Kaiserslautern
Nachruf: Trompeter Ack van Rooyen verstorben
„Ack war ein ganz sensibler, warmherziger Mensch“, sagt Kammgarn-Chef Richard Müller mit Betroffenheit in der Stimme, „und genauso hat er auch gespielt.“ Kaum ein anderer hat den niederländischen Jazzmusiker so gut gekannt wie Müller, denn in seinem Kulturzentrum ist Ack van Rooyen in den 1990er und 2000er Jahren oft aufgetreten. Meistens mit dem großartigen United Jazz & Rock Ensemble. Unvergesslich ist auch das Duo-Konzert mit Pianist Joerg Reiter im Jahr 2000. „Ack war ein wahrer Gentleman, ein reizender und in sich ruhender Musiker.“
Diese Eigenschaften kann David Punstein, in dessen Konzertreihe „Jazztime in K-Town“ der Niederländer im Jahr 2010 aufgetreten war, voll und ganz bestätigen. „Ack war ein Gentleman am Flügelhorn“, so der Multiinstrumentalist aus Schneckenhausen.
Mit seinem Instrument die Seele gestreichelt
Und auch Peter Hohensee von dem Label Mood Records ist voll des Lobes über van Rooyen. „Er war anscheinend mit sich selbst im Reinen und dementsprechend ging er auch mit seinen Mitmusikern um“, erzählt er mit Begeisterung. „Er war wahnsinnig humorvoll. Und mit seinem Flügelhorn hat er die Seele gestreichelt.“ Dabei sei er, im Gegensatz zu seinen Mitmusikern im United Jazz & Rock Ensemble, studierter Musiker gewesen.
Wie sein zwei Jahre älterer Bruder Jerry spielte auch der am 1. Januar 1930 in Den Haag geborene Ack van Rooyen Trompete und verfügte von Anfang an über ein bemerkenswertes Talent. Schon mit 16 Jahren spielte er zusammen mit seinem Bruder in Indonesien für die dort stationierten niederländischen Truppen. Zusammen lernten die Beiden dann drei Jahre später in New York den Bebop kennen und hatten das Feld gefunden, das sie bestellen wollten. Doch Ack absolvierte dann ein klassisches Trompetenstudium und so trennten sich die Wege der Brüder.
Als Jazz-Botschafter in Europa unterwegs
Der Appeal des Jazz war bei Ack dann aber doch stärker. Mit seinem warmen Ton und seiner unaufgeregten Phrasierung, mit der er – ähnlich wie Miles David oder Chet Baker jenseits des Atlantik – die Hektik und Sprunghaftigkeit des Bebop hinter sich ließ, entwickelte er rasch ein eigenes Profil als einer der Poeten des modernen Jazz. Ein Musiker mit einem zarten Strich, der auf dem Flügelhorn noch zarter zur Geltung kam.
Als ein Botschafter des orchestralen Jazz reiste Ack van Rooyen durch Europa, bevor er sich Anfang der 1960er Jahre in Berlin niederließ. 20 Jahre lang blieb Deutschland sein Revier. Nach sechs Jahren in der SFB Bigband, die er 1960 mitbegründet hatte, schloss er sich Erwin Lehns Orchester in Stuttgart an, spielte nebenher in Peter Herbolzheimers Rhythm Combination and Brass, die 1973 und 1974 in der Fruchthalle einen Riesenerfolg feierte. Im Jahr darauf gehörte er zu den Gründern des United Jazz & Rock Ensembles, jener umtriebigen, kollektiven All Star Band, die zu jenem Zeitpunkt die Sahne des Jazzgeschehens in Deutschland und Europa präsentierte und mit Hilfe des Labels Mood Records enorm erfolgreich war.
Bis ins hohe Alter, über seinen 90. Geburtstag hinaus, blieb Ack van Rooyen ein bescheidener Musiker, der in großen wie in kleinen Formationen mit seinem federleichten, swingenden und unaufgeregten Jazz ein strahlender Stern unter den Musikern war. Er hatte es nicht nötig, sich in den Vordergrund zu drängen, ob mit der Zurschaustellung seiner Virtuosität oder mit Orden und offiziellen Orden. Am 18. November nahm er seinen letzten Atemzug.