Donnersbergkreis
Neu am Westpfalz-Klinikum: Expertin mit Leidenschaft für Hände
Wenn Caroline Dereskewitz zu erzählen anfängt, ist ihr nicht anzumerken, dass sie schon über zwei Jahrzehnte Berufserfahrung auf dem Buckel hat. Wenn sie beschreibt, dass ein Zeh zum Daumen gemacht, dieser also durch Transplantation ersetzt werden kann und irgendwann auch genauso funktioniert, dass Fingerstümpfe durch Verpflanzung anderer Fingerglieder verlängert werden können, dann steht ihr die Begeisterung ins Gesicht geschrieben. Von dieser Erfahrung und von dieser Freude am Beruf profitiert nun das Westpfalz-Klinikum. Seit Oktober gehört die Handchirurgin als Leitende Ärztin zum Team der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie am Standort Kaiserslautern.
Zuvor war Dereskewitz 20 Jahre lang am BG Klinikum Hamburg, einer berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik, tätig gewesen, für eine Handchirurgin eine der besten Adressen. Dort konnte sie von Dieter Buck-Gramcko lernen, der als einer der Gründer der Handchirurgie innerhalb der plastischen, rekonstruktiven und ästhetischen Chirurgie galt. Indem es dem Westpfalz-Klinikum gelang, sie nach Kaiserslautern zu holen, soll nun ein neuer Schwerpunkt gesetzt werden – zu Unfallchirurgie und Orthopädie kommt die Handchirurgie.
„Ein glückliches Ende“
Angesichts dessen, dass so gut wie keine Handchirurgen auf dem Markt zu haben seien, „war es eine lange Suche, die ein glückliches Ende gefunden hat“, wie es der Chefarzt der Klinik, Alexander Hofmann, beschreibt. Die Nachfrage nach spezialisierten handchirurgischen Leistungen in der Region sei hoch, jetzt könne das Westpfalz-Klinikum diese anbieten und damit auch die BG Unfallklinik in Ludwigshafen entlasten. Unabhängig davon ist das Westpfalz-Klinikum eines der beiden überregionalen Traumazentren in Rheinland-Pfalz, das zweite ist die Universitätsmedizin Mainz. Diese Zentren sind für die Versorgung schwerverletzter Menschen rund um die Uhr zertifiziert.
Ein Handchirurg muss Hofmann zufolge ein echter Allrounder sein – Mikro-, Neuro-, Gefäß- und Unfallchirurg in einem. Hinzu kämen plastisch-chirurgische Verfahren, um Haut und Weichteile nach Verletzungen wiederherzustellen. Verletzungen, wie sie zum Beispiel trotz Arbeitsschutz im Beruf, noch mehr aber im privaten Bereich vorkommen. Gerade jetzt laufe ja „die Holzspalter-Saison“, sagt Dereskewitz mit Blick auf so manche Verletzung durch eine Säge, die sie in den vergangenen Tagen im Schockraum behandeln musste. Oder Brandverletzungen während der Grillsaison im Sommer. Nach der Erstversorgung sei es wichtig über all das nachzudenken, was anschließend erforderlich sei – rekonstruieren, Nerven transplantieren, Weichteile wieder decken, indem freies Gewebe aus dem Arm oder Oberschenkel verpflanzt werde.
„Werde hier gebraucht“
Für Caroline Dereskewitz ist es ein schönes Gefühl, gebraucht zu werden. Das sei ihr in der Westpfalz von Anfang an vermittelt worden. Hier habe sie außerdem die Chance, ein hochspezialisiertes und verzahntes interdisziplinäres Team aufzubauen, von dem die Patienten „wirklich profitieren“ könnten. Unter anderem, indem das Spektrum für ältere Menschen erweitert werde. Auch bei der Hand sei heute vieles in Sachen Prothetik möglich, für die Alexander Hofmann ein Spezialist sei und bei der sie ihr zusätzliches Fachwissen einbringen könne.
Während die Medizinerin davon erzählt, dreht sie ein winziges künstliches Fingermittelgelenk auf ihrer Handfläche: „Das sieht fast niedlich aus.“ Gerade in der Handchirurgie gebe es „wahnsinnig viele Entwicklungen“, bei denen man am Ball bleiben und sich weiterbilden müsse. Wer sich ausschließlich auf Althergebrachtes stütze, werde den Patienten in Einzelsituationen nicht gerecht.
Wichtiges Kontaktorgan
Die Faszination der Hände beschreibt Caroline Dereskewitz so: „Hände sind unglaublich sensibel und dabei unser drittes Auge. Wir tasten, wir fühlen, wir nehmen mit ihnen unsere Umgebung wahr, sie sind ein sehr wichtiges Kontaktorgan.“ Dieses zu erhalten und wenn möglich wieder in Form zu bringen, bereite ihr große Freude, auch wenn es natürlich nie eine Erfolgsgarantie geben könne. Wie wichtig die Hände sind, habe sie auch mal den Kostenträgern bei der Berufsgenossenschaft spielerisch nahegebracht: Während einer wissenschaftlichen Konferenz mussten sie den ganzen Tag über Schienen und Pflaster tragen, „und am Ende war es keine Frage mehr“.
Schutzhandschuhe, die nicht zu groß sein dürfen, empfiehlt Dereskewitz jedem, der gerade mit einer Säge arbeitet. Doch natürlich gibt es auch Erkrankungen jenseits von Unfällen. Wie Arthrose. Wenn man ihr vorbeugen will, sei Bewegung das A und O, „nicht aufgeben, nachfassen, immer weitermachen“. Gerade bei der Handchirurgie sei die Eigenverantwortung des Patienten gefragt. Schmerztabletten sind aus ihrer Sicht keine Alternative, solange es andere Möglichkeiten gibt, darunter viele natürliche Verfahren.
Mittelfristig Sprechstunde
Insofern hat es sich die Handchirurgin auch zum Ziel gesetzt, erste Anlaufstelle für Patienten zu sein, die Probleme am Handgelenk, an der Hand oder mit Nervenschäden haben, die sich auf die Hand auswirken. Daneben kann sie sich mittelfristig eine Sprechstunde für offene Wunden und störende Narben vorstellen.