Kaiserslautern
Nacht des Handwerks gut besucht
Auf dem Parkplatz um das Zentrum im südlichen Stadtwald herrscht buntes Treiben. Die Frühlingssonne hat die Informationsstände am späten Nachmittag ins rechte Licht gesetzt. Das Berufsorientierungsmobil lässt Jugendliche ihre handwerkliche Fähigkeiten testen. Der Truck der Jungheizer macht Interessenten Geschmack auf die Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Zusammen mit zwei jungen Schornsteinfegermeistern ist Obermeister Andreas Magin angetreten, „junge Leute für einen der schönsten Berufe zu finden und zu binden“. Der Beruf des Schornsteinfegers habe sich gewandelt, sei gefragt und innovativ, werben die „Glücksbringer“ für ihr Handwerk. Livemusik und ein Biergarten tragen zur Leichtigkeit der Veranstaltung und zur guten Laune der Besucher bei.
Nur wenig Lehrlinge
Die Vielfalt handwerklicher Berufe erleben die Gäste in den Werkstätten des BTZ. Lebhaft geht es in der Ausbildungswerkstatt der Schreiner und Tischler zu. Eltern stehen um Werkbänke und schauen zu, wie der Nachwuchs sägt, schleift und Holz bearbeitet. Den letzten Schliff erhalten Teelichtständer und Flaschenuntersetzer. Um den Nachwuchs sei es schlecht bestellt, berichtet Ausbildungsmeister Christian Fischer. „Es gibt kaum geeignete Lehrlinge, die nachkommen. Von anfänglich 40 aus der gesamten Westpfalz gehen 27 nach drei Lehrjahren in die Prüfung.“ Dabei sei der Beruf des Schreiners so vielfältig.
Bei den Straßenbauern haben sich Jugendliche mit ihren Eltern um einen großen Sandkasten versammelt. Fasziniert schauen sie zu, wie Bagger, Lastkraftwagen und Raupen ferngesteuert Erdmassen bewegen: Schatzsuche mit Geocaching ist angesagt. „Würde es uns nicht geben, würde es mit der Bebauung von Wohngebieten schlecht aussehen“, meint Straßenbaumeister Stefan Braun. „Was den Nachwuchs von Straßenbauern angeht, können wir uns nicht beschweren.“
Auf Instagram aktiv
Nichts auf sein Handwerk kommen lässt Felix Schröder alias #gipserfelix, Gipser und Stuckateur mit über 26.000 Abonnenten auf Instagram. Im Interview mit Moderator Andreas Kunze spricht der 25-Jährige aus Bad Dürkheim auf der Bühne von einem „vielfältigen und erfüllten Beruf“, der ihn jede Woche woanders arbeiten lasse.
Auf dem Weg zum KFZ-Handwerk informiert Petra Kunz vom Backparadies Kissel in Reichenbach-Steegen über die Situation in ihrer Branche. Das Backen von Brotspezialitäten sei ihre Leidenschaft, verweist sie auf eine Auswahl im Verkaufswagen. Nicht zufrieden ist sie mit der Ausbildungssituation im Bäckerhandwerk. „Es fehlt an Fachkräften!“ Um Auszubildende zu gewinnen, müsste das Handwerk von der Politik noch besser unterstützt werden. „Warum nicht die Unterstützung, die Studierenden zugutekommt, auch Ausbildenden zukommen zu lassen?“ Nicht jeder Ausbildungsbetrieb könne Auszubildenden monatliche Fahrtkosten von 80 Euro ersetzen, plädiert sie für ein Jobticket. Weiter ist sie dafür, Veranstaltungen wie die „Nacht des Handwerks“ zu Pflichtveranstaltungen für Schulen zu machen.
Reparaturen ohne Zeitdruck
Gut frequentiert sind die Kfz-Werkstätten. In der Werkstatt der Fahrzeuglackierer können Auszubildende in der überbetrieblichen Ausbildung Reparaturen ohne Zeitdruck durchführen. So auch Virtual-Painting, eine digitale Technik, die mit einer virtuellen Lackierpistole auf spielerische Art Lerninhalte vermittelt. Auch wenn bei KFZ-Arbeiten 80 Prozent aus Schrauben besteht, spielten in der Ausbildung digitale Medien eine große Rolle, betont Ausbildungsmeister Michael Baumann.
Anna (15) und Magdalena (11), die mit ihrer Mutter aus Winnweiler angereist sind, hat die Nacht des Handwerks gut gefallen. Beide sind an einer handwerklichen Ausbildung interessiert. Für Anna steht jetzt schon fest: Nach dem Abitur strebt sie eine Ausbildung im Bäckerhandwerk an.
„Wir sind auf dem richtigen Weg und sehen erste Erfolge“, so Till Mischler, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, der die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt und Handwerkspräsident Dirk Fischer bei einem Rundgang über das Aktionsgelände begleitet. „Wir dürfen das Handwerk nicht nur schlecht reden“, macht er sich stark für eine bessere Anerkennung des Handwerks in der Gesellschaft. Für Schmitt ein Anlass, wiederholt die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung zu betonen. Sie verweist auf erste Erfolge in der Berufsorientierung für Schüler, insbesondere in Gymnasien. Fischer ist überzeugt, mit der Veranstaltung bei jungen Besuchern Interesse an einem Handwerksberuf geweckt zu haben.