Kaiserslautern
Opelaner kämpfen für Kündigungsschutz und Perspektive
Thorsten Zangerle, Betriebsratsvorsitzender bei Opel in Kaiserslautern, und Bernd Löffler, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Kaiserslautern, sind sauer: Die Opel-Geschäftsführung stelle den geltenden Zukunftstarifvertrag infrage. Der beinhalte die Zusage von Arbeitgeberseite bis Sommer 2025 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten und dass Opel weiter in den Standort investiert. Die Arbeitnehmer hätten im Gegenzug auf tariflich vereinbartes Zusatzgeld verzichtet und die Freiwilligen Ausscheide-Programme mitgemacht. Löffler: „Während sich die Arbeitnehmer an ihren Teil der Zusagen halten, droht die Arbeitgeberseite nun. Das erzürnt uns sehr.“
Drohungen statt Perspektiven
Wie Zangerle erläutert, sei am Standort Rüsselsheim seit den Sommerferien Arbeit weggefallen und es gebe einen Personalüberhang. Der solle nach dem Willen der Geschäftsführung zügig abgebaut werden, in erster Linie durch ein erweitertes Freiwilligenprogramm. Nun sei, berichtet Zangerle, in der Geschäftsführung geäußert worden, dass möglicherweise auf betriebsbedingte Kündigungen nicht verzichtet werden könne. Zangerle: „Gerade im Januar haben wir uns noch darauf verständigt, dass bis Sommer 2025 Kündigungsschutz gilt – und jetzt das.“
Das Thema betreffe zwar vornehmlich den Standort Rüsselsheim, aber Zangerle befürchtet, „dass durch diese Drohungen von betriebsbedingten Kündigungen auch die anderen Standorte in den Fokus geraten könnten. Dem gilt es von Anfang an mit einer klaren Botschaft entgegen zu treten“. In Kaiserslautern sind aktuell rund 1500 Menschen bei Opel beschäftigt, ergänzt Löffler, viele davon derzeit in Kurzarbeit.
Der Betriebsratsvorsitzende kritisiert, dass nun Drohungen und Angstszenarien unter der Belegschaft kursieren, statt den Mitarbeitern Mut zu machen und ihnen eine Perspektive zu bieten – und die gebe es: Stichwort Batteriezellfertigung. Zangerle: „Das wäre eine Beschäftigungsperspektive, denn die 2000 Stellen in der Batterieproduktion müssen ja besetzt werden.“ Die Vorbereitungen für das neue Werk laufen nach seinem Kenntnisstand nach Plan: „Darüber sollten wir mit dem Management sprechen, und nicht über bereits gemachte und nun infrage gestellte Zusagen.“ Stattdessen sollten Fragen nach der Organisation des Batteriezellwerks, etwa ob es mit zu Opel zählt, geklärt werden, oder darüber gesprochen werden, welche Arbeitsbedingungen dort herrschen.
Gespräche zur Batteriezellfertigung beginnen
Zangerle: „Leider sind bis heute hierzu, weder mit der IG Metall noch mit uns Gespräche geführt worden und das lässt einen natürlich hellhörig werden – auch ausgelöst durch den derzeitigen Konflikt.“ Statt sie zu verunsichern sollte die Belegschaft – auch Beschäftigte aus Rüsselsheim – mit Qualifizierungsmaßnahmen für die neuen Aufgaben und Produktionsbedingungen im Batteriezellwerk fit gemacht werden.
Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben sich am Dienstag etwa 75 Opel-Beschäftigte und ehemalige Opel-Mitarbeiter in ihrer Freizeit auf den Weg nach Rüsselsheim gemacht. Beim „Opel-Aktionstag“ unter dem Motto „Zukunft nur mit uns – Hände weg vom Kündigungsschutz“ wurde dann ein Autokorso durch die Innenstadt organisiert. Löffler: „Weil in Corona-Zeiten keine Kundgebung möglich ist, spielen wir Redebeiträge und Statements über Radio Rüsselsheim ein, die jeder im Auto mitverfolgen kann.“ Mit einem Hupkonzert und wehenden Fahnen startete der Konvoi am Dienstagvormittag auf dem Opel-Parkplatz.