Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Otterberg: Nachwuchsmusiker überzeugen beim Konzert in der Abteikirche

Überzeugender Auftritt: Das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz führt zusammen mit dem Landesjugendchor unter der musikalische
Überzeugender Auftritt: Das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz führt zusammen mit dem Landesjugendchor unter der musikalischen Gesamtleitung von Hermann Bäumer »Ein Deutsches Requiem« von Johannes Brahms auf. Den Baritonpart übernimmt Johannes Kammler.

Ein in der Geschichte der Musica Sacra herausragendes Meisterwerk – das deutsche Requiem von Johannes Brahms – fand am Samstag in der dicht besetzten Abteikirche Otterberg durch zwei „Flaggschiffe“ rheinland-pfälzischer musikpädagogischer Förderung eine grandiose Aufführung.

Das 1973 gegründete Landesjugendorchester und der 1982 ins Leben gerufene Landesjugendchor erwiesen sich unter der sehr konzentrierten, stringenten und konsequenten Leitung von Hermann Bäumer (Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz und des dortigen Staatstheaters) als aufführungspraktisch bestens geschulte, stilistisch kompetente und interpretatorisch hochrangige Klangkörper, um dem Publikum beim Requiem eine Sternstunde zu bescheren.

Selbst der sonst über den Häuptern seiner komponierenden Zeitgenossen ein ganzes Füllhorn an Häme, Schelte und Spott ausschüttende Kritikerpapst Eduard Hanslick geriet angesichts von Brahms’ Requiem ins Schwärmen: „Seit Bachs h-moll-Messe und Beethovens Missa Solemnis ist nichts vergleichbares geschrieben worden“, urteilte er und seine Worte hatten stets Gewicht. Eigentlich ist es ein Meisterwerk, das sich Musikschülern und Studenten oder semiprofessionellen Kräften nur schwerlich erschließt, denn die Partiturverfeinerung nimmt schon Richard Strauss vorweg, die Orchestrierung erinnert in der Subtilität und Raffinesse an Wagner und das beseelte emphatische „Wort-Ton-Verhältnis“ der Textbehandlung chorischer Partien verlangt feinste Nuancen der Gestaltungskraft. Und dies noch in einer heiklen, nachhallenden Akustik!

Es spricht für die koordinierenden Fähigkeiten des Dirigenten Hermann Bäumer – ein einstiger Berliner Philharmoniker –, wenn diese Bedenken überwunden wurden und sich ein Gesamteindruck der spieltechnischen Solidität und Expressivität und klanglichen Homogenität beim Orchester breitmachte. Und die klangliche Ausbalancierung mit dem ebenfalls bestens disponierten Chor vorzüglich gelang, weil alle Abläufe, Einsätze und Überleitungen akkurat auf den Schlag kamen und sich ein hohes Niveau einstellte, das mit Präzision bis ins kleinste motivische Detail aufwartete und restlos überzeugte.

Wie Sportveranstaltungen haben auch Konzerte eine Eigendynamik: Als zu Beginn des Requiems aus feierlicher, fast beklemmender Stille sich Celli und Kontrabässe aus subtilem Klangzauber entwickelten, das Solohorn wie aus dem Nebel in feinster Nuancierung aufhorchen ließ und sich ein betörender, dicht gewobener Klangteppich entwickelte, ahnte man, da reift etwas Großartiges. Hochdifferenzierte Dynamik – je nach Erfordernis kleingliedrig oder auch in weiten Klangflächen der Phrasierung – und dezente Agogik bewirkten ein romantisches Klangbild, das nicht eruptiv und plakativ, sondern kontemplativ und meditativ wirkte. Eine Musik als Rückzug in die Innerlichkeit, die Trost gibt und Zuversicht ausstrahlt.

Es spricht immer für die Interpretationen, wenn keine Schwachpunkte auszumachen sind, was für den Orchesterklang bedingungslos gilt, für den Chorklang eingeschränkt: Im anschwellenden Forte verlor der Chorklang seine Homogenität, ragten dominante Sopranstimmen heraus. Auch die beiden Nachwuchssolisten waren eine Idealbesetzung: die Sopranistin Sheva Tehoval mit entwaffnender Natürlichkeit und Leichtigkeit der Stimmansprache und einer sehr verinnerlichten Darstellung von entrückter Schönheit; der Bariton Johannes Kammler dagegen mit einer eindringlichen Deklamation der Textsilben, guter Verständlichkeit und klarer Diktion.

Ein geeignetes Pendant zum Requiem zu finden, ist schwer

Wie die Laudatio des Kritikerpapstes Hanslick andeutet, ist es schwer, programmatisch passend zum herausragenden Requiem von Brahms ein geeignetes Pendant zu finden. Vielleicht hätte man bei der „B-Gruppe“ der Komponisten wie Bach, Beethoven oder Bruckner (etwa Tedeum) bleiben sollen, um auch allen Beteiligten die Möglichkeit weiterer Profilierung zu geben – möglicherweise auch in Ausschnitten eines weiteren vergleichbaren Monumentalwerkes.

Die Musik für Bläser (Night Signal – Signals from Heaven) und das Requiem für Streicher, beide vom japanischen zeitgenössischen Komponisten Toru Takemitsu, harmonierten zwar noch gedanklich mit der Grundidee der Inspiration und Einstimmung in eine sphärenhafte, ins Transzendente weisende Musik, nicht aber mit der kompositorischen Traditionslinie abendländischer Kirchenmusik in all ihren Formschemata, Satztechniken und ihrer vokaler wie instrumentaler Stimmbehandlung. Ein weiteres kompositorisches, klangliches Dreigestirn für die beiden Vokalsolisten, Chor und Orchester hätte daher besser mit dem Brahms-Requiem korrespondiert.

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