studioalbums „The World“. Das war bereits eine besondere Leistung.

„The Voyager“ (jenes Stück, nach dem die Zuhörer erstmals im Stehen applaudierten), alle Teile der „Queen of Hearts“-Trilogie, „Prayer“ - Schlag auf Schlag kamen die Titel massiv im Sound und komplex im Arrangement durch die Anlage, höchstens unterbrochen durch die launig-informativen Ansagen des agilen Bandchefs.

Das Ganze klang so frisch und unverbraucht, als seien all die Songs erst letzte Woche geschrieben worden - jedenfalls dann, wenn Pendragon sie selbst und live ein bisschen aufgepeppt spielt.

Danach ging es mit Pendragon-Kompositionen aus allen Ecken ihres bisherigen Schaffens ebenso anspruchsvoll wie ansprechend weiter. Mit dem den Zuhörern selbst im Sitzen tief in die Magengrube fahrenden Titel „Alaska“ etwa. Dann gab es ein Stück, das die Band bei ihrem ersten Auftritt in Deutschland 1987 im Kaiserslauterer „Spatz“ spielte.

Und da war auch die augenzwinkernd geschriebene und gespielte Nummer „360 Degrees“ über den grandiosen 360-Grad-Blick rund um das Domizil von Nick Barrett in dessen Heimat Cornwall - bis ihm ein Nachbar eine Scheune vor die Nase setzte und er jetzt quasi nur noch einen 359-Blick über grüne Wiesen und blauen Himmel habe. Ein bisschen Humor neben den oft nachdenklichen Liedern lockerte die Atmosphäre hier angenehm auf.

So ging es stark und ohne Energieverlust über Stunden weiter, zeigte sich Können und Ausdruck kontinuierlich im von langen Solo-Passagen und tragendem Keyboard-Sound gekennzeichneten Pendragon-Rock, der neben der harten Prog-Schiene sogar Avancen gen Folk und Klassik zuließ.

Dieses einzige Konzert der Gruppe in Deutschland in diesem Jahr war eine Offenbarung für die Fans. Der anhaltende Applaus deutete es an, ihn gleich stehend zu spenden, war der ständige Hinweis dafür, die bis zum Schluss im CCR anhaltende Stimmung der endgültige Beweis.

Info

Für alle, die vom Prog-Rock á la Pendragon nicht genug bekommen können: Im Mai nächsten Jahres gibt es am selben Ort ein dreitägiges „Empire of Prog-Festival“ mit neun Bands des Genres.

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