Weilerbach
Nach Leichenfunden sucht Polizei nach flüchtigem Tatverdächtigen
Ab der Mittagszeit war das stete Dröhnen eines Hubschraubers über Weilerbach zu hören, der über genau einer Stelle schwebte. Spätestens da war klar: Irgendetwas muss passiert sein. Zu diesem Zeitpunkt standen schon zwei schwerbewaffnete Polizisten an der Ampel in der Ortsmitte. Polizeiautos rauschten mit Blaulicht durch die Rummelstraße in Richtung Hirschhorn. Die Landesstraße in den Nachbarort war gesperrt. Und die Eltern von Grundschülern wussten bereits, dass die Schule ihre Sprösslinge nicht alleine nach Hause laufen lassen will. Türen von Kindertagesstätten waren abgeschlossen.
Die Polizei sprach zunächst nur von einem größeren Einsatz in Weilerbach, teilte dann aber mit, dass in einem Wohnhaus zwei Leichen gefunden wurden und die Fahndung nach einem Tatverdächtigen laufe. Wie in den nächsten Stunden klar wurde, hatte die Polizei am Dienstag die Leichen eines 65 Jahre alten Mannes und einer 60-jährigen Frau gefunden. Offenbar ein Paar, aber wohl nicht verheiratet, wie Michael Hummel, Sprecher des Polizeipräsidiums Westpfalz, mitteilte. Grund des Einsatzes war die Sorge um die Frau, die nicht auf ihrer Arbeitsstelle erschienen war, so die Polizei später. Dass die beiden erschossen wurden, wollte Hummel nicht bestätigen. Doch: „Das dementiere ich auch nicht.“
Der Sohn der toten Frau
Bei dem 38-Jährigen, nach dem mit großem Aufgebot gesucht wurde, handelt es sich offenbar um den Sohn der 60-Jährigen. Später veröffentlichte die Verbandsgemeindeverwaltung eine Personenbeschreibung.
Die Polizei warnte am Nachmittag: „Wenn Sie sich zurzeit in Weilerbach aufhalten, bleiben Sie bitte in einem Gebäude.“ Nach Angaben von Verbandsbürgermeisterin Anja Pfeiffer hat die Verbandsgemeinde Schulen, Kindertagesstätten und andere Einrichtungen informiert. Den Eltern sei erst einmal geraten worden, ihre Kinder nicht abzuholen. Man habe ja nicht gewusst, was genau los ist. Die Kita-Leitungen hätten die Eltern unterrichtet, sagte Ortsbürgermeister Horst Bonhagen. Später war das Polizeipräsidium mit einem Verbindungsbeamten in der Verbandsgemeindeverwaltung vertreten.
Im Ort schlug das Ganze derweil ordentlich Wellen, Gerüchte machten schnell die Runde. Von Kidnapping war ebenso die Rede wie davon, dass der Tatverdächtige schon nicht mehr leben soll, und davon, dass es einen Zusammenhang zu den Bränden am Vortag in Erzenhausen und Mackenbach gebe. Erinnerungen wurden wach an eine Bluttat vor ziemlich genau neun Jahren, als zwei Ärzte in ihrer Weilerbacher Praxis erschossen wurden. „Gänsehaut“ bekam bei den Gedanken wohl nicht nur Ortsbürgermeister Horst Bonhagen. Kein Wunder, dass die Polizei auf Twitter dazu aufforderte, keine Spekulationen und Gerüchte zu verbreiten: „Das ist absolut kontraproduktiv!“
„Für die Bürgerinnen und Bürger von Weilerbach besteht derzeit keine konkrete Gefahrenlage. Die Kinder können von den Eltern aus den Einrichtungen abgeholt werden“, teilte die Verbandsgemeinde kurz nach 17 Uhr mit. Gegen circa 18 Uhr wurde die Fahndung auf Rodenbach ausgeweitet: „Es gab einen Hinweis auf eine verdächtige Person“, sagte Polizeisprecher Hummel auf Anfrage. Etwas später am Abend war wieder der Hubschrauber zu hören, nachdem dies eine ganze Weile nicht der Fall gewesen war.
„Wir sind immer noch mit vielen Kräften vor Ort und arbeiten mit Hochdruck an der Suche nach dem Tatverdächtigen“, meldete die Polizei gegen 19.30 Uhr auf Twitter. Bis Redaktionsschluss noch ohne Erfolg. Allerdings hatte die Polizei da schon eine Öffentlichkeitsfahndung bei der Staatsanwaltschaft angeregt, die das beim Amtsgericht beantragte, wie Polizeisprecher Hummel nach 21 Uhr informierte.
Gegen den Tatverdächtigen wird darüber hinaus wegen schwerer Brandstiftung in zwei Fällen ermittelt.