Kaiserslautern
Mysteriöser Kofferfund am Kaiserslauterer Westbahnhof
Es war ein RHEINPFALZ-Leser, der die alles andere als alltägliche Entdeckung machte. Er meldete „eine Pyramide aus Rollkoffern im frei zugänglichen Umfeld des Bahnhaltepunktes Kaiserslautern West“. Es handele sich um ein für ihn schwer einzuordnendes Gebilde, schildert der Leser. Zumal die Koffer quasi mit Maschendraht abgesichert waren. Wer macht denn so etwas? Direkt sendet er ein Foto des kuriosen Fundes. Und spekuliert, was es damit wohl auf sich hat. Ein Kunstwerk? Eine Abholstelle für Versandgut? Ersatz für Bahnschließfächer?
Küchensiebe, Kaffeekocher und ein Hähnchen
Die RHEINPFALZ kontaktiert die Stadtbildpflege. Der Mitarbeiter ist ratlos. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, das sei definitiv ein Fall für das Ordnungsamt oder die Polizei. Die Polizei reagiert prompt, schickt Beamte raus, die die Kofferbatterie nach einer kurzen Suchaktion finden und unter die Lupe nehmen. Nur wenige Stunden später informiert Polizeisprecher Bernhard Erfort vom Polizeipräsidium Westpfalz: „Eine Polizeistreife hat die Koffer überprüft und festgestellt, dass es sich dabei offensichtlich um unerlaubt entsorgten Hausrat handelt.“ In den Koffern befanden sich unter anderem Küchensiebe, Teile von Küchenmaschinen, Kleiderbügel, Schuhe, Stoffe, Folien, Tüten, Kaffeekocher, Spielzeug – und ein vergammeltes Hähnchen. Bei den Reiseutensilien lagen der Polizei zufolge zudem Kleiderstangen, Klamotten und ein defekter Kinderwagen. „Hinweise auf den letzten Eigentümer oder einen Verantwortlichen haben sich nicht ergeben. Aktuell liegt kein polizeilich relevanter Sachverhalt vor“, fasst Erfort zusammen und gibt damit Entwarnung. Gefahr war nicht in Verzug. Die Ordnungsbehörde der Stadt Kaiserslautern wurde über die illegale Abfallentsorgung informiert.
Nach der Polizei kommt der Umweltschnelldienst
Die Stadtbildpflege schickt ihren Umweltschnelldienst vorbei. Soll noch mal jemand sagen, dass die Mühlen der Behörden langsam mahlen. In aller Frühe wurden die sechs herrenlosen Koffer abgeholt und entsorgt, berichtet Andrea Buchloh-Adler, die Leiterin der Stadtbildpflege. Sie spricht von einem „mysteriösen Fall“. „Da lag auch ganz viel Müll rum, am Ende aber war es wohl doch harmlos, es war nur eine illegale Ablagerung, wie wir sie leider mehr und mehr antreffen.“ Die Mitarbeiter der Stadtbildpflege reinigen in solchen Fällen direkt das ganze Areal.
Was Buchloh-Adler wirklich Sorgen bereitet: „Diese illegalen Ablagerungen nehmen extrem zu, die Müllmengen wachsen stetig, haben sich zuletzt fast verdoppelt.“ Die Leiterin des städtischen Eigenbetriebs, der für die Sauberkeit in der Stadt Kaiserslautern und die Müllabfuhr zuständig ist, nennt alarmierende Zahlen. Im Jahr 2023 wurden 55.000 Kilogramm illegal abgelagerter Müll aufgespürt, im Jahr 2024 102.000. „Und in diesem Jahr lagen wir bis September schon bei 69.000 Kilogramm. Die Hemmschwelle sinkt immer weiter.“ 2024 hatte die Stadt Kaiserslautern gegen 200 Müllsünder ein Verfahren eingeleitet, gestoppt hat das die Nachahmer kein bisschen.
Da ist es ein schwacher Trost, dass Buchloh-Adlers Team es schafft, in der Regel schnell zu reagieren. „Wenn wir informiert werden, ist der Unrat spätestens nach 48 Stunden eingesammelt.“ Der Umweltschnelldienst sei mit einem Fahrzeug und zwei Mitarbeitern im Dauereinsatz. „Aber wenn das so weitergeht, brauchen wir ein zweites Fahrzeug und mehr Personal. Das muss politisch noch mal besprochen werden“, sagt die Chefin der Müllwerker. Das Schlimme sei, dass am Ende die Gebührenzahler, die sich an alle Regeln halten, für den Schaden, den andere verursachen, aufkommen müssen. Wer Wohnzimmerschränke mitten auf dem Gehweg, alte Autoreifen im Gebüsch oder verdreckte Matratzen neben Glascontainern sieht, kann sich im Kundencenter der Stadtbildpflege unter 0631 1700 melden. „Noch besser ist es, ein Foto zu machen und das in unserer Stadtbildpflege-App hochzuladen. Dann sehen wir anhand der GPS-Koordinaten direkt, wo unsere Leute hinmüssen“, erläutert Buchloh-Adler.