Wir sind Familie RHEINPFALZ Plus Artikel Nils-Projekt der Bau AG: Dörfliches Miteinander in der Innenstadt

Einblick in den Innenhof der Nils-Gebäude im Goetheviertel. Das Foto ist im Mai 2022 entstanden.
Einblick in den Innenhof der Nils-Gebäude im Goetheviertel. Das Foto ist im Mai 2022 entstanden.

„Es war eine sehr gute Entscheidung.“ Seit Sommer 2021 leben Tim und Lisa Lessmeister mit ihren Töchtern im Nils-Projekt der Bau AG im Goetheviertel. Und fühlen sich dort pudelwohl. Die Wohnungen sind begehrt, die Wartelisten lang. Denn für eine harmonische Hausgemeinschaft muss die Mieter-Mischung stimmen.

Als sie vom Land in die Stadt ziehen wollte, bewarb sich die vierköpfige Familie bei der Bau AG um eine Wohnung. Und bekam recht schnell ein Angebot. „In Corona-Zeiten haben wir uns die Wohnung erst mal per Video angeguckt“, erinnert sich Lessmeister. Was sie sahen, gefiel ihnen: „Hier ist alles sehr gut durchgeplant. Und dass die Anlage barrierefrei ist, ist auch praktisch für Kinderwagen oder Fahrräder.“ Das erste Nils-Projekt zwischen Goethe- und Hohlestraße sei zwar ein großer Komplex, aber jeder grüße den anderen, um die beiden Mädchen, die in die Kita gehen, werde sich „mütter-, beziehungsweise großmütterlich“ gekümmert. Die junge Familie hat auch Kindergeburtstag im Hof gefeiert – natürlich nach Absprache mit den Nachbarn. Es gebe ein „dörfliches Miteinander“, schildert Tim Lessmeister.

Genau dieses Leben wie auf dem Dorf will die Bau AG in den Nils-Projekten bieten. Gabriele Gehm, Leiterin des Sozialmanagements bei der Bau AG, schildert die Idee hinter Nils - Wohnen im Quartier: „Früher lebten mehrere Generationen zusammen. Das gibt es heute nicht mehr so oft. Und Nils spiegelt genau dieses Prinzip wider. Mehrere Generationen leben unter einem Dach, Jung kann von Alt, Alt von Jung lernen.“ Diese Win-win-Situation führe beispielsweise dazu, dass eine Ersatzoma gefunden werde. Und im Goetheviertel bietet eine Erzieherin im Ruhestand Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder an.

Pflegerische und soziale Angebote

Die Nils-Projekte orientieren sich am Bielefelder Modell. Ziel dessen ist, in Zusammenarbeit zwischen einem Wohnungsunternehmen und einem oder mehreren ambulanten Diensten Strukturen zur Unterstützung von Menschen mit und ohne Hilfe- und Pflegebedürftigkeit zu schaffen, die einen Verbleib in der häuslichen Umgebung ohne Einbuße der Selbstständigkeit ermöglichen. In Kaiserslautern habe man sich bewusst entschieden, das Projekt nicht nur für Senioren auszurichten. „Die Älteren sagen mir oft: Mit Kindern ist endlich wieder Leben in der Bude“, schildert Gehm. Und Einsamkeit, die gebe es nicht nur bei alten, sondern auch bei jungen Menschen – besonders, wenn sie beeinträchtigt sind. Für alle Bewohner gibt es pflegerische, hauswirtschaftliche und soziale Hilfs- und Betreuungsangebote, Kooperationspartner sind das Ökumenische Gemeinschaftswerk Pfalz im Goetheviertel und Curamed im Grübentälchen.

Die Bau AG hat bislang in zwei Quartieren in Kaiserslautern Neubauten für Nils-Projekte errichtet: zuerst im Goetheviertel, wo 43 Wohnungen entstanden, dann in der Friedenstraße im Grübentälchen mit 56 Einheiten. Beim ersten Projekt habe man vorsichtig nur mit vier Vier-Zimmer-Wohnungen geplant, sagt Gehm. Da die Nachfrage sehr groß war, habe man in der Friedenstraße öffentlich geförderte Wohnungen für Familien mit niedrigem Einkommen im Angebot.

