Kaiserslautern Newcomer und alte Hasen

Zwei Bands, zwei Jahrzehnte dazwischen und ein mächtiger Sound: Das erlebten die Lauterer Konzertgänger am Samstag im Irish House. Die junge Formation Tentacle Attack attackierte im wahrsten Sinne die Gehörgänge, und die Kult-Rocker von Headcrash zeigten, dass sie auch nach 23 Jahren Musizierens nichts an Kraft und Virtuosität eingebüßt haben.
Eine junge und eine erfahrene Band teilten sich an diesem Abend die Bühne, das musikalische Niveau der jungen Gruppe Tentacle Attack machte den Altersunterschied aber wieder wett. „Heartless“ war so ein Song, der mit viel Wucht über die Anlage bretterte und das noch etwas verhaltene Publikum langsam aber sicher aus der Reserve lockte. Sänger Falk Leidemer holte in jeder Passage alles aus seinen Stimmbändern heraus, während die Kollegen an den Instrumenten einige deftige Rhythmen ablieferten. Grandios auch das Deichkind-Cover „Krawall und Remmi Demmi“ zum Schluss, bei dem die Transformation vom Elektro/Hip-Hop-Sound zur Hardcore-Hymne bestens geglückt ist. Damit besiegelten die jungen Musiker ihr vorerst letztes Konzert in diesem Jahr auf heimischem Boden. Noch lange nicht ihr letztes Konzert legten die Headliner des Abends auf die Bühne, auch wenn ihre öffentlichen Auftritte Seltenheitswert haben. Headcrash, eine pfälzisch-amerikanische Crossover-Band, die nicht nur in der deutschen Szene Kultstatus genießt, hat in den frühen 1990er Jahren in Pirmasens das Licht der Welt erblickt. Auftritte bei Rock am Ring, Rock im Park und Charterfolge in Europa und den USA haben die Musiker in ihrer langen Karriere zu verbuchen. 1999 dann die vorzeitige Auflösung, bis es 2002 in neuer Besetzung und mit neuem Sound auf einige exklusive Konzerte ging. Kaiserslautern ist quasi die zweite Heimat der Formation. Die US-Sänger Shane Cooper und Allen Wright haben eine Zeit lang in der Barbarossastadt gelebt, wovon der Song „Peas in a Pod“ ausführlich erzählt. Bis heute kehren beide immer wieder gerne zurück – nicht zuletzt um hier ein zünftiges Ständchen mit den Kollegen zu geben. „Ständchen“ trifft es jedoch nicht ganz, was die Besucher an diesem Abend am eigenen Leib zu spüren bekamen. Ab 22.30 Uhr brachten die Crossover-Rocker das Irish House zum Beben. Vier brandneue Tracks aus dem noch unveröffentlichten Album gab es auf die Ohren, darunter die Single „Human“. Und spätestens bei der war klar, dass Allen Wright und Shane Cooper auch nach 14 Jahren Funkstille ein perfekt aufeinander abgestimmtes Duo ergeben. 2013 teilten sich die beiden Stimm-Orkane seit Wrights Ausstieg 1999 zum ersten Mal wieder die Bühne. Die Fans waren überglücklich, die Band fand stetig zu ihrer alten Form zurück. Nur passend ist da der Titel ihrer aktuellen Tour „Re-Ignition“, zu deutsch „Rückzündung“, also das Wiederaufflammen eines Brandes. Und genau so wirkte die Wiedervereinigung auf der Bühne. Unter den harten Riffs von Gründungsmitglied Herwig Meyszner traf der aggressive Rap- und Shout-Gesang mit seinen messerscharfen Reimen immer ins Schwarze. Zeit zum Verschnaufen blieb kaum, denn das Repertoire raste in vollem Tempo über alte Klassiker und neuere Meisterwerke hinweg. Die Band, musikalisch um keinen Tag gealtert, bewies einmal mehr, dass ihre Mischung von Hip-Hop, Metal und Industrial heute genauso gut funktioniert wie damals.