Kaiserslautern
„Nuit de la Chanson“ im Kulturzentrum Kammgarn
Die funkelnde Songwriterin, Sängerin und Komponistin Justine Jérémie revitalisierte, mit dem Akkordeon in den Händen, das Chanson zu einem Powerpack voller Poesie, die bei ihrem feinsinnigen Charme so einfach daherkam. Und doch von so kulinarischer Wärme, von diesseitiger Ursprünglichkeit und unbekümmerter Frische war, dass sie ihr Publikum spontan begeisterte. Es war schwierig, gegenüber dieser Stimme unempfindlich zu bleiben.
Songs wie „La fenêtre“, „Chocolat“ oder „Alban“ (über ihren kleinen putzmunteren Sohn, der ihr im Club nicht von der Seite wich) schienen vor den Augen und Ohren des wie gebannt zuhörenden Publikums wie ein früher Truffot-Film, allerdings in zartes Pastell getaucht, abzulaufen. Dabei grinste sie verschmitzt, und ihre Augen funkelten wie Blitze. „La fenêtre“ bezieht sich auf einen Brief ihrer Mutter, in dem sie ihrer Tochter rät, eine selbstständige, selbstbewusste Frau zu werden. Das nahm Justine wörtlich: Sie zeigte sich als Künstlerin, die der eigenen Kunst verpflichtet und nichts und niemand sonst Rechenschaft schuldig ist. Mit dem virtuosen Akkordeonspiel zusammen schwebten ihre Chansons daher wie bunte, flinke Schmetterlinge über die Bühne.
Voller Stolz erzählte sie im RHEINPFALZ-Gespräch am Rande des Konzertes, dass sie seit Neuestem einen Plattenvertrag in der Tasche hat. Das Album mit dem Titel „Distraite“ soll am 3. März nächsten Jahres auf den Markt kommen und enthält ausschließlich eigene Kompositionen. Seit sie 15 Jahre alt ist, ist sie mit ihrem Akkordeon durch die Pariser Cafés gezogen und hat dabei schon ihr Publikum begeistert. Als Teilzeitkraft habe sie nebenbei im Service gearbeitet. Entdeckt habe sie vor zwei Jahren ein Produzent, der ihr den Plattenvertrag angeboten habe. Der Auftritt in der Kammgarn sei ihr zweiter Auslandsauftritt überhaupt. Da kann man der jungen Chansonnette nur viel Erfolg wünschen. Das Publikum jedenfalls wollte die Künstlerin mit langem Applaus gar nicht mehr von der Bühne lassen.
Eine Stimme wie schweres Parfüm
Die Stimme von Pauline Ngoc hingegen war wie schweres Parfüm. Bei Songs wie „Johnny Guitar“, „Histoire d’un amour“ von Louis Mariano oder „What a feeling/Danse ta vie“ von Sylvie Vartan besaß ihre Stimme eine prachtvoll timbrierte, dunkle, vibrierende Farbe. Dabei schlüpfte sie förmlich in ihre Chansons, gab alles und ihre Kraft war immens. Dass sie auch rockig und poppig zu begeistern weiß, zeigte sie in Songs wie „Moulin de mon Coeur“ (Michel Le Grand) oder „Wonderful World“ von Sam Cooke/Jeanne Avril. Viel Beifall auch für die Gastgeberin der Chanson-Nacht.
Ein exzentrisches Feuerwerk zwischen Jazz und einfühlsamem Chanson brannte die Band ab. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern bewegte sich der Leader und Pianist Martin Preiser nicht nur auf höchstem musikalischem Niveau, sondern er war auch detailverliebt und mitreißend gefühlvoll und schuf eine Atmosphäre, die die auch mal überdeutlich dem Fusion-Jazz der 70er Jahre verbunden war. Und in den Klaviersoli kamen wie in dem eingangs eröffnenden „Spain“ von Chick Corea kultivierter Anschlag, durchdachte Linien und immenser Spielwitz zusammen. Gerade das Corea-Stück zeigte sich vielschichtig, es fanden viele Tempo- und Groove-Wechsel innerhalb von wenigen Takten statt.
Phantasie trifft auf Technik
Als emotionaler Gitarrist zeigt sich dabei Preisers Sohn Jonas Maurer. Er verstand es dynamisch zu differenzieren, abschattieren und zu färben und bestach mit improvisatorischer Phantasie und technischer Versiertheit. Als Virtuose an den Knöpfen und Tasten zeigte sich auch wieder Vincenzo Carduccio. Ob leichte Musettewalzer, spritzige Tangos oder gefühlvolle Romanzen – der Akkordeonist faszinierte stets durch sein musikalisches Einfühlungsvermögen. Mit verschachtelten Grooves trieben der Bassist Wolfgang Janischowsi und der Schlagzeuger Rainer Dettling die Musik gehörig voran.
Unverzichtbar darüber hinaus war Ina Bartenschlager als charmante Moderatorin, deren Texte über Komponisten Poesie sind wie die Chansons selbst. Minutenlanger begeisterter Applaus.