Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Gesichter beim Kunst-Aktionstag

An der Staffelei: die Hochspeyerin Karin Maria Haase öffnet ihr Atelier im Wasgasserhof.
An der Staffelei: die Hochspeyerin Karin Maria Haase öffnet ihr Atelier im Wasgasserhof.

Im alljährlichen Kulturkalender steht der Monat September für Offene Ateliers des rheinland-pfälzischen Berufsverbands bildender Künstler. Dafür halten sich an den beiden kommenden Wochenenden 17 bildende Künstler im Raum Kaiserslautern bereit. Darunter Karin Maria Haase und Katharina Hamp, die ihr Debüt in den neu etablierten Stadtateliers des Lauterer Wadgasserhofs geben. Ein Besuch vorab.

Tatsächlich bedeuten die beiden „Offenen Ateliers“ im Wadgasserhof eine Duplizität erstmaliger Ereignisse. Seit April dieses Jahres „bewohnt“ im Rahmen des städtischen Pilotprojekts Kunst ein Kreativen-Quartett den Westflügel des ersten Stockwerks. Zwei von ihnen - Karin Maria Haase (Malerei) und Katharina Hamp (Mixed-Media-Rauminstallation) - erreichten durch die Juroren des Berufsverbands bildender Künstler (BBK) die Teilnahmeberechtigung am bevorstehenden Aktionstag.

Abschied vom Chaos

Sie fühlen sich super. Mittlerweile stand Chaos-Beseitigung an: zwischen Bildern an den Wänden und Staffeleien, Pinseln und Tuben in Trögen auf Tischen, Leinwänden und Pappe in Regalen. Die Raumteilung im Wadgasserhof wirkt wie bei Kajüten. Durch gegenüber liegende Fenster flutet mildes Lichtgemenge, umspielt die Malerin Haase mittendrin.

Diese scheint versunken ins Erspüren, Denken und Tun. Kaum, dass bislang Passanten störten im Hin und Her zu den Nachbarkajüten. „Ich bin gern hier“, schwärmt Haase. Hier könne sie aus ihrem Alltag aussteigen, könne ihren eigenen kreativen Impulsen ebenso nachgeben wie sich von Künstlerkolleginnen und Kunstinteressierten inspirieren lassen.

Traditionen hinterfragen

Ihre bevorzugte Arbeitsweise sind themenbezogene Serien. Der Rundblick beweist: Aktuell entstehen Motive mit Insekten sowie Madonnen in Tempera und Gouache. Beide Anliegen gehen auf ihre Kindheit zurück: „In der Arbeit beschäftigt mich auch das Hinterfragen, wie wir mit den Traditionen und Kreaturen umgehen.“

Etwa mit Marienverehrung, von der Großmutter vermittelt. Oder eher mit augenzwinkernd göttlicher Leichtigkeit? Während die bildende Kunst der Mittfünfzigerin unkonventionelles Sehen einräumt, bedeutet der Brotberuf als Betriebswirtin eher Pflicht und Präzision. Zwischen diesen Polen entdeckte sie Stoff fürs geliebte Schreiben, sprachlich wie kaligrafisch. Dafür sammelt sie gebrauchte Stempel, deren Vokabular sie in lyrische Verse umwandelt.

Mystische Kunst aus dem Archiv
Kollegin Katharina Hamp zog nach der Übernahme des Ateliers im einstigen Gehöft zumindest für ihre Lichtinstallation aus der Kajüte um ins Gewölbe des Kellers. Dort gewöhnt sich das Sehen zunächst langsam an blau, weiß und rot leuchtende Lichtquellen zwischen gläsernen Apparaturen, die alles zusätzlich verspiegeln und mystifizieren.

„Ich mag den Rückzug von allem, liebe abschottende Atmosphären, gewollte Isolation, mystische Unschärfe und geheimnisvolle Düsternis für meine Kunst“, sagt Hamp. Ihre introvertierte Neigung entdeckte im ungenutzten Keller eine ungeahnte Magie alchimistischen Denkens und Schaffens, das bis tief in nebulöse Szenarien reicht. Das Zubehör findet die 27-Jährige im Archiv des Stadtmuseums. Darunter jahrhundertealte Pflanzen, pharmazeutische Geräte, Bienenwachs für Kerzenlicht. Auch heilkundliches Wissen lässt sie sich vermitteln.

Kreislauf der Botanik

Katharina Hamp sagt: „Es ist dieser botanische Kreislauf vom Tages- bis hin zum Feuerlicht einerseits, konserviert in archivierten Dingen und transportiert durch altes Wissen andererseits.“

Kurz gesagt: Hamp macht Archivmaterialien durch Illumination emotional erlebbar. Die gebürtige Lautringerin lebt und arbeitet in Darmstadt, hatte hier Waldorfschule und Rittersberg-Gymnasium besucht, Freie Kunst und Klangkunst in Saarbrücken studiert. Für die Künstlerin ist dies alles ein „weites Feld experimenteller Künste“.

Lichtbildnerin Katharina Hamp im Keller des einstigen Gehöfts.
Lichtbildnerin Katharina Hamp im Keller des einstigen Gehöfts.
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