Kaiserslautern „Nicht nur eine Bläsergruppe“

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Reichenbach. Konzert, Ausstellung, Schnupperstunde, Blasmusiktag und Festkommers: Der Musikverein (MV) Reichenbach feiert 2017 sein 60-jähriges Bestehen, und zwar über das ganze Jahr verteilt. Im Gespräch mit Redakteurin Pola Schlipf berichten die Vorsitzende Angelika Lißmann und der Dirigent Robert Hemm von vergangenen Höhepunkten in der Vereinsgeschichte und geplanten Feierstunden.

Frau Lißmann, Herr Hemm, 60 Jahre ist der MV Reichenbach alt. Was tun Sie, um ihn dennoch für jungen Menschen attraktiv zu halten? Lißmann:

Wir versuchen, durch eine Mischung aus traditioneller und moderner Musik attraktiv zu bleiben. Wir sind für alle Richtungen offen, sind nicht nur stur eine Bläsergruppe, sondern haben auch drei Bands in unserem Verein. Außerdem versuchen wir, junge Leute durch Werbung aufmerksam zu machen. Wie sieht diese Werbung aus? Lißmann: Vor zwei Jahren konnten im Maximilian-Kolbe-Haus, das unser Probenraum ist, alle Leute, die interessiert daran waren, Instrumente austesten. Zu Beginn hat die Blaskapelle gespielt und während des Spiels sind die einzelnen Register vorgestellt worden. Dieses Jahr werden wir das auch wieder anbieten, und zwar am Kulturwochenende von Reichenbach-Steegen, das im Raiffeisengebäude am 17. und 18. Juni stattfindet. Hemm: Davor werden wir auch Grundschulen und Kindergärten informieren. Aber auch Erwachsene dürfen Instrumente ausprobieren, oder? Lißmann: Ja, natürlich. Wer noch mit 99 Jahren Tenorhorn lernen will, darf das gerne machen. Wir helfen ihm dabei. Wer sich danach für eine Mitgliedschaft im Verein entscheidet, bekommt der am Anfang das Instrument von Ihnen gestellt? Lißmann: Der Musikverein selbst hat keine Leihinstrumente. Aber wir verweisen immer auf die Kreismusikschule Kaiserslautern. Dort kann man sich Instrumente ausleihen und Schüler können dort auch Unterricht nehmen. Hemm: Diese Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule läuft schon seit Jahren. Und wenn es genügend Schüler in Reichenbach gibt, gibt der Lehrer auch hier vor Ort im Maximilian-Kolbe-Haus Stunden. Sie, Herr Hemm, sind schon seit 1963 Mitglied im MV und seit 1977 Dirigent, feiern also in diesem Jahr selbst eine Art Jubiläum. Was sind aus Ihrer Sicht die Marksteine der Reichenbacher Kapellen? Hemm: Das sind ganz eindeutig die großen Konzertreisen, die wir gemacht haben. Wir waren dreimal in Amerika, wir waren in Schweden, England und Frankreich. In Amerika sind wir viel herumgekommen und haben hauptsächlich in deutsch-amerikanischen Clubs gespielt. Das heißt, Sie sind mit Instrumenten gereist und dort dann auch aufgetreten? Hemm: Ja, genau. In Las Vegas wurde eines unserer Konzerte sogar live im deutschen Radiosender übertragen. Lißmann: Was auch noch groß in der Vergangenheit war: Wir hatten alle fünf Jahre eine viertägiges Musikfest, für das ein 1000-Mann-Zelt aufgestellt wurde und bei dem das ganze Dorf mitgeholfen hat – vom Aufbau übers Kuchenbacken bis zum Abbau. Das war schon gut. Hemm: Das erste Fest war 1962, das zweite dann 1967 zum zehnjährigen Vereinsbestehen. Da war Ernst Mosch in Reichenbach-Steegen. Wann wurden die Feste eingestellt und warum? Hemm: 2007 war das letzte in dieser