Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Personalabbau bei Pfaff: Stimmungswandel in fünf Monaten

Die Belegschaft sieht inzwischen optimistischer in die Zukunft. Die Umstrukturierung bei Pfaff zeigt laut Geschäftsführung sogar
Die Belegschaft sieht inzwischen optimistischer in die Zukunft. Die Umstrukturierung bei Pfaff zeigt laut Geschäftsführung sogar erste wirtschaftliche Effekte.

Nach dem Stellenabbau bei Pfaff im Herbst war die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Nun ist der Blick positiver, sagen Betriebsrat und Geschäftsführung – und erläutern, warum.

Gerade mal fünf Monate ist es her. Aber in dieser Zeit hat sich sehr viel getan bei Pfaff in Kaiserslautern. Im Oktober wurden 71 der damals 124 Mitarbeiter entlassen. Die Stimmung war auf dem Tiefpunkt. Und die von der Konzernführung angestoßene Umstrukturierung stieß in der Belegschaft auf große Skepsis.

Dies hat sich geändert. Die Niedergeschlagenheit und Zweifel sind Optimismus gewichen. Nicht nur erstaunlich schnell, wie der Geschäftsführer anerkennt, sondern auch mit Überzeugung.

Denn die Pfaffianer sind Kummer gewohnt. Während das 1862 gegründete Unternehmen zum Ende des 20. Jahrhunderts fast 10.000 Arbeitnehmer hatte, ging es seitdem immer weiter bergab. Die Nachfrage nach Nähmaschinen sank, die Konkurrenz vor allem aus Asien machte dem Lauterer Unternehmen das Leben schwer. Nach zwei Insolvenzen folgte 2013 der Verkauf der damaligen AG an die chinesische Shang Gong Gruppe und im Jahr darauf die Umwandlung in die heutige Pfaff Industriesysteme und Maschinen GmbH.

Als im September vergangenen Jahres die Entlassungen angekündigt wurde, sahen der Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall diese Entscheidung eher als Scheitern denn als Erfolg. Denn eine komplette Schließung des Standorts, den die Konzernführung in Shanghai im Frühjahr noch vorhatte, konnten sie immerhin abwenden.

Umstrukturierung statt kompletter Schließung

Die beschlossene Umstrukturierung sieht vor, dass die Fertigung von Nähmaschinen komplett geschlossen wird; fortgeführt wird „nur der Bereich Schweißmaschinen, Schweißanlagen und auch Nähanlagen“, wie Herbert Altschuck erläutert, der nach dem altersbedingten Ausscheiden von Richard Müller zum Jahresende nun auf den Posten des ersten Betriebsratsvorsitzenden aufgerückt ist. Schweißmaschinen und -anlagen werden für die Produktion in den Branchen Bekleidung, Wohnen, Automobil oder Medizin eingesetzt, erklärt er. Bei Schweiß- oder Nähanlagen läuft im Unterschied zur Maschine der Prozess automatisch ab, ohne dass ein Mensch ihn ausführt.

Entwicklung, Vertrieb und Verwaltung sollen am Standort Kaiserslautern wie bisher fortgeführt werden, lautet der Plan. „Die Hauptfertigung ist in Tschechien, Rumänien, auch China“, präzisiert Altschuck. Lediglich einige Spezialteile auf Kundenwunsch würden in Kaiserslautern montiert, aber „auch Katalogprodukte abseits der Massenproduktion“, wie Geschäftsführer Michael Kilian ergänzt.

Von dem beschlossenen Konzept zeigte sich der Betriebsrat im Herbst allerdings nicht überzeugt. „Wir haben große Skepsis, ob es trägt“, meinten Müller und Altschuck damals. Dies klingt inzwischen anders. „Ja, das hat sich gewandelt“, gibt Altschuck zu. Neue Wege seien erstmal immer mit Skepsis behaftet, fügt er erklärend an. „Wenn diese Umstrukturierung greift, kann etwas daraus erwachsen“, zeigt sich Altschuck nun optimistisch.