„Die Mischung in den Gebäuden soll stimmen“

Und wie kommt nun eine Familie zu einer der sehr begehrten 100-Quadratmeter-Wohnungen? „Man muss sich zunächst wohnungssuchend bei der Bau AG melden, dann mit dem Sozialmanagement Kontakt aufnehmen“, schildert Gabriele Gehm. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft verhehlt auch nicht, dass die Wartelisten sehr lang sind. Ausgewählt werden die Mieter nicht nur nach sozialen Gesichtspunkten: „Die Mischung soll stimmen“, erläutert die Leiterin des Sozialmanagements, wie versucht wird, eine harmonische Hausgemeinschaft aufzubauen.

Es gibt viel zu wenig Wohnungen für junge Familien, die in der Stadt wohnen bleiben wollen. Wer eine der großen Wohnungen in den Nils-Projekten bekommt, kann sich über eine gute Ausstattung freuen. Dazu gehören beispielsweise ein Bad mit zwei Waschbecken und Wanne sowie eine Gästetoilette mit Dusche, damit es auch mit größeren Kindern morgens keinen „Stau“ beim Fertigmachen gibt.

Nur träumen kann mancher Wohnungssuchende von den Mietpreisen, die die Bau AG verlangt: Bei Nils im Goetheviertel liegt der Quadratmeterpreis bei 6,20 Euro, im Grübentälchen zwischen 5,95 und 6,50 Euro. Ziel der Bau AG ist es, in allen Stadtquartieren Nils-Projekte zu schaffen – allein es fehlt an Grundstücken.

Außenanlagen mit großzügigen Spielplätzen

Zur Beliebtheit der Quartiers-Wohneinheiten tragen auch die Außenanlagen bei mit ihren großzügigen Spielplätzen, die mit Trampolin, Klettersteinen et cetera ausgestattet sind. Von den Neubauten profitiere das ganze Quartier, ist Gabriele Gehm überzeugt. Zum Beispiel, weil im Grübentälchen in der „Guud Stubb“, dem zentralen Treffpunkt für alle, auch Nachhilfe angeboten wird. All das führe dazu, dass die Fluktuation in den Wohnanlagen sehr gering sei.

Im Grübentälchen haben unter anderem zwei alleinerziehende Mütter, die schwer körperbehindert sind, ein neues Zuhause gefunden. Der Kooperationspartner für ambulante Pflege ermöglicht ihnen eine Teilhabe am „normalen“ Leben.

„Es braucht einen Kümmerer“

Als besonders wichtig für die Nils-Projekte sieht Gehm das Quartiersmanagement an: „Es braucht einen Kümmerer.“ Karin Früauf im Grübentälchen und Monika Jochum im Goetheviertel organisieren nicht nur die Aktivitäten, sie knüpfen auch Verbindungen, wissen, wo Hilfe gebraucht wird – und wer vielleicht Freude daran hat, diese Hilfe zu leisten. So ist beispielsweise erstmals im Sommer ein Ferienprogramm für die jungen Bewohner angeboten worden, das im Herbst wiederholt wurde. Das Quartiersmanagement werde zwar nur für drei Jahre öffentlich gefördert, doch die Bau AG finanziere dann komplett selbst, verdeutlich die Sozialmanagerin die Bedeutung der Stellen.

„Nils ist ein tolles Projekt“, schwärmt sie, das sich zudem den Menschen anpasse: Das Wohnen im Quartier sehe im Goetheviertel ganz anders aus als im Grübentälchen. Der Gewinn sei kein finanzieller, sondern ein sozialer. Wobei sich der Nutzen durchaus auch finanziell bemerkbar machen kann – beispielsweise, wenn Senioren durch die praktische Hilfe vor Ort viel länger in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben können und nicht ins teurere Heim müssen.

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