Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Bilderausstellung im Kunst-Raum Westpfalz

Für interpretationsfreudige Betrachter und schwelgerische Rezensenten sind die Bilder des Lauterer Künstlers Danil Yordanow ein
Für interpretationsfreudige Betrachter und schwelgerische Rezensenten sind die Bilder des Lauterer Künstlers Danil Yordanow ein Fest.

Sein Herkunftsland ist Bulgarien, sein Traumberuf war und ist die bildende Kunst. Seit dem Wochenende stellt Danil Yordanow in den Räumlichkeiten des Lauterer Vereins „Kunst-Raum Westpfalz“ seine Arbeiten aus. Sie sind eine Entdeckung.

Yordanow hat in Veliko Turnovo studiert, eine fünfjährige Professorenassistenz an der Universität Varna schloss sich an. 2010 wanderte er nach Deutschland aus. Seitdem lebt er als Künstler in Kaiserslautern. Die Schau „a/chromatic“ des Kunst-Raums Westpfalz ist eine Kunstentdeckung. Den Bulgaren fasziniert der Minimalismus.

So kam er zur Linie − oder die Linie zu ihm. Ebenso kam er zur Monochromie der Farbe Schwarz − oder es lief auch hier umgekehrt. Wie auch immer: Seine erste Linienarbeit entstand im Jahr 2006. Nun hängt sie mit einem guten Dutzend weiterer Bilder im Kunst-Raum in der Pirmasenser Straße und fasziniert die Betrachter.

Brechung

Feinste Linien, parallel verdichtet im Millimeterbereich, mit horizontalen, vertikalen bis diagonalen Verläufen, jeweils zu Bildflächen vereint. Auffallend hell und offen ihre changierenden Grautöne im Vergleich zu Arbeiten, die tiefes undurchdringliches Schwarz zeigen.

Diese Spannung der Kontraste lässt sich auf verschiedenen Ebenen aus den Bildern lesen. Da wäre etwa die minimalistische Idee. Sie bevorzugt Ausgeglichenheit, betont Anonymität, vermeidet Symbolik und Emotion. Stattdessen thematisiert der minimale Stil die Materialität der Werke, die schlichte Machart mit geometrischer Zeichensprache sowie die Lesart einer radikal puristischen Ästhetik.

Durchstich

Das achromatische Farbschema einer Graustufenpalette spannt den Bogen in Helligkeitsabstufungen bis hinein in den reliefartigen Ansatz plastischer Ebenen. Das erreicht Danil Yordanov mit Papier und Leinwand als Bildträger und Graphitstaub als Farbgeber.

Seine Werkzeuge sind Messer, mit deren Spitze er feinste Schnitte ins Papier ritzt, in die der undurchsichtige, jedoch durchlässige Staub zusammen mit dem Bindemittel wie etwa Lack den Farb- und Formaspekt bewirkt. Andererseits sind es Handflächen, mit denen der 50-Jährige beispielsweise Stoffe „bemalt“. Das Rätsel jener runden oder rechteckigen Löcher in den Arbeiten erklärt der Künstler damit, dass es ihm um ein „Durchstoßen“ der bereits durchs Ritzen entstandene dritten Ebene ankommt.

Minimalisierung

Im übertragenen Sinn erinnert er so an unsichtbare Verletzbarkeiten. Ebenso an jene innere Architektur der Dinge, die das imaginäre Begreifen ermöglicht. Yordanov betitelt seine Motive nur mit archivarischem Nummerieren und offenbart so, wie sehr Anonymität ebenfalls zur Methodik des minimalisierten Gestaltungsguts zählt.

Es bedarf ein wenig mehr Zeit als das „konsumierende“ Umherschweifen, um der achromatischen Malerei des Künstlers Yordanov auf die Spur zu kommen. Wem puristisch konkretes Wahrnehmen als ausgewogen emotionsfreie Lesart liegt, der findet bei diesem Künstler des Linearen die geniale Bildsprache.

Info

Die Ausstellung „a/chromatic“ mit Arbeiten von Danil Yordanov ist in der Pirmasenser Straße 6 noch bis 4. November jeweils samstags von 11 bis 13 Uhr zu sehen.

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