Selbst der Geschäftsführer staunt, wie schnell die Belegschaft umgedacht hat

„Es war ja von Schließung die Rede. Dass wir die abwenden konnten, hat uns beflügelt“, sagt er im Rückblick. Jetzt versuche man zusammen, den Betrieb nach vorne zu bringen. „Die Belegschaft ist bereit, die Komfortzone zu verlassen“, führt der Betriebsratschef an. Und erläutert: „Das heißt zum Beispiel, dass man ein ähnliches Betätigungsfeld des damaligen Kollegen übernimmt.“ Denn die Maßnahmen müssten umgesetzt werden, sei allen klar. „Wir sehen positiv in die Zukunft. Die Mannschaft ist bereit, daran habe ich keinen Zweifel“, lautet sein jetziges Resümee.

Und auch Geschäftsführer Kilian lobt die Belegschaft. Er sei „optimistisch und angetan davon, wie engagiert die Mitarbeiter sind. Und das motiviert mich wiederum“, freut er sich. Angesichts der Tatsache, dass „Dürkopp-Adler und Pfaff 150 Jahre lang Konkurrenten waren, sei es nicht so einfach, wenn die Konkurrenz einem jetzt sagt, wie’s geht“, erkennt er das Umdenken an, das „sehr schnell ging. Das hat mich beeindruckt!“

Kilian ist seit Februar Geschäftsführer von Pfaff – aber kein Unbekannter für die Lauterer. Er hatte schon von 1995 bis 1998 und von 2020 bis 2023 die Geschäftsführung in Kaiserslautern. Da er bereits die Leitung von Dürrkopp-Adler in Bielefeld hat – der Mutter von Pfaff, die wiederum zur Shang Gong Gruppe gehört –, hat er mit der Umstrukturierung Pfaff dazugenommen. „Die Kunden von Pfaff und Dürkopp-Adler sind dieselben; wir haben Synergien und die Kunden müssen nicht alles doppelt machen“, erklärt Kilian. Der bisherige Lauterer Geschäftsführer Frank Meyer, der auch die Dürkopp-Adler-Tochter KSL in Bensheim mitbetreute, ist nach der Trennung von Pfaff und KSL nun nur noch für KSL zuständig. Während Kilian meist in Bielefeld ist, ist die Co-Geschäftsführerin Jing Fan allein für Kaiserslautern tätig und damit hier stets vor Ort.

Positive Entwicklung in den ersten Monaten, aber Sorge wegen Entwicklungen in Nahost

Nach der „ersten Trauer und Zukunftsängsten in Kaiserslautern“, die laut Kilian ganz normal sind, sei in der Belegschaft sehr schnell erkannt worden, dass neue Technologien, die von Dürkopp-Adler übertragen wurden, „die Prozesse einfacher machen und damit weniger Zeit brauchen“. Die Mitarbeiter hätten nicht mehr als vorher zu tun, sondern erstmal eine Mehrbelastung durch eine Umgewöhnung, aber erkannt, dass diese Flexibilität nötig sei zum wirtschaftlichen Überleben.

Eine langfristige Prognose zum Standort Kaiserslautern hätte Kilian auch vor den jüngsten Entwicklungen in Nahost nicht gewagt, „aber wir sind dabei, uns zu stabilisieren, die Synergien greifen, die ersten beiden Monate waren positiv“. Angesichts des Nahost-Konflikts rechnet er jedoch mit steigenden Energiekosten, eventuellen Schwierigkeiten bei den Lieferketten und sinkendem Absatz wegen Inflation. „Und die Autobranche in Europa läuft ohnehin nicht gut.“

Positives kann Altschuck von der Auffanggesellschaft sagen, in die fast alle Entlassenen gewechselt seien. „Wir haben monatliche Treffen, bei denen zwei vom Betriebsrat und eine Person aus der Geschäftsleitung dabei ist.“ Es würden Schulungen angeboten, alles laufe sehr transparent, „rund 20 Prozent sind schon in neue Stellen vermittelt“, freut er sich. Die positive Stimmung sei bei einer kleinen Weihnachtsfeier, bei der auch Leute aus der Auffanggesellschaft waren, sichtbar gewesen. „Jeden, den ich gesprochen habe, fühlte sich gut aufgehoben“, war Altschucks Eindruck.

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