Kaiserslautern Nebelschwaden, Jubelstürme

Am Freitag wurde die Kammgarn zum (Un-)Zuchthaus umfunktioniert, denn Der Schulz, De Clercq, Blaschke und Fuhrmann von der Band Unzucht sind mit neuem Machwerk „Venus Luzifer“ auf einer üppigen Headlinertour durch ihre Lieblingsclubs in ganz Europa. Der Cotton Club war dabei die zweite Station auf der Reise und erlebte die Musiker in Hochform.
Mit den Herren von Death Valley High haben sich die „Unzüchtigen“ eine kraftstrotzende Unterstützung ins Boot geholt. Das Quartett aus San Francisco bestach mit deftigen Rhythmen und durchgängig provokanten Texten wie in „How To Kill“, das Publikum hielt sich jedoch beim Applaus noch zurück. Nach dem halbstündigen Vorprogramm und der Umbaupause gewährte das Bühnenbild tiefe Einblicke in die düstere und blutrünstige Welt der abendlichen Hauptakteure: So fanden sich blutverschmierte Laken rund ums Schlagzeug drapiert. Aber nicht nur das. Für ihren dritten Langspieler haben sich die finsteren Gesellen aus Hannover scheinbar aller Genregrenzen entledigt. Stattdessen wurden Ausflüge in den Metal, Industrial und Gothic gewagt und mit einer Spur Elektronik zu einer bunten und spannenden Klang-Kollage fusioniert. Das Wagnis hat sich gelohnt und zeigte die Band nicht selten von einer eher unerwarteten Seite. Die Musiker stampften direkt mit dem Opener der neuen CD „Wir sind das Feuer“ auf die Bühne, umgeben von dichten Nebelschwaden und frenetischen Jubelstürmen. Doch entgegen anfänglicher Vermutung gab es hier kein akustisches Feuerwerk auf die Ohren. Der Song startete mit elektronischen Klängen, wurde mit dumpfem Schlagwerk in Gang gesetzt und flaute dann in erstaunlich ruhige Gefilde ab. Sänger Daniel Schulz ließ seine kantige Stimme in rohen Emotionen schwelgen und traf damit genau in die Seele der Fans, die fast schon andächtig vor der Bühne hin-und her wippten. Eine Unzucht-typische Nummer kam mit „Seelenblind“: Die musikalische Härte wie beim Vorgänger eher dezent gehalten, wurde hier der Fokus auf Eingängigkeit gelegt. Dagegen stand die Singleauskopplung „Unendlich“ ganz im Zeichen des Metal, preschte brachial los, hielt kurzzeitig inne, um in ruhigen melodischen Passagen nach Atem zu ringen, und gab dann für das große Finale noch einmal kräftig Gas. Frontmann Daniel Schulz ließ während des Aufs und Abs den Kontakt zum Publikum nie abbrechen. Zwischendurch leistete er sich aber doch einen kleinen, vom Publikum schnell verziehenen Fauxpas: Er verwechselte Kaiserslautern doch tatsächlich mit Karlsruhe. Die geographische Verwirrung mit einem breiten Grinsen aus der Welt geschafft, gossen Titel wie „Inferno“ und „Liebe“ ohne jegliche Verschnaufpause weiter Öl ins Feuer. Und das loderte über den gesamten Raum hinweg: Die hochgerissenen Hände wollten gar nicht mehr runter, und De Clercq animierte mit seinen harten Riffs während der Band-Hymne „Unzucht“ die Zuschauer dazu, mit lauten „Hey“-Rufen die perfekte Atmosphäre für einen beherzten Stagedive von Schulz zu schaffen. Nach diesem kleinen Höhepunkt und weiteren zündenden Krachern wie „Neugeboren“ und „Ewigkeit“ beendeten die Musiker mit „Engel der Vernichtung“ ihr eineinhalbstündiges Set und ließen sich von der Menge gebührend feiern.