Kaiserslautern Opel produziert unter Hygiene-Sicherheitsmaßnahmen (mit Bildergalerie)
Für die Opel-Mitarbeiter ist es schon fast ein morgendliches Ritual, wenn am Werkstor an der Stirn kontaktlos die Temperatur erfasst wird. Spätestens ab hier gilt: Mundschutz tragen – ohne Ausnahme! Den stellt der Arbeitgeber zur Verfügung, denn es darf keine selbstgenähte Maske sein, sondern ein medizinischer Mundschutz. Michael Bernhard, Leiter der Werksicherheit: „Jeder Mitarbeiter bekommt morgens für den Tag ein kleines Päckchen mit vier Masken und einer Plastiktüte für die getragenen Masken.“ Etwa alle zwei bis drei Stunden, je nach Arbeitsplatz und Belastung, sei die Einwegmaske durchfeuchtet und sollte gewechselt werden. Bernhard: „Allein in den vergangenen Wochen dürften wir zwischen 30.000 und 40.000 Masken verbraucht haben.“ Die benutzten Masken werden dann verbrannt.
450 von 1500 Mitarbeitern sind wieder im Werk
Etwa 450 der insgesamt rund 1500 Mitarbeiter bei Opel arbeiten wieder, momentan nur in der Frühschicht – und im Wechsel. Also eine Woche im Werk, eine Woche frei. Kurzarbeit. Thomas Mause, Betriebsleiter in der Karosseriekomponenten-Fertigung, erklärt: „Gerade am Montag haben wieder einige Kollegen frisch angefangen, die seit der Schließung im März nicht mehr im Werk waren.“ In einer gut einstündigen Schulung werde den „Neuen“ ein Unterweisungspaket – ein Stapel Infomaterial zu Hygiene und zum Verhalten im Werk – übergeben und Fragen beantwortet. Mause: „Zusätzlich sind in allen Bereichen Aushänge zu finden, die das richtige Verhalten erklären.“
Mannschaft muss sich an neue Abläufe gewöhnen
Beispielsweise im Pausenraum, in dem nun jeder Mitarbeiter einen festen Platz hat und jeweils durch eine Pappwand vom Kollegen getrennt ist. Kochen ist tabu, die Verkaufsautomaten sind außer Betrieb. Stattdessen sind Händedesinfektion und Lüften angesagt. „Die Leute müssen sich, wie wir, erstmal an die neue Situation gewöhnen“, sagt Mause und zeigt Verständnis, wenn mal ein Abstand nicht eingehalten wird: „Die Vorkehrungen muss man nicht gut finden. Dazu hat jeder seine Meinung. Aber es ist eben eine klare Vorgabe, an die wir uns als Arbeitnehmer zu halten haben.“
Belastungsprobe steht noch bevor
Eine klare Meinung hat beispielsweise Ralf Scheffler, Teamleiter im Bereich Karosseriekomponenten-Fertigung: „Ich bin froh, dass es die Sicherheitsanweisungen gibt, schließlich will ich abends ja wieder gesund zu meiner Familie.“ Der 45-Jährige arbeitet im September seit 30 Jahren bei Opel, und er sagt, dass er sich an das Arbeiten mit der Maske gewöhnt hat: „Aber die Herausforderung kommt da erst noch, wenn es wärmer wird und schwül.“ Dann könne es belastender werden. Derzeit, berichtet Scheffler, seien die Kollegen alle einsichtig und hielten sich an die Maskenpflicht. Dass in der Halle so wenig Beschäftigte unterwegs sind, sei kein ungewohntes Bild: „Das kennen wir schon von anderen Neuanläufen, da ist die Mannschaft ebenfalls nie komplett da.“
Geld und Hirnschmalz investiert
Werksicherheitschef Bernhard ist stolz darauf, dass das Corona-Maßnahmenpaket aus Kaiserslautern als eine Art Blaupause in anderen Opel- und PSA-Standorten übernommen wurde. Beispielsweise haben in dieser Woche Rüsselsheim und Eisenach unter ähnlichen Sicherheitsvorkehrungen, angepasst an die Gegebenheiten der Standorte, die Produktion wieder aufgenommen. Man habe viel Mühe und Sorgfalt investiert, damit die Mitarbeiter möglichst gesund bleiben. Robert Brämer, Bereichsleiter Presswerk und Karosseriekomponenten-Fertigung, ergänzt: „Einen Großteil der Veränderungen hier in der Halle haben wir mit Mitteln umgesetzt, die wir eh schon hatten – beispielsweise helfen Stellwände zur Absperrung von Laufwegen bei Einbahnregelungen oder Pylone trennen einen Arbeitsplatz besser vom Laufweg.“ Laut Brämer wurden im Werk mehr als 100 Maßnahmen zum Schutz vor einer Ansteckung umgesetzt – „immer dort, wo mehrere Menschen zusammenkommen“.