Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „No Music in K-Town“: Energie entlädt sich in drei Etappen

Die drei Bands trieben die Stimmung Schritt für Schritt zum Siedepunkt.
Die drei Bands trieben die Stimmung Schritt für Schritt zum Siedepunkt.

Wenn Konzertabende Weltraumraketen wären, dann wäre am Freitag im Cotton Club der Kammgarn eine Art dreistufige Saturn-V-Mondrakete abgehoben. Der Treibstoff für die dortige „No Music in K-Town“-Ausgabe war äußerlich knallharter, aber in sich kunstvoll entwickelter Heavy Metal in unterschiedlichen Ausprägungen.

Die erste Stufe des langen Abends im rappelvollen Cotton Club zündeten die – unter anderem – dem Post-Hardcore nahestehenden Mannen von All of Mine aus dem Saarland. Abgedunkelt und leicht depressiv hinter der dicht gesetzten Soundwand, erschuf das Quintett eine emotional aufgeladene Klang- und Rhythmuswelt, die sich auch in den Texten der Titel widerspiegelte. Die ständige innere Spannung zwischen Energie und Emotion wirkte sich bald auf die Stimmung im Club aus, lockerte die Atmosphäre, ließ – um noch einmal im Bild zu bleiben – alle im Saal weiter abheben. Erste Tänzer bewegten sich vor der Bühne im Rhythmus, Hände wurden in die Luft gereckt.

Blitzlichtgewitter und Donnersound

Nach erfreulich kurzer Umbaupause ging’s noch ein bisschen härter weiter, als das pfälzische Quartett Slaughterra mit der zweiten Stufe des Konzerts loslegte. Die erfahrene Band, die pointierten Metalcore mit eher positivistischen deutschen Texten präsentiert, gab von Anfang an alles. Unter gleißendem Blitzlichtgewitter bauten die Jungs einen Donnersound auf, dem sich das vorher schon aufgekratzte Publikum jetzt erst recht nicht mehr entziehen konnte. Rasch wurde die Atmosphäre noch dichter, wurden die Tanzbewegungen im Publikum noch intensiver. Einen guten Anteil daran hatte der Sänger Julian Eberhardt, der unablässig mit extrasonorer, energiereicher Grabesstimme agierte. Beeindruckend.

Vokaleruptionen und scharfe Gitarren

Und es ging tatsächlich noch ein wenig härter, schneller, deftiger. Den letzten Part des Dreifach-Konzerts gestaltete nämlich die pfälzisch-saarländische Kooperation All Lies Died. Der im Keller des Kammgarn-Gebäudekomplexes gelegene Cotton Club ist zwar an sich recht stabil, aber beim Auftritt des zweiten Quintetts an diesem Abend vibrierten schon mal buchstäblich die Wände. Kein Wunder: Im großen stilistischen Gebiet irgendwo zwischen bewährtem Metalcore und etwas zurückgenommenem Death Metal entlud insbesondere Sänger Mathias Rudolph, genannt „Matze“, mit heftig-harten Vokaleruptionen wirkungsvolle Energien. Zusammen mit den unterstützenden scharfen Gitarren von Max Weber und Marcel Lambert, einem beständig treibenden Bass (Christian Heyer) und nicht zuletzt einem auch komplexeste Partien locker meisternden Schlagzeug (Alex Fett) entstand eine extrem massive und mitreißende Einheit, die den Saal weiter in Richtung Siedepunkt trieb.

Bereicherung durch einen besonderen Gast

Der wurde erreicht, als All Lies Died zu fortgeschrittener Stunde mit einem prominenten Special Guest aufwartete. Kein Geringerer als der Sänger, Radiomoderator, Hörbuchsprecher, „Der Metalkeller“-Podcastbetreiber und ehemalige RHEINPFALZ-Mitarbeiter Daniel „Otti“ Ott kam auf die Bühne – und setzte dem Konzertabend noch ein Sahnehäubchen auf. Der Divinus-Mitbegründer präsentierte erst einen alten Song seiner Band, nämlich „You Poison The Air We Breathe“ aus dem Jahr 2006, sauber intoniert von All Lies Died, und erwies danach umgekehrt der einladenden Band die Reverenz, indem er deren Song „Echoes From The Deep“ mitinterpretierte. Und höre da: Er kann’s noch. Sowohl das eigene powermetallige Material als auch die Komposition der befreundeten Gruppe gewannen durch Otts Einsatz noch mal an Stärke und Kontur. Klar war danach noch eine ordentliche Zugabe drin.

Das Ziel war erreicht: Zwar nicht der Mond, aber für Fans der Genres ein gelungener lauter und explosiver Abend in immer stärker werdender Abfolge mit der abschließenden Erkenntnis, immerhin einen soliden Trip in einen guten Ausschnitt der aktuellen Rockwelt erlebt zu haben. Ein gemeinsames Merkmal, das auffiel, war eine sich in abgrundtiefen Tonbereichen bewegende gutturale Stimmakrobatik der Frontmänner der drei Bands.

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