Kaiserslautern / Etschberg RHEINPFALZ Plus Artikel „Opel war mein Leben“: Roland Rothfuchs arbeitete fast 50 Jahre im Werk Kaiserslautern

Von der Ausbildung bis zur Rente blieb Roland Rothfuchs seinem Arbeitgeber treu.
Von der Ausbildung bis zur Rente blieb Roland Rothfuchs seinem Arbeitgeber treu.

Von der Ausbildung bis zum Rentenantritt war Roland Rothfuchs für den Automobilriesen Opel tätig. Er wurde gar zum Ritter geschlagen – nur eine von vielen Erinnerungen.

„Rudi, hat der Roland schon eine Lehrstelle?“ Mit dieser Frage fing Roland Rothfuchs’ Karriere bei Opel an. Der Fahrer einer Farbenfirma, der den Malerbetrieb des Vaters in Etschberg belieferte, hatte damals den heißen Tipp gegeben. Er habe gehört, dass ein Opelwerk in Kaiserslautern entstehe. Das Interesse des Jugendlichen war schnell geweckt, und so kam es, dass Roland Rothfuchs zu den ersten acht Lehrlingen gehörte, die ab 5. April 1965 zuerst in der Gemeinschaftslehrwerkstatt der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Kusel, später in Kaiserslautern in der Lehrwerkstatt zum Werkzeugmacher ausgebildet wurden. Der Auszubildende mit der Stammnummer 5 (400 005) half sogar, das Schild „Lehrwerkstatt“ an das Gebäude zu montieren, als er im April 1966 nach Kaiserslautern wechselte, wo später die Halle K1 sein Einsatzort war.

Der 76-Jährige erinnert sich noch gut an die Ausbildung, kann alle Mitazubis mit Vor- und Nachnamen und sogar ehemaligem Wohnort auflisten. Ebenso bildlich hat er die Eröffnung des Werks im Juni 1966 vor Augen: „Ich durfte damals Ministerpräsident Peter Altmeier die Autotür öffnen. Auch sonst waren viele prominente Gäste vor Ort“, berichtet Rothfuchs.

Opelwerk als Familie

Der Werkzeugmacher durfte aber noch viel mehr tun, als nur die Tür für hochrangige Gäste zu öffnen. Er war zunächst an der Herstellung von Automatendrehteilen, Gelenkwellen, Kupplungen, Lenkgetrieben, Bremszylindern und Presswerkteilen beteiligt. Auch menschlich habe er sich immer sehr wohl gefühlt. „Mein Obermeister in der Lehrwerkstatt, Hans Lahm, hat regelmäßig jedem Lehrbub etwas mitgebracht. Eine Banane oder ein Gebäck – er hat immer darauf geachtet, dass er abwechselnd für jeden eine Kleinigkeit dabei hat“, berichtet der Rentner. Viele solcher kleinen zwischenmenschlichen Momente haben Rothfuchs an die Marke Opel gebunden und ihn dankbar für das gemacht, was er im Laufe seiner Karriere erleben durfte. „Opel war ein Segen für die Region. Für mich als 15-Jährigen war das ein Sprungbrett in ein sorgenfreies Leben.“

Aber auch negative Schlagzeilen prägen die Geschichte des Automobilherstellers, der lange mehr als nur ein Arbeitgeber für Rothfuchs war. So erinnert er sich auch an den Lopez-Effekt, der dem Image der Firma in den 1990er-Jahren schweren Schaden zufügte. José Ignacio López de Arriortúa war zunächst für Produktion und Einkauf bei der Adam Opel AG verantwortlich, ehe er beim Mutterkonzern General Motors zum Chefeinkäufer wurde. Bekannt wurde er für seine harte Verhandlungsführung, die darin resultierte, dass Händler die Einkaufspreise sehr gering halten mussten. Dies führte wiederum zu starken Qualitätseinbußen bei den gelieferten Produkten. Als López 1993 zu Volkswagen wechselte, kam der Verdacht auf, er habe Betriebsgeheimnisse von Opel weitergegeben. Es folgten rechtliche Schritte seitens Opel und VW, die letztlich zu einem Vergleich führten.

Engagement aus Überzeugung

Für Roland Rothfuchs überwiegen jedoch die positiven Erinnerungen. Lange hat er sich vielseitig engagiert – erst als Jugendvertreter, später im Betriebsrat –, hat um neue Projekte und somit Arbeit für das Werk gekämpft. Er erinnert sich noch an die Jahre, als mit mehr als 6600 Beschäftigten reger Betrieb im Opelwerk Kaiserslautern herrschte. Der Werkzeugmacher wurde außerdem von der IG Metall zum Vertrauensmann ernannt, wodurch er stets Anlaufstelle für seine Kollegen war und ein offenes Ohr für Probleme und Anregungen der Opelaner hatte.

Der Etschberger wurde, abseits seiner beruflichen Tätigkeit, zum ehrenamtlichen Richter am Arbeitsgericht berufen. Sein vielseitiges Engagement eilte ihm voraus. Zur Feier des 25. Mitarbeiterjubiläums durfte er als Jubilarsprecher die Festrede halten – eine Ehre, die ihm 15 Jahre später erneut zuteil wurde. In seinen Worten „Ich bin mit dem Unternehmen schon länger verheiratet als mit meiner Frau – und das will was heißen“ wurde damals wie heute deutlich, welchen Stellenwert sein Arbeitgeber für ihn hat.

Für seinen unermüdlichen Einsatz wurde er bei der Feier zum 40. Mitarbeiterjubiläum unter dem Motto „Im besten Mittelalter“ von Fertigungsvorstand Reinald Hoben und Personalvorstand Norbert Küpper mit dem Ritterschlag geehrt. Außerdem verlieh ihm der damalige Ministerpräsident Kurt Beck anlässlich der Feier die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz.

„Ich habe viel von der Welt gesehen“

Roland Rothfuchs bleibt Opelaner durch und durch. Mehr als 50 Modelle des Herstellers konnte er schon privat testen. Sein Liebling? Obwohl sein erstes eigenes Auto, der Opel Rallye Kadett B für damals 6800 D-Mark, einen besonderen Platz in seinem Herzen hat, ist der sportliche Opel Calibra sein Favorit.

Das Diamantjubiläum des Standorts Kaiserslautern am 3. Juni wird er nicht in der Barbarossastadt miterleben. Zur Feier am 20. Juni wird er aber wieder im Lande sein. Vermutlich wird er auf seiner Urlaubsreise aber doch kurz an seinen alten Arbeitgeber denken. Dieser hat ihm schließlich auch seinen ersten Flug im Rahmen seiner Tätigkeit als Jugendvertreter ermöglicht. „Ich habe viel von der Welt gesehen. War in GM- und Opel-Werken in England, Amerika, Spanien, Polen, Österreich und Australien. Opel war mein Leben“, unterstreicht Rothfuchs, der 2010 beruflich zum letzten Mal durch die Tore des Werks gegangen war.

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