KAISERSLAUTERN
Nach 70 Jahren: Ein Münchner kommt zum Klassentreffen nach Kaiserslautern
„Dieses K in Lautern ist katastrophal – eine Todsünde“, wettert der 76-Jährige. Den Niedergang zu sehen, darüber könne man sich schon echauffieren. „Dort stand früher das alte Pfalztheater mit dem schönen Brunnen davor.“
Ein Besuch in der Stadt hat keinen Seltenheitswert für Achelis. Schon zum vierten Mal sei er beim Klassentreffen dabei gewesen. Sein Vater war ein engagierter Kinderarzt, der auch den Jugendaustausch mit Frankreich organisiert habe. An die Anfänge der väterlichen Praxis kann sich Achelis noch gut erinnern. Die Familie wohnte in der vierten und fünften Etage im Haus der Commerzbank, der damaligen Rhein-Main-Bank. „Die Häuser neben uns waren heruntergebombt bis auf den Keller – das waren alles Trümmergrundstücke.“ Die Praxis zog um in die Fischerstraße, später Alleestraße, schließlich kaufte die Familie ein Haus in der Rosenstraße.
„Der Wald um Kaiserslautern ist ein einmaliges Kleinod“
Um sein Elternhaus dort kümmere er sich weiterhin regelmäßig. Seine Mutter habe bis zu ihrem Tod dort gelebt. Bis zu ihrem Lebensende mit 94 Jahren habe er sie gepflegt. Jetzt kümmere er sich um die Gräber auf dem Friedhof.
Die Umgebung von Kaiserslautern mit dem Pfälzerwald werde oft unterschätzt, sagt Achelis. „Der Wald um Kaiserslautern ist ein einmaliges Kleinod.“ Gerne fährt er auf seinem Weg in die Stadt mit dem Auto durch das Rinnthal. Auch das Fahrrad hat er gerne dabei. „Sonst habe ich immer das Fahrrad mitgebracht und bin, wenn Zeit war, durchs Lautertal gefahren – nach Hochspeyer, Landstuhl oder Johanniskreuz. Das sind alles wunderbare Radlstrecken.“
Am vergangenen Wochenende sei er mitten in den Trubel des Barbarossafests „Swinging Lautern“ geraten. „Da war ja die Hölle los – das war fantastisch“, erinnert er sich mit Begeisterung an die Musik auf den Bühnen und die Menschenmengen in den Straßen.
„Kaiserslautern ist heimelig“
Auf seinen Wegen durch die Stadt habe er früher immer beim Brezel-Adam eine Brezel gekauft. „Der hatte immer gute Geschichten zu erzählen.“ Auch jetzt legt der 76-Jährige immer einen Stopp beim Brezel-Adam-Denkmal ein. „Es freut mich jedes Mal, wenn ich da vorbeigehe. Er ist so gut getroffen.“ Und von einem alten Schulfreund weiß er, dass der jedes Mal bei einem Besuch in der Stadt sofort zur Metzgerei Kohler in der Kerststraße gehe, um dort eine Bratwurst zu essen.
Für den 14-jährigen Schüler Achelis ergab es sich, für die RHEINPFALZ über das Reiten zu schreiben. „Ich sollte zwar nur Turnierergebnisse liefern, aber natürlich habe ich einen Schulaufsatz daraus gemacht“, erinnert er sich. Bis zu acht Artikel im Monat habe er daraufhin über die Veranstaltungen auf der Reitbahn neben dem Betzenbergstadion geschrieben – bei einer Vergütung von fünf D-Mark. „Das war schon was – dafür für konnte man seine Freundin schon mal zu einem Eis ins Dolomiten einladen.“ Von diesen Vorerfahrungen habe er profitiert, sagt Achelis, der später an der Hochschule für Film und Fernsehen in München studiert hat und seit mehr als 40 Jahren Journalist ist. Energiesparen und Autos waren seine Themen. Den Energie- und Umweltpreis hat er 1980 zum ersten Mal ausgelobt. In München ist er mit seiner Frau zuhause. München habe eine andere Klasse, meint Achelis und denkt dabei unter anderem an die Biergärten. „Aber Kaiserslautern ist heimelig.“