Größenordnung. Lißmann: Das war jedesmal ein richtiger Kraftakt. Man kann das heute nicht mehr leisten. Hemm: Auch finanziell nicht. Lißmann: Ja, alles ist so teuer geworden. Heute verteilen wir unsere Aktivitäten über das ganze Jahr. Womit wir beim Programm für 2017 wären. Wie sieht das konkret aus? Lißmann: Wir starten mit dem Konzert der Hauptkapelle am 2. April. Die Besonderheit dabei ist, dass zwei unserer Jungmusiker, Lukas Müller und Melanie Kreutz, dabei auch zwei Stücke dirigieren werden. Sie haben vor nicht allzu langer Zeit nämlich ihre Dirigentenprüfung abgelegt. Die anderen Stücke dirigiert Robert Hemm, der ja unser Hofdirigent ist. Dann haben wir noch Jan Epp, der auch aus unseren Reihen ist, Musik studiert hat... Hemm: ... und jetzt auch für die Jugendarbeit zuständig ist. Wenn nicht Sie am Pult stehen, spielen Sie dann mit, Herr Hemm? Hemm: Ja, ich spiele Trompete und unterstütze dann die Kapelle. Wie geht es mit dem Festprogramm weiter? Lißmann: Wir haben ja drei Bands, richtige Starkstrommusiker sozusagen, die haben ihr Konzert am Freitag, 5. Mai. An Christi Himmelfahrt, am 25. Mai, gibt es dann Vatertagstreiben an der Alten Mühle mit Musik und Stimmung und richtig gutem Essen. Hemm: Das wird immer gut angenommen. Lißmann: Der Samstagabend des Kulturwochenendes am 18. und 19. Juni ist dann ganz auf den Musikverein zugeschnitten. Da gibt es eine kleine Geschichte des Vereins und eine Ausstellung, bei der Filme der Musikfeste, Fotos und alte Kassen- und Schriftführerbücher gezeigt werden. Die sind etwas ganz Besonderes, weil sie alle in wunderschöner Schrift geschrieben worden sind, wie gemalt. Das sind richtige Schätze. Die Gemeinde schenkt uns zu unserem Geburtstag dann noch einen Auftritt der Vanecek-Brüder. Zur Siegerehrung des Integrationslaufs des VfB am Sonntag spielt unsere Band „High Voltage“. Nach einer Sommerpause geht es dann im Herbst noch weiter, nicht wahr? Lißmann: Ja, am Samstag, 28. Oktober, feiern wir unser Oktoberfest in der Alten Mühle und am Sonntag, 29. Oktober, ist der Tag der Blasmusik. Da kommen Musikvereine aus der ganzen Region. Den Abschluss des Festjahres bildet der Festkommers am 18. November im Maximilian-Kolbe-Haus, zu dem auch die örtlichen Vereine eingeladen sind sowie unser Patenverein aus Kottweiler. Was bedeutet Patenverein? Lißmann: Die waren bei der Gründung des Musikvereins Reichenbach behilflich, haben uns Instrumente geliehen und für ausreichend Notenmaterial gesorgt. Sie haben uns unterstützt, damit bei uns alles ins Laufen kommt. Termin —Mit einem Konzert am Sonntag, 2. April, um 17 Uhr im Maximilian-Kolbe-Haus startet der Musikverein Reichenbach ins Festjahr. „Musikalische Reise durch unsere Vereinsgeschichte“ lautet der Titel des Programms. Alle Musikstücke passen zu verschiedenen Stationen der 60-jährigen der Musikkapelle. — Konzertbesucher, die 2017 wie der MV Reichenbach 60 Jahre alt werden, erhalten am Eingang bei Vorlage des Personalausweises und einer gültigen Eintrittskarte eine kleine Überraschung. —Karten für 7 Euro gibt es ab sofort bei allen Musikern oder bei Angelika Lißmann unter der Telefonnummer 06385/5083 sowie beim Post- und Schreibwarengeschäft Henrich in Reichenbach-Steegen. Die Platzwahl ist frei. |ipf

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