Steinwenden / Nepal RHEINPFALZ Plus Artikel „Namaste Himalaya“: Dokumentarfilm mit Regisseur aus der Westpfalz

„Wir sind dankbar, der Pfalz eine Premiere schenken zu können“, sagen die Filmemacher, die ihren Film in Ramstein vorführen werd
»Wir sind dankbar, der Pfalz eine Premiere schenken zu können«, sagen die Filmemacher, die ihren Film in Ramstein vorführen werden.

Corona beherrscht die Welt, derweil zeigt ein kleines Dorf am Fuße des Himalaya, was wirklich wichtig ist. Hautnah erlebenMichael Moritz aus Steinwenden und seine Freundin Anna Baranowski dort den Stillstand. Ihre Erlebnisse haben sie in einemDokumentarfilm festgehalten, der am 11. August in die Kinos kommt. Eine Kinotour führt die beiden auch in die Westpfalz.

Die Welt bereisen mit nichts im Gepäck: Für den 33-jährigen Michael Moritz aus Steinwenden ist das Realität geworden – eine schöne Realität. Ohne Flugzeug hat er es bis nach Nepal geschafft. Zu diesem Zeitpunkt ist die Pfalz für den studierten Wirtschaftswissenschaftler mit Schwerpunkt Tourismus – er war Dozent an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken – ganz weit weg. Sein altes Leben irgendwie auch. So soll es bleiben. Der Weltenbummler hat Pläne.

Seine Freundin, die Künstlerin und Filmemacherin Anna Baranowski (39), will ihn für eine Weile durch Pakistan und Indien begleiten. Die Visa liegen bereits in der Tasche. „Immer auf der Suche nach was Neuem“, fasst Moritz den Antrieb zusammen, der ihn unterwegs sein lässt. Bis schließlich ein Virus die Welt verändert und der Lockdown kommt. Es ist Frühjahr 2020 – und die beiden sitzen fest. In Nepal.

Erst mal sorgenvolle Ablehnung

„So ganz hatten wir die Situation nicht erfasst, wir hatten keine Rundum-Nachrichten“, sagen die beiden im RHEINPFALZ-Gespräch. Sie hatten sich bewusst gegen das Ausfliegenlassen entschieden und begannen, ohne es zunächst zu ahnen, eine ganz andere Reise, eine Reise ins Innere.

„Die Angst war schon da, wir haben uns tatsächlich erst mal verkrochen“, blickt Anna Baranowski, die aus Leipzig kommt, auf die Anfänge einer fünf Monate anhaltenden Zeit des Stillstands zurück. Eine Zeit, die sie prägen sollte, die sie die Liebe und tiefe Hingabe der Nepalesen erleben lässt. Anfangs aber noch nicht. Zunächst schlägt ihnen sorgenvolle Ablehnung entgegen. Für die Nepalesen sind sie die Menschen, die das tödliche Virus bringen. Touristen halt.

Ein besonderer Schlüsselmoment

„Es war wie ein Schlüsselmoment, als wir auf unserem Weg, den wir gehen mussten, um einzukaufen, laut mit ,Namaste Corona’ begrüßt wurden“, berichten Moritz und Baranowski rückblickend. Sie fühlen sich schlagartig verunsichert, durch und durch fremd. „Namaste“ ist normalerweise ein sehr freundlicher Gruß. Er bedeutet so viel wie: „Ich verbeuge mich vor Dir.“

Am Tisch mit ihren nepalesischen Freunden: Die Filmemacher Michael Moritz und Anna Baranowski haben 2020 in Nepal den Alltag der
Am Tisch mit ihren nepalesischen Freunden: Die Filmemacher Michael Moritz und Anna Baranowski haben 2020 in Nepal den Alltag der dortigen Bevölkerung kennengelernt.

Die beiden verhalten sich ruhig, werden irgendwann zum Tee gebeten. „Plötzlich hatten wir Namen“, erzählen sie. Ein Gänsehautmoment für das Paar, das nach langsamem Herantasten nun doch dazugehören soll.

Teil einer Schicksalsgemeinschaft

Hunger und Existenznöte durchziehen derweil das ohnehin schon arme Land, das zum einen Corona, zum anderen Naturgewalten wie Monsune, Erdbeben und Erdrutsche über sich ergehen lassen muss. Auf der Straße sterben Menschen, aber die Fremden, Anna und Michael, erfahren dennoch Hingabe und tiefe Liebe, werden Teil der Schicksalsgemeinschaft. Sie bangen mit den Nepalesen, bauen mit ihnen Reis an, sitzen gemeinsam am Tisch, um mit den Händen zu essen.

Es ist diese Seite der Nepalesen, die Michael Moritz und Anna Baranowski weitertragen wollen. Die Hingabe, das zutiefst menschliche Geben – genau das war letztlich ihr Ansporn, das Erlebte in einem Dokumentarfilm zusammenzufassen. Der Film trägt den Titel „Namaste Himalaya“.

Der Wunsch nach Ruhe

Bildmaterial hatten sie dafür genug gesammelt, und auch die Köpfe waren voller Eindrücke, die sich selbst nach der Rückkehr ins ferne Deutschland nicht abschwächten. Sie waren auch der Auslöser, um sich als neues Zuhause für einen Ort mit nicht mehr als 80 Einwohnern in Thüringen zu entscheiden. Dort hat sich das Paar, mittlerweile mit einer kleinen Tochter, ihrem „Strahlemensch“, wie sie sagen, niedergelassen.

Steinwenden, die Heimat von Michael Moritz, ist natürlich auch ein Dorf. Aber dort hat den beiden definitiv die Ruhe, die sie am Fuße des Himalaya mit geprägt hat, gefehlt. Das heißt natürlich nicht, dass sie die Pfalz nicht mehr besuchen werden, immerhin lebt die Familie ja hier.

In Thüringen hatten die beiden die Zeit gefunden, all das Material, das sie aus Nepal mitgebracht hatten, zu sichten, zu sortieren und zu verarbeiten. „Für mich war die Zeit auch ein wenig panisch, weil freischaffend aber keine Einkünfte“, sagt Michael Moritz ehrlicherweise. Ein Dokumentarfilm lasse sich nicht aus dem Ärmel schütteln. Es war Anna, die ihn zu beruhigen wusste. Sie behielt recht. Das Paar gründete eine eigene Produktionsfirma, und der Verleih mindjazz pictures kam auf sie zu.

Ein Buch gibt es auch

Anna Baranowski, die zuvor bereits als Kamerafrau und Editorin an Dokumentarfilmen für Kino und TV (Arte, ZDF, 3sat) mitgewirkt hat, gibt mit dem langen Dokumentarfilm – nach acht experimentellen Kurzfilmen – ihr Debüt als Regisseurin. Mit ihr führt Michael Moritz Regie, der zudem das Buch zum Film geschrieben hat. Dieses ist gerade im Malik-Verlag erschienen.

Kinotermine und Lesezeichen

  • Am 11. August kommt der gut 90-minütige Dokumentarfilm „Namaste Himalaya – Wie ein Dorf in Nepal uns die Welt öffnete“ in die Kinos. Nähere Infos dazu gibt es hier. Zuvor wird er am 6. August, 21.30 Uhr, im Innenhof des Filmhauses in Saarbrücken und am 9. August, 20 Uhr, im Broadway-Kino in Ramstein-Miesenbach gezeigt, jeweils in Anwesenheit der Filmemacher. Eine solche Vorführung gibt es außerdem am 12. August, 18 Uhr, im Odeon in Mannheim.
  • Michael Moritz: „Namaste Corona!: Wie ein Dorf in Nepal mir die Welt öffnete“, Malik, 256 Seiten; 18 Euro.

Zum Film: Eine Lektion über den tieferen Sinn des Reisens

Dokumentarfilme über das Reisen sind seit einigen Jahren überaus beliebt, vor allem, wenn Menschen im Mittelpunkt sethen, mit denen sich das Publikum identifizieren kann. „Namaste Himalaya“ nun erzählt vor allem von einem Wandel. Aus eher sorglosen Weltenbummlern wird ein engagierets Paar, das mit seinen Gastgebern auf Augenhöhe lebt.

Michael Moritz hetzt zunächst wie einst Phileas Fogg in Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“ nach Asien. An spektakulären Orten besucht ihn die Filmemacherin Anna Baranowski. Sie hat sich in ihn verliebt, als sie seine Fahrradtour zum Nordkap mit der Kamera festhielt. Danach ging es mit der Transsib an den Baikalsee, in die Mongolei, nach China. Die Filmbilder aus dieser Zeit wirken noch wie touristische Momentaufnahmen, und immer wieder sind die beiden im Bild statt die Menschen vor Ort.

Corona ändert alles. Das Paar strandet am Fuße eines Achttausenders in Nepal. Über fünf Monate hinweg werden die beiden zu einem Teil der Dorfgemeinschaft und gewinnen profunde Einblicke in das Denken und den Alltag der Menschen, die oftmals gerade genug zum Überleben haben.

Wie bereits Jules Verne wusste, sieht der hastig durch die Welt eilende Reisende nichts und bleibt in seinem eigenen inneren Kosmos gefangen. Erst bei der Rettung einer indischen Prinzessin lässt sich Fogg auf Land und Leute ein.

Hier also ist es ein Virus, das zum Glücksfall für den Selbstfindungstrip wird. Das dokumentarische Roadmovie wird zu einer Meditation über den Sinn und die Muse des Reisens als Erkenntnisgewinn. Durch die erzwungene Ruhe entdecken die beiden den wahren Zauber der Natur, erhalten Einsichten die ihnen sonst verborgen geblieben wären, und kehren verändert zurück.

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