Kaiserslautern
Opel-Betriebsrat und IG Metall rechnen wieder mit mehr Mitarbeitern
Über mangelnde Arbeit können sich Thorsten Zangerle, der Vorsitzende des Opel-Betriebsrates, und Bernd Löffler, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall, also nicht beschweren. Bei Opel wird bis Jahresende noch kurzgearbeitet. Grund ist ein Versorgungsengpass. Die Zahl 2100 steht im Raum. So viele Arbeitsplätze könnten auf dem Opel-Werksgelände entstehen, in der Batteriezellenfertigung, die das Joint Venture ACC dort installieren möchte. ACC ist ein Zusammenschluss aus dem Konzern Stellantis, Opel, dem französischen Batterieherstellers Saft und – ganz frisch – Mercedes-Benz. Das ist aus Sicht von Löffler und Zangerle zwar äußerst begrüßenswert, aber noch Zukunftsmusik. Fakt ist: Derzeit arbeiten bei Opel rund 1300 Mitarbeiter, in den kommenden Jahren könnten es noch ein paar mehr werden.
Das liegt laut Zangerle daran, dass bei einer vor zwei Jahren ausgehandelten Betriebsvereinbarung zur Zukunft des Werkes verstärkt auf die in Kaiserslautern gefertigten Komponententeile für Autos gesetzt wurde. Zwar werden immer noch Motoren im Werk gebaut, aber nicht mehr in dem Umfang, wie das einmal geplant war, berichtet Löffler. „Das ist bei vielen immer noch im Kopf: In Kaiserslautern werden Motoren gebaut. Das ist aber nicht richtig.“ In den vergangenen Jahren seien Sitze und Achsen sowie Press- und Schweiß-Teile für die Karosserie verstärkt in den Fokus gerückt. „Darauf wurde sich auch bei der Vereinbarung um zukünftige Projekte verstärkt konzentriert“, sagt Zangerle.
Opel-Belegschaft könnte leicht wachsen
2018 wurde ein Tarifvertrag mit dem französischen Konzern PSA geschlossen, an den Opel von General Motors verkauft worden war, blickt Löffler zurück. Im Jahr darauf habe es dann besagte Betriebsvereinbarung über die nähere Zukunft des Standortes gegeben, zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung, ergänzt Zangerle. Mittlerweile gehören Opel und PSA zum Mutterkonzern Stellantis. Aktuell seien rund 80 Prozent der in der Vereinbarung zugesagten Investitionen am Standort gemacht, Zangerle rechnet damit, dass in den kommenden Jahren die Anzahl der Mitarbeiter wieder leicht anwachsen könnte – auf etwa 1300 bis 1400 Menschen .
Ab Oktober bis Jahresende ist eine Viertagewoche geplant. Grund für die Kurzarbeit ist laut Zangerle ein Engpass bei der Versorgung mit Halbleitern. „Das ist ein Problem, das aber nicht nur Opel betrifft“, sagt der Betriebsratsvorsitzende.
Große Investitionen, die bald auf dem Gelände erfolgen sollen, werfen ihre Schatten voraus. Löffler sieht bei den anstehenden Verhandlungen die IG Metall in der Pflicht. „Wir sind da in Sachen Arbeitsbedingungen, Tarifverträge, aber auch mögliche Wechsel von Opel zu ACC gefordert. Das muss alles geregelt sein.“ Zangerle ist positiv gestimmt. „Angesichts der Höhe der Fördersumme, die Bund und Land beisteuern, ist aus meiner Sicht der Flächentarifvertrag Grundvoraussetzung.“
Opel baut ab 2028 keine Verbrenner mehr
Dass in nicht allzu ferner Zukunft Arbeitnehmer, die heute noch bei Opel Motoren bauen, in die Batteriezellfertigung wechseln, sei keinesfalls abwegig. „Opel will ja ab 2028 keine Verbrenner mehr bauen“, sagt Zangerle. Die hoch qualifizierten Fachkräfte im Motorenbau könnten bei der Fertigung von Batteriezellen gefragt sein. Aber: Das liege alles noch einige Jahre entfernt. Dennoch sei die Ansiedlung der Batteriezellen-Fertigung für die Region und den Industriestandort Kaiserslautern positiv: „Es bedeutet mehr Beschäftigung“, sagt Zangerle. Mehr noch: Der Opel-Betriebsratschef sieht darin sogar „eine Trendwende“, sei es doch in den vergangenen Jahren immer nur um Arbeitsplatz-Abbau gegangen. Bernd Löffler ruft die Schließung des Zulieferers GKN ins Gedächtnis, die rund 300 Menschen den Arbeitsplatz kostete. Zwar wisse er von vielen, die mittlerweile untergekommen sind, etwa in der Logistik-Branche. „Es gibt aber auch viele, die auf eine Chance warten, wieder in der Branche zu arbeiten.“ Eine Chance, die die Batteriezellen-Fertigung in absehbarer Zeit bieten könnte.