Kaiserslautern Naturnah, amerikanisch, sportlich

Auf „Klasse statt Masse“ setzt Andrea Spannowsky von der Tourist-Information der Verbandsgemeinde (VG) Landstuhl. Sie meint damit sowohl die touristische Arbeit in der Sickingenstadt und Umgebung als auch die Besucher. „Massentourismus werden wir nicht anbieten“, sagt sie. Dafür seien auch die Gegebenheiten gar nicht vorhanden. Aber die „Points of Interest“, also Ziele, die von Ausflüglern und Urlaubern angesteuert werden, möchte sie mit ihrem Team qualitativ optimieren. Wanderwege sollen etwa so gut wie möglich beschildert und markiert werden. Ein weiteres Anliegen der Touristikerin ist es, die vorhandenen Angebote sinnvoll miteinander zu verknüpfen, „zum Beispiel die Mountainbikestrecke mit Wellness oder die Burg mit sonstigen kulturellen Angeboten“. Sprich, ein Fahrradfahrer, der sich in dem im Herbst nach Landstuhl erweiterten Mountainbikepark Pfälzerwald ausgetobt hat, soll wissen, dass er anschließend ins Cubo in die Sauna gehen könnte oder ein Besucher des Nansteins sollte auch auf das Programm der Stadthalle aufmerksam gemacht werden. Auf die Amerikaner in der Region richtet ihre Kollegin Astrid Kleemann, bei der Stadt Ramstein-Miesenbach für Tourismus zuständig, den Fokus. Ihnen – und natürlich auch allen anderen Bürgern – möchte sie mit ihrem Team „aufzeigen, was es direkt vor der Haustür gibt“. Das seien zum einen die Museen, allen voran das Docu Center; zum anderen das Freizeitbad Azur, das bei den amerikanischen Gästen besonders beliebt sei. Damit die Informationen über diese Ziele auch tatsächlich bei den Amerikanern ankommen, gibt die VG Ramstein-Miesenbach jährlich einen englischsprachigen Veranstaltungskalender heraus. Die eigene Internetseite in englischer Sprache werde zudem gerade erneuert und soll dieser Tage freigeschaltet werden. Den Wald als Erlebnisraum stellt Stephan Marx vom in Trippstadt ansässigen Büro für Touristik der VG Kaiserslautern-Süd ins Zentrum. Im Tourismuskonzept der Gebietskörperschaft, die zu einem Großteil von Wald bedeckt wird, ist – anders als bei den übrigen im „Marktplatz regional“-Gebiet – nachhaltiges Handeln explizit festgeschrieben. „Wir versuchen, Ökologie, Wirtschaft und Soziales zu vereinen“, sagt Marx und macht das am Beispiel Mountainbikepark Pfälzerwald deutlich. Er ziehe Gäste an, die dann wiederum in der Region in Hotels, Gaststätten und Geschäften für Umsatz sorgten, also die Wirtschaft stärkten. Bei der Anlage des Parks seien auch Naturschützer zurate gezogen worden. So sei darauf geachtet worden, dass die Besucher auf bestimmte Wege abseits sensibler Bereiche gelenkt würden und der ökologische Aspekt nicht zu kurz komme. Nicht zuletzt profitiere auch die heimische Bevölkerung von solchen Freizeitangeboten, was für die soziale Struktur gut sei. Der Mountainbikepark eignet sich zudem, um ein weiteres Prinzip, das die Touristiker der Region verfolgen, beispielhaft darzustellen: die Vernetzung über Grenzen hinweg. Denn im Herbst vergangenen Jahres entstand auf dem Gebiet der VG Landstuhl als Erweiterung des bestehenden Parks ebenfalls eine Mountainbikestrecke. Die Vermarktung erfolgt übergreifend und auch die Beschilderung ist einheitlich. Diesen Aspekt des gemeinsamen Handelns betont auch Volker Halfmann von der VG Weilerbach. Wandern und Radfahren sind für ihn die touristischen Standbeine, und zwar nicht nur rund um Weilerbach. So sei der Lückenschluss des Radwegenetzes Richtung Kusel ganz wichtig gewesen. Und auch bei den Wanderwegen Teufelstour oder Pfälzer-Musikanten-Weg – der übrigens noch in diesem Jahr zertifiziert werden soll – orientiert sich die Streckenführung nicht an Gemarkungsgrenzen. „Der Gast schaut sich die Region an, nicht einzelne Kommunen“, ist Halfmann überzeugt. Daher arbeite er mit seinem Team zum einen mit benachbarten Landkreisen und Verbandsgemeinden zusammen, zum anderen gehört die VG Weilerbach dem Tourismus- und Heilbäderverband Rheinland-Pfalz und dem Verein Pfalz.Touristik an. „Außerdem sind gerade Überlegungen im Gange, ob wir uns einer weiteren regionalen Tourismusagentur anschließen“, sagt Halfmann. Während die VGs Kaiserslautern-Süd und Landstuhl ebenfalls Mitglieder in Werbegemeinschaften sind – unter anderem im Zentrum Pfälzerwald Touristik – wird laut Astrid Kleemann in Ramstein-Miesenbach derzeit im Stadtrat darüber diskutiert, welche Vorteile ein Beitritt in eine solche Gemeinschaft bringen würde. Dass die Mitglieder davon profitieren können, davon sind in der Umgebung und im Land viele überzeugt. „Die Vernetzung ist eine Entwicklung, die wir auch auf Landesebene feststellen“, sagt etwa Andrea Spannowsky. Ende Januar hat der Landtag in Mainz beschlossen, eine Enquete-Kommission zum Thema „Wirtschafts- und Standortfaktor Tourismus in Rheinland-Pfalz“ einzusetzen. Abgeordnete und Experten sollen darin gemeinsam Vorschläge erarbeiten, wie der Tourismus im Land vorangebracht werden kann. |ipf