Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Nach vier Jahrzehnten: Wie das ASZ zu einer Institution in der Stadt wurde

Willi Schattner geht nach fast vier Jahrzehnten als Geschäftsführer des ASZ in den Ruhestand.
Willi Schattner geht nach fast vier Jahrzehnten als Geschäftsführer des ASZ in den Ruhestand.

Justiznahe Dienstleistungen, Beschäftigung und Qualifizierung, Sozialberatung und Stadtteilarbeit: Dafür und vieles mehr steht heute das Arbeits- und sozialpädagogische Zentrum (ASZ) in der Pfaffstraße 3. Vier Jahrzehnte nach der Gründung durch den Pfälzischen Verein für Soziale Rechtspflege hat Willi Schattner, Geschäftsführer des ASZ, dessen Leitung abgegeben.

Auch wenn Willi Schattner seit Dezember die Leitung des ASZ abgegeben hat, wird er im Pfälzischen Verein für Soziale Rechtspflege Kaiserslautern, dessen Mitbegründer er seinerzeit war, aktiv bleiben. Ein Rückblick: Am Anfang stand ab Juli 1984 ein damals auf zwei Jahre befristetes Projekt zur Tilgung uneinbringlicher Geldstrafen durch gemeinschaftliche Arbeit. Das Projekt lief gut. Die Justiz sei damals sehr zufrieden damit gewesen und habe das ASZ in der Folge auch finanziell unterstützt, erzählt Schattner. Als eines der Hauptstandbeine läuft es sogar heute noch. Täglich 15 bis 20 Erwachsene ab 21 Jahren sind dabei in Werkstätten oder im Reinigungsbereich beschäftigt, kümmern sich aber auch um die Pflege von Grünflächen.

Es folgten Maßnahmen mit dem Ziel, Jugendlichen mittels betreuter Arbeitsauflagen im ASZ wieder Regelmäßigkeit und Zuverlässigkeit beizubringen. Dabei blieben die jungen Leute nicht auf sich alleine gestellt. Bei Problemen standen ihnen zur Unterstützung jederzeit Ansprechpartner zur Verfügung.

Aus einem Projekt wird eine Dauereinrichtung

Relativ früh kam am Standort in der Carl-Euler-Straße ein Wertstoffhof als weitere Möglichkeit für soziale Beschäftigung dazu. Als das ASZ das dortige Gelände nicht mehr nutzen konnte, suchte der Verein im Umkreis von Kaiserslautern über längere Zeit nach einem dauerhaften Standort. Um die Jahrtausendwende war dann in der Pfaffstraße 3 der heutige Standort und damit die passende Alternative gefunden.

„Die Verkaufsverhandlungen mit dem Besitzer in Böblingen haben wir damals zu dritt ausgesprochen erfolgreich verhandelt“, erinnert sich Schattner. Ab da habe auch auf Dauer geplant werden können. So wurden nach Bedarf vorhandene Räumlichkeiten umgebaut, durch neue ergänzt und nacheinander Holzwerkstätten, eine Näh- und Flechtwerkstatt und auch eine Keramikwerkstatt eingerichtet. Der Wertstoffhof zog ebenfalls in die Pfaffstraße um.

Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose geschaffen

In Zusammenarbeit mit dem Jobcenter habe das ASZ dort nun Arbeitsgelegenheiten anbieten können. Mit ihrer Arbeit in den Werkstätten fanden Langzeitarbeitslose etwas, das sie schon lange nicht mehr gehabt hätten, erläutert Schattner. Durch geregelte Tagesstruktur, Zuverlässigkeit und soziale Kontakte erhielten die Menschen ihr Selbstwertgefühl zurück.

Mit der Übernahme des ursprünglich von der Stadt eingerichteten Stadtteilbüros in der Königstraße wurde dieses unter der Leitung von Marion Rübel bis heute zu einem Ausgangspunkt für vielfältige Angebote für die unmittelbare Nachbarschaft. Auch die Stadtteilwerkstatt habe sich mit der Zeit zum Treffpunkt für vielfältige Angebote entwickelt. Sie wurde über die Bundesförderung „Soziale Stadt“ von Langzeitarbeitslosen in 24 Monaten auf dem ASZ-Gelände aufgebaut. Vereine können die Räumlichkeiten für eigene Veranstaltungen mieten. Neben Trommelkursen und Yoga-Stunden werden die Räume auch für Angebote zur digitalen Hilfe und vor allem vom beliebten Repaircafé genutzt.

Auch im Asternweg aktiv

Durch die Betreuung von Geflüchteten aus dem Iran, die im Asternweg untergekommen waren, kümmerte sich das ASZ ab 2012 zunehmend auch um die anderen Bewohner der Schlichtwohnungen in dem Brennpunktviertel. Auch diese Herausforderung haben Schattner und seine Mannschaft Zug um Zug gemanagt, wie er berichtet. Heute kümmere sich das ASZ mit zwei Sozialarbeitern auf Halbtagsstellen um die Sozialberatung, die demnächst in den Neubau der Bau AG in der Mennonitenstraße umziehen wird.

Zuständig ist das ASZ inzwischen auch für die Belegung von Gemeinschaftsunterkünften in Kaiserslautern und vermittelt für einen bestimmten Personenkreis Wohnungen. Zufrieden stimmt den scheidenden Geschäftsführer eine „relative Ruhe“ in den Unterkünften und eine Nachbarschaft, die nicht nur am Asternweg funktioniere. „Das hat bestimmt mit unserer Arbeit zu tun“, kommentiert er schmunzelnd.

Aus Flüchtlingsunterkunft wird Tagungsstätte

Die Galappmühle, 2015 als Unterkunft für jugendliche Geflüchtete erworben, stand nach deren Volljährigkeit und Auszug 2017 leer. Was jetzt? Mit Fantasie und Schaffenskraft, dazu vielen Umbauten, konnte Mitte/Ende 2018 ein Anwesen mit Tagungs- und Seminarräumen sowie Übernachtungsräumen bezogen werden. Schattner hat sich vorgenommen, sich um dieses schöne Projekt auch nach seiner Zeit als hauptamtlicher ASZ-Geschäftsführer zu kümmern.

Viele zunächst befristete Projekte wurden mit der Zeit zu dauerhaften Angeboten. Als im Februar 2020 die Corona-Krise auch Kaiserslautern erreichte, mussten alle ASZ-Werkstätten geschlossen werden. Nach kurzem Nachdenken wurde die Arbeit auf das Nähen von Masken umgestellt. Die Nachfrage von Arztpraxen, Apotheken, Behörden und auch Privatleuten sei riesig gewesen, so Schattner. Dazu wurden zum Spuckschutz auch hunderte von Trennwänden gebaut und weitergegeben.

ASZ steht auch 2025 nicht still

Dass das ASZ sich über vier Jahrzehnte derart gut entwickelt hat, sei dem Team und den Kooperationspartnern aus Stadtverwaltung, Justiz und Jobcenter zu verdanken, die im entscheidenden Moment immer unterstützt haben, so Schattner. Im Dezember hat er die Geschäftsführung an seine Nachfolgerin Frauke Neugebauer übergeben. Seinen Schreibtisch im ASZ will er vorerst noch nicht freigeben, vielmehr einmal pro Woche vor Ort sein.

Zu den neuen Projekten, die das ASZ im neuen Jahr angehen möchte, gehört es, in den Räumen einen begleiteten Umgang von umgangsberechtigten Personen und Kindern zu ermöglichen. An die Einrichtung „Clearinghaus“ soll mit dem Projekt „Housing First“ außerdem ein Programm angegliedert werden, das obdachlose Menschen bei der Suche nach geeigneten Wohnraum unterstützt. Ziel des Projekts ist es, dass sich die Menschen dabei wieder an ein festes Dach über dem Kopf gewöhnen.